Nach langen Debatten und teils heftigem Streit um den Moscheebau in Marbach fand am Freitag (20. März) das erste Zuckerfest der Ahmadiyya-Gemeinde in ihrem neuen Gotteshaus statt. Die Gemeindemitglieder aus Erfurt und dem Umland feierten das Ende des Fastenmonats Ramadan mit dem sogenannten Ied al-Fitr, dem Zuckerfest. Der Name geht darauf zurück, dass der Prophet Mohammed der Überlieferung zufolge nach dem Ramadan Süßspeisen zu sich nahm. Deshalb bekommen Kinder an diesem Tag traditionell Süßigkeiten geschenkt, und die Gemeinde kommt zusammen, um gemeinsam süße Köstlichkeiten zu essen.
Vorsätze aus dem Ramadan fortführen
Vor den Feierlichkeiten hielt Kamal Ahmad, der Imam der Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt, eine Predigt auf Deutsch und Urdu. Darin sprach er über die Mühen, die die Gläubigen während des Fastens auf sich genommen haben. Dazu zählt nicht nur der Verzicht auf Nahrung am Tag, sondern auch die Besinnung auf den Glauben an Allah sowie persönliches Wachstum. Kamal Ahmad betonte die Bedeutung des Ramadans als eine Zeit, in der man sich moralisch und spirituell weiterentwickeln soll. Das Zuckerfest markiert dabei nicht nur den Abschluss des Fastenmonats, sondern steht auch für die Fortführung der Besinnung und der im Ramadan gefassten Vorsätze.

Während der Predigt und während des gemeinsamen Essens halten sich Frauen und Männer in separaten Räumen auf. „Die Trennung von Männern und Frauen geschieht nur, damit man nicht abgelenkt wird“, erklärt Kamal Ahmad. Im Alltag und im Berufsleben seien Frauen und Männer völlig gleichberechtigt. Die Predigt wird von allen verfolgt – die Trennung ist lediglich räumlich, nicht geistlich.
Vor allem Kinder freuen sich über Süßes
Die Kinder blieben zunächst bei den Frauen und warteten dort ungeduldig auf das Ende des offiziellen Teils. Kaum war der Imam fertig, schon liefen sie zwischen den abgetrennten Bereichen hin und her. Von den Erwachsenen erhielten sie zahlreiche Süßigkeiten, die sie schnell in ihren Taschen und Tüten verschwinden ließen.

Am Ende der Predigt umarmten sich die Anwesenden und gratulierten sich zum Ende der Fastenzeit. Im Vorraum waren Tische mit verschiedenen Speisen aufgebaut. Neben kurdischen Spezialitäten und süßem, mit Rosenwasser verfeinertem Milchreis, wurde auch alkoholfreies Tiramisu angeboten, das großen Anklang fand. Die Stimmung war ausgelassen, der Saal erfüllt von lockeren Gesprächen und Gelächter.
Lesen Sie auch
Kamal Ahmad zeigt sich sehr froh darüber, nun mit seiner Gemeinde über eine eigene Moschee zu verfügen, in der solche Feste gefeiert werden können. „Die Moschee bietet Raum für Zusammenkunft und Austausch“, sagt er. Dabei steht das Gotteshaus nicht nur Gemeindemitgliedern offen: Auch Schulklassen und Interessierte sind eingeladen, die Moschee zu besichtigen. Der Imam möchte Aufklärung über den Islam leisten und Vorurteile abbauen. Seine Devise lautet: „Ich will einen konstruktiven Islam vermitteln, der Lösungen bietet und den Menschen hilft.“





