Wie so oft beflügeln die Gedanken an einen Verlust die Kreativität. Droht erstmal eine Schließung, wie die des Margaretha-Reichardt-Hauses in Erfurt, werden teils jahrzehntealte und immer wieder zurückgestellte Fragen nach einer Neubelebung wieder aktuell. Das Haus, das eine der wenigen echten Bauhaus-Stätten der Landeshauptstadt ist, fristet schon lange ein Schattendasein. Schlechte Besucherzahlen wurden beklagt, doch anstatt neue Konzepte zu entwickeln oder den Ort öffentlich bekannter zu machen, drängten oft andere Probleme auf höhere Plätze auf der Prioritätenliste.
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Das Tragische: Das Margaretha-Reichardt-Haus entspricht als authentischer Ort, an dem Kulturgeschichte an Objekten und am Haus an sich erfahren werden kann, genau dem teuer erarbeiteten neuen Museumskonzept der Stadt Erfurt. Mit dem erzwungenen Auszug von Reichardt-Schülerin und Museumsmitarbeiterin Christine Leister wird die Frage nach Ideen für das Haus also schneller wichtig, als eigentlich gedacht war.
Drei Ideen für die einzigartige Bauhaus-Stätte in Erfurt
Spannend wird, welche Pläne die Kulturdirektion wohl entwickeln wird. Ein Blick auf andere Kulturorte in Deutschland, die in etwa dem Format des Reichardt-Hauses entsprechen, eröffnet schon erste Perspektiven, welche Schlagrichtungen es werden könnten.
Die Kulturdirektion lässt noch keine Ideen blicken, wo sie nach dem schon länger feststehenden Weggang von Christine Leister ansetzen könnte. Unsere Redaktion hat drei Varianten zusammengestellt, wie es in Erfurts einzigartiger Bauhaus-Stätte etwas lebendiger weitergehen könnte, als bisher:
Möglichkeit 1: Experimentierraum statt Museum

Erfurt könnte ein „Bauhaus-Labor“ etablieren. Ähnlich wie das Konzept des Erfurter Stadtschreibers könnte ein „Erfurter Textildesigner“ ausgeschrieben werden. Verschiedene Künstler hätten nicht nur die Möglichkeit, temporär im Haus zu wohnen, sondern auch dort zu arbeiten und Werkstattgespräche und offene Ateliers zu gestalten. Natürlich im Sinne Margaretha Reichardts: mit Textil, Handwerk und Alltagsästhetik.

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So würde das Haus „benutzt“, statt nur bewahrt. Mit wenig Hürden könnte die Stadt eine höhere Strahlkraft mit dem Reichardt-Haus erzielen. Es muss nicht gleich ein Konzept sein, das sich mit den Künstlerhäusern in Worpswede messen kann, aber vielleicht lohnt ein Blick nach Dresden zur Villa von Mary Wigman die von einer Künstlerinnenstätte heraus in einen Kulturort entwickelt wurde.
Möglichkeit 2: Ein fester Lernort für Schüler und Studierende

Die Bauhaus-Bewegung und ihre Künstler sind Teil der Thüringer Kunst-Lehrpläne. Da liegt die Idee nicht fern, aus dem Reichardt-Haus einen festen Lernort für Kinder und Jugendliche zu machen. Als Kooperationspartner lägen die städtischen Schulen nah (man denke allein an die Gropius-Schule), deren Lehrer an erlebnisorientiertem Lernen sicher interessiert sein sollten. Auch Projektwochen oder Kunstlehrerfortbildungen wären vor Ort möglich. Nicht vergessen werden sollten auch die Fachhochschule, die Universität Erfurt und die Bauhaus-Universität Weimar. In Kooperation mit den Hochschulen können auch gute Projekte entstehen, in denen sich die Studierenden einbringen.
Bauhaus würde auf diese Weise wieder mehr als Haltung und weniger als Stil verstanden. Das Haus würde Teil des Alltags für Jugendliche, junge Erwachsene und Künstler. Dass das andernorts gut funktioniert, zeigen nicht nur die „Großen“, wie das Buddenbrookhaus in Lübeck oder das Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin, sondern auch Orte, die in ihrer Struktur schon eher dem Margaretha-Reichardt-Haus entsprechen: Das Käthe-Kollwitz-Haus in Dresden oder der Lyonel-Feininger-Kubus in Quedlinburg.
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Möglichkeit 3: Eine Gemeinschaft muss ran

Recht klassisch funktioniert das Freundeskreis-Modell. Bereits jetzt wird vor allem in den Erfurter Kunstmuseen viel über das Engagement von Fördervereinen und Freundeskreisen gestemmt. Die Stadt bliebe Eigentümerin des Hauses, gäbe die Verantwortung dafür aber zum Teil an eine Trägerstruktur ab. Nötig wäre die Gründung eines Vereins oder einer Stiftung, die sich um eine Projektförderung und Spenden bemühen. Engagierte Bürger, Kulturschaffende, Bauhaus-Experten, aber auch Unternehmen kommen für so ein Konzept infrage.
Projekte in Leipzig und Osnabrück zeigen, wie das gehen kann. Das Budde-Haus, eine denkmalgeschützte Villa, wird ebenso als soziokultureller Kulturort genutzt, wie die alte Lagerhalle in Niedersachsen. Beide Häuser bieten Workshops und Raum für künstlerische Nachbarschaftstreffen. Und das in stadtgeförderter und bügerschaftlich getragener Art.
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Zukunft des Hauses bleibt ungewiss
Oft sind sie hybride Orte, die aus diesen räumlich beschränkten Häusern gemacht werden. Ein bisschen Ausstellung, ein bisschen Seminarhaus, ein bisschen Nachbarschaft. Aber der Anfang für jede dieser oder anderer Ideen ist der gleiche: Es muss sich jemand finden, der sich wirklich interessiert. Danach entscheidet sich, welche Priorität das stille Haus in Bischleben bekommen wird.










