Bunt ist es, fröhlich ist es, wuselig ist es am Samstagnachmittag in dem Flachbau Tungerstraße 1. Nichts erinnert mehr an die gruseligen Zeiten der „Kammwegklause“, dem verrufenen Nazi-Treff am Herrenberg. Mit dem Verein „Spirit of Football“ ist hier ein gänzlich anderer Geist eingezogen. Gemeinschaft ist das Stichwort. Ein interkultureller Ort für Groß und Klein soll es werden. Mehrmals pro Woche gibt es Angebote mit Musik, Kunst, Kulinarik, Bewegung und Spaß für junge und junggebliebene Menschen.
Gemeinschaft statt Ausgrenzung am Herrenberg
„Was das Spirit-of-Football-Team eint, sind Werte wie Vielfalt, Respekt und Teamgeist. Genau das wird hier künftig gelebt“, sagte Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU). Das Angebot tue dem Herrenberg gut und habe Modellcharakter für andere Stadtteile. „Das ist auch Prävention gegen Einsamkeit. Wir wissen, dass in der Stadtgesellschaft immer mehr Menschen einsam sind, und dem soll hier entgegengewirkt werden“, so Andreas Horn.

Hans-Jürgen Czentarra, dem Ortsteilbürgermeister des Herrenbergs, war es ein Anliegen, auf die Wandlung der Tungerstraße hinzuweisen. „Angst vor Nazis ist das Schlimmste, was man machen kann. Man muss Gesicht zeigen, das ist wichtig. Das hat der Herrenberg bewiesen.“ Er räumte ein, dass er das Gebäude anfangs lieber mit Angeboten für Senioren beleben wollte, da sich viele Rentner an Orten, wo sich Jugendliche treffen, nicht wohlfühlten. Doch er habe sich vom universellen Ansatz überzeugen lassen. Statt Rentner gegen die Jungen auszuspielen, sollten sie zusammenspielen. „Die Generationen müssen zusammenhalten. Die Rentner haben das Land aufgebaut, die Jungen müssen es weiterbauen“, sagte er unter Applaus.
Spirit of Football ist Hansdampf in allen Gassen
Spirit of Football ist seit 2017 im Rahmen der aufsuchenden Jugendarbeit am Herrenberg vertreten. Was lange gefehlt habe, sei eine feste Anlaufstelle, ein Ort zum Treffen und Spielen, sagte Sven Söderberg vom Vorstand des umtriebigen Vereins. Das Team mausert sich zunehmend zum Hansdampf in allen Erfurter Gassen. Die Haupt- und Ehrenämtler stemmen Bildungsprojekte an Schulen, organisieren Fußballturniere, geben Kunst- und Musikunterricht, unterbreiten kulinarische und sportliche Angebote, engagieren sich für die Stärkung von Mädchen und vieles mehr.
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Auf die Frage, was Spirit of Football eigentlich ist, sagte Sven Söderberg: „Die Antwort überfordert mich. Formal sind wir ein Träger der freien Jugendhilfe. Das ist die technokratische Bezeichnung. Wir sind wie eine Art großes Schiff, das über das Meer schippert. Viele Leute kommen zu uns, bringen sich ein, und es ist egal, woher sie kommen.“
Weitere Informationen zum Angebot am Herrenberg und in ganz Erfurt unter spirit-of-football.de






