Hier werden die Tauben mit Schreck und Spießen verscheucht, da rücken sie den Ratsherren auf die Pelle. Das – vielleicht etwas lyrisch beschrieben – ist die Situation zwischen Rathaus und Krämerbrücke, wie sie Birte Schwarz beschreibt. Die Chefin des Vereins Erfurter Tauben schlägt nämlich Alarm und sieht sich im Stich gelassen.

Vergrämung an einer Stelle sorgt woanders zu Zuflug

Die Situation rund um Rathaus und Krämerbrücke habe sich erneut verschärft. „Durch kürzliche Vergrämungsmaßnahmen wurden den Tieren erneut Unterschlupfmöglichkeiten genommen, was uns nicht nur als Tierschützer*innen traurig macht, sondern konkrete Auswirkungen auf die Innenstadt hat.“ Die Tiere sitzen vor allem im Bereich der Krämerbrücke auf Fensterbänken und in Hausnischen, hat Schwarz mit ihren Vereinsfreundinnen beobachtet. Der Taubenkot falle direkt auf die Wege, Jungtiere fallen aus den Nestern und irrten zwischen den Gastronomiebetrieben herum.

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Das genau schrieb sie jüngst auch an die Ordnungsdezernentin Heike Langguth. Doch eine Antwort erhielt sie nie. Was vielleicht daran lag, dass sie an die mögliche Nutzung des fertigen Taubenschlags im Rathaus erinnerte. Der eben gerade im aktuellen Brennpunkt Abhilfe schaffen würde.

Im Rathaus-Dachboden wartet ein fertiger Taubenschlag

Doch genau die Einweihung des seit 2022 fertig installierten Taubenschlags scheint derzeit kein Thema bei den Verantwortlichen der Stadt zu sein. Auf Anfrage unserer Zeitung an Heike Langguth antwortet die Pressestelle. „Es ist nicht geplant, den damals angedachten Taubenschlag in Betrieb zu nehmen. Es gibt Überlegungen hinsichtlich Alternativen, aber die müssen zunächst verwaltungsintern abgestimmt werden. Auch, wer die Regie für einen weiteren Taubenschlag übernimmt, muss in diesem Zusammenhang geklärt werden.“

Tauben
Tauben suchen sich an den historischen Gemäuern der Stadt Nischen. Und nutzen sie auch als Höhentoiletten.© Verein Erfurter Tauben | Birte Schwarz

Angedacht? Wir erinnern uns: Im Januar 2022 wurde die Einweihung des Taubenschlags im Dachgeschoss vorbereitet. Er war damals schon fertig gebaut, der Taubenverein wollte die Betreuung übernehmen. Eier entnehmen, um die Population zu senken. Reinigen und auch dort artgerechtes Futter auslegen. Nach Bedenken von Mitarbeitern, die in nahe gelegenen Büros arbeiten und die Angst um ihre Gesundheit hatten, stoppte der damalige OB das Vorhaben.

Vögel bevölkern Fensterbretter und Nischen

Nun scheinen sich die Tauben rächen zu wollen und sitzen hartnäckig auf Fensterbrettern der Häuser der Altstadt – auch am Rathaus. „Ich bin sehr enttäuscht, dass es nicht vorangeht“, sagt Birte Schwarz, „es ist dringend nötig, in der Altstadt den Tauben diese Räume zu geben.“ Wenn jetzt nach Alternativen gesucht werde, schaue es düster aus: „Wir wissen doch, wie lange das dann dauert.“

Verein erinnert an Zusage der Ordnungsdezernentin

Enttäuscht ist der Verein auch von Ordnungsdezernentin Langguth. Schwarz erinnert sich: „Wir waren im Frühjahr bei Frau Langguth zum Antrittsbesuch, haben dabei natürlich auch den Rathausschlag angesprochen und uns über die Aussage ‚Das kriegen wir hin‘ sehr gefreut.“ Frau Langguth wollte insbesondere mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprechen, die Ängste oder Vorbehalte hätten. Seither sei das aber nicht geschehen, wie Heike Langguth mehrfach in Sitzungen des Ordnungsausschusses bestätigt hätte.

Vorsitzende Schwarz: „Es kann nicht das letzte Wort sein.“

Birte Schwarz und die anderen Mitglieder des Taubenvereins wollen nicht aufgeben. Sie wollen gern über die Situation der Stadttauben aufklären und auch den Schlag im Rathaus betreuen. „Es kann nicht das letzte Wort in der Angelegenheit gesprochen sein.“