Steht eine Avocado an der Tür. Was wie der Anfang eines Witzes klingt, ist tatsächlich der Anfang einer neuen Ära, zumindest für den Roten Berg. Sie begann am Morgen des 20. November. Jener Tag, an dem wieder so richtig geshoppt werden kann im Wohngebiet.

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„Endlich“, sagt Cornelia Weigl. Sie hält einen kleinen Smoothie in der Hand, den ihr die Avocado, die eigentlich Jule heißt und die Mitarbeiterin bei Penny ist, und die Ananas alias Saskia gegeben haben. Die beiden begrüßen die ersten Kunden mit einem vitaminreichen Getränk und Blümchen.
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Beim Einkaufen Bekannte treffen – wie früher
„Wissen Sie, ich bin die vergangenen fünf Jahre immer bis ins Rieth oder zum Ilversgehofenen Platz gefahren, das war echt belastend“, erzählt Cornelia Weigl. Seit Jahrzehnten wohnt sie hier am Roten Berg. Und das gern. Ein Mann läuft vorbei, sie grüßen sich, er bleibt stehen. „Ist das nicht herrlich“, sagt er und blickt über den Parkplatz. Norbert Schütz wohnt im selben Haus wie Cornelia Weigl, auch schon seit langer Zeit. Sofort beginnt der Plausch über das neue Einkaufszentrum. Zoopark Center steht in großen roten Buchstaben über dem Haupteingang nahe der Straßenbahnhaltestelle.

6000 Menschen leben am Roten Berg, Anfang 2021 wurde der frühere Einkaufskomplex abgerissen. Die Anwohner mussten sich mit einer riesigen Baulücke im Herzen des Roten Bergs abfinden sowie mit Übergangslösungen in der Nahversorgung. So wurde ein Mini-Rewemarkt in Containern angeboten, auch die Apotheke nutzte Container als Provisorium. Vor einem Jahr eröffnete mit „Haikos Shop am Ring“ ein nicht nur bei Anwohnern beliebter Lebensmittelladen. Ein Ort mit internationalen Produkten und der Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen.
Investor berichtete regelmäßig vom Fortschritt der Bauarbeiten
Der Investor des Zoopark Centers, Karl-Heinz Zehentner von der Zehentner & Seidel Immobiliengesellschaft aus Weimar, hielt seine Anfang 2024 gegebene Zusage, den Gebäudekomplex bis Oktober dieses Jahres fertigzustellen. Zur Stadtteilkonferenz, zu der Ortsteilbürgermeisterin Marina Rothe am 23. Oktober geladen hatte, bestätigte er erneut den 20. November als Eröffnungstag. Auch in den Monaten davor war eins sicher: Wenn Karl-Heinz Zehentner bei den Versammlungen im Bürgerhaus über den Baufortschritt berichtete und neue Informationen zu den Mietern preisgab, war ihm die volle Aufmerksamkeit der Anwohner gewiss.

In den vergangenen Wochen gab es für die Bauarbeiter und Mitarbeiter der Geschäfte dann viel zu tun. Im Akkord richteten sie die Verkaufsräume ein, legten die Waren aus. Einige Bereiche im Außengelände sind noch nicht gänzlich fertiggestellt, doch das ist den Kunden beim Shopping egal. Ein überdimensionales Wandbild soll künftig von der Straßenbahnhaltestelle aus sichtbar sein. Wann das Gemälde angefertigt werden kann, ist witterungsabhängig. Dafür braucht es dauerhaft mindestens fünf Grad Celsius.
Erste Kunden am Morgen bereits da
Von der Kälte lassen sich die Bewohner des nördlichen Stadtteils am Donnerstag nicht abschrecken. Der Rote Berg entpuppt sich als Frühaufsteher-Stadtteil. Nach dem Pre-Opening des Rewe-Marktes am Mittwochnachmittag geht es morgens 6 Uhr gleich richtig los. Dass es endlich wieder einen Fleischer gibt, loben die Kunden. Auch gegenüber, bei Woolworth ist bereits vor der offiziellen Eröffnung um 9 Uhr Betrieb im Laden.

„Wir haben 580 Quadratmeter Verkaufsfläche, das ist eine unserer kleineren Filialen“, sagt Bezirksleiter Carlo Franzke. Das Sortiment sei standardisiert, also wie in anderen Filialen. Zehn Mitarbeitende gibt es, „wir haben geschaut, die Angestellten wohnortnah einzustellen. Wer in der Innenstadt wohnt, muss nicht bis hierherfahren, sondern kann dort arbeiten und andersherum“, erklärt er.
Währenddessen geht es auf dem Parkplatz ein bisschen zu wie auf dem Rummel. Vor den einzelnen Geschäften ertönt Musik, es wird moderiert. Das soll die Kunden anlocken. Und das gelingt. Glücksrad, Lose, Sonderangebote, Luftballons. Sogar Kindergartengruppen spazieren nicht direkt zum Spielplatz, sondern erstmal ins Zoopark-Center. Schüler kommen in der Freistunde herüber, Mütter mit ihren Kinderwagen, Rentner. Es ist eine bunte Mischung, so bunt wie der Rote Berg.
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Cornelia Weigl und Norbert Schütz beobachten das Treiben. „Es ist einfach schön“, sagt der Rentner erneut. „Ich fotografiere seit vielen Jahren die Veränderungen am Roten Berg. Da hat sich einiges getan.“ Cornelia Weigl nickt zustimmend und ergänzt: „Es ist nur schade, dass viele ältere Menschen seit dem Abriss des alten Einkaufszentrums gestorben sind und dieses neue nun nicht mehr erleben können. Es hätte ihnen bestimmt gefallen.“






