Das Thüringer Wappen, die originale Jahreszahl der Erbauung oder doch einfach die Zahl, die jetzt an der Fassade klebt? Diese Frage hat unsere Redaktion den Lesern gestellt. Gemeint ist das Haus der Landespolizeidirektion in der Andreasstraße. Ein Erfurter Leser unserer Zeitung hat den Sinn der dort zu lesenden Jahreszahl „1949“ hinterfragt: Wird hier die DDR-Gründung verehrt?

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Schließlich wurde das Gebäude 1939 errichtet, das wäre doch die augenscheinlich passendere Dekoration für die Fläche über der Eingangstür. Ein Blick in die Baugeschichte zeigt, dass 1949 für das Jahr des Umbaus des ehemaligen Ministeriumsgebäudes steht und ein vormals dort prangendes Hakenkreuz ersetzt hatte. Um allen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, schlägt der Leser das Landeswappen als passendere Dekoration vor. Aber was sagen andere Erfurter dazu?
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Erfurter fühlen sich an die DDR und ihr Unrecht erinnert
Unsere Leserin Brit Eschbach fühlt sich ähnlich wie Lutz Klingebiel, der die kleine Fassadenunstimmigkeit in den Blickpunkt rückte, an die Ostzeit erinnert: „[...] Mich erinnern die Zahlen immer an die DDR und damit auch an die Stasizeit. Die Stasi hat ja das Gebäude zuletzt zu DDR-Zeiten genutzt“, so die Erfurterin. Ihr Vorschlag: Entweder wird die Jahreszahl 1949 glattgeputzt und das Feld bleibt leer. „Oder, da ja das Gebäude unter Denkmalschutz steht, müsste der ursprüngliche Reichsadler (ohne Hakenkreuz) wieder angebracht werden. Die Zahl 1949 hat für mich immer einen fahlen Beigeschmack“, schreibt sie in einer Mail an die Redaktion.
Die Jahreszahl 1939 ist „sicher keine bessere Alternative“
„Passend finde ich [die Jahreszahl] nun wirklich nicht, sie rückt für mich das Ganze in ein falsches Licht“, denkt auch ein Leser, der sich Arthur Spooner nennt. „Gerade auch wenn man bedenkt, dass dieser Bau, soweit ich informiert bin, als Erweiterung für das Gerichtsgebäude galt“, so der Leser. Auch über Instagram haben mehrere Erfurter ihre Meinung zu der Inschrift geäußert. Ein User hat kommentiert: „1939 als Weltkriegsbeginn ist nun sicher keine bessere Alternative. Irgendwas war immer. Wenn das Gebäude dort umgebaut wurde, steht die Jahreszahl zurecht“.
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Viele Jahreszahlen haben ein problembehaftetes Image
„Fairerweise ist der Vorschlag mit dem Wappen nicht schlecht, man findet halt zu jeder Jahreszahl irgendwas, was irgendwem nicht passt“, denkt ein anderer Instagram-Follower und unterstützt damit die Idee von Lutz Klingebiel. Dieser wiederum arbeitet sich vor allem an der Stellungnahme von Denkmalpfleger Mark Escherich ab. Der Bauhistoriker sieht die „1949“ als Erinnerung an die Ernennung Erfurts zur Landeshauptstadt und plädiert auch aus anderen Gründen für den Erhalt der Jahreszahl.
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Die Meinungen gehen auseinander. Die Frage nach der „Korrektheit“ der Inschrift inspiriert aber zu diversen Ideen und beflügelt einige Erfurter zur Beschäftigung mit der Baugeschichte des großen Verwaltungsbaus. Im Falle der Landespolizeidirektion müssen die Vorschläge unserer Leser zumindest in den nächsten Jahren bloße Vorschläge bleiben: Die Fassade oder gar den Schriftzug zu verändern, ist nicht Teil der Sanierungspläne für das Haus.









