Der Protest gegen die Umbaupläne der Erfurter Augustinerkirche reißt nicht ab. Experten des Erfurter Geschichtsvereins halten unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten an ihrer Kritik fest. Verbunden mit der Hoffnung, dass das umstrittene Vorhaben noch gestoppt werden kann, wie der Historiker und Vereinsvorsitzende Martin Sladeczek sagt. Daran ändere auch die Baugenehmigung nichts, die Mitte Februar trotz aller Bedenken erteilt worden ist und in Fachkreisen für Entsetzen gesorgt habe. Noch sei kein Baustart erfolgt.

Jubiläum im nächsten Jahr gibt Aufschub

Jahre später als geplant soll laut Augustinerpfarrer Bernd Prigge der Umbau der Erfurter Augustinerkirche aber starten, wie er der mitteldeutschen Kirchenzeitung „Glaube+Heimat“ unlängst mitteilte. Eingereicht worden war der Antrag bereits im Mai vergangenen Jahres. Laut Prigge ist der Baustart für 2028 geplant, da das Augustinerkloster im nächsten Jahr sein 750-jähriges Bestehen feiert und die Bauarbeiten das Programm nicht stören sollen. Vorgesehen sind die Installation einer Chortreppe, die Wiederherstellung einer historischen Empore sowie der Einbau einer Fußbodenheizung.

Was der Umbau der Augustinerkirche in Erfurt bedeutet
Die Einreichung des Bauantrags 2025 war für Augustinerpfarrer Bernd Prigge und die Kirchenvertreterinnen Elke Bergt und Stefan Große sowie die Architekten Michael Schoener und Anja Naumann ein Meilenstein (Archivfoto).© Funke Medien Thüringen | Frank Schauka

Für die Sanierung seien Kosten in Höhe von 5,5 Millionen Euro veranschlagt, hatte Prigge erklärt. Als Eigentümerin der Augustinerkirche finanziert die evangelische Kirche Mitteldeutschland die Umgestaltung zur Hälfte mit. Da ein Gutteil aus Spenden finanziert werden soll, will die denkmalpflegerische Arbeitsgruppe des Geschichtsvereins weiter alles dafür tun, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und über die Tragweite der geplanten Umbauten zu informieren, kündigt Sladeczek an. Er sieht geschichtliche und baukünstlerische Details der Augustinerkirche in Gefahr.

Bereits im Mai vergangenen Jahres hatte die AG die geplante Fußbodenheizung kritisiert. Diese stelle eine Gefahr für die wertvollen Glasfenster der Kirche dar. Auch sprachen sich ihre Mitglieder dafür aus, dass angesichts der Klimakrise frierende Kirchenbesucher doch lieber zur wärmenden Decke greifen sollten.

Blick von außen auf die Augustinerkirche (links) und ein Entwurf der  geplanten Chortreppe. 
Blick von außen auf die Augustinerkirche (links) und ein Entwurf der geplanten Chortreppe. © Funke Medien Thüringen/Schoener und Panzer Architekten BDA | Marco Schmidt/Schoener und Panzer Architekten BDA

Vier Zeitschichten gilt es zu bewahren

„Begründet wird die Genehmigung mit liturgischen Belangen, die bei kirchlichen Bauten Priorität gegenüber denkmalpflegerischen Anliegen genießen. Allerdings hat der geplante Umbau kaum liturgische Ziele, vielmehr geht es erklärtermaßen darum, den Kirchenraum in multifunktional nutzbare Veranstaltungsräume umzugestalten“, lautet ein Kritikpunkt der Geschichtsvereins-Arbeitsgruppe. Vier denkmalrelevante Zeitschichten gelte es zu bewahren, allen voran die der mittelalterlichen Augustiner-Eremiten-Kirche, die der Wirkungsstätte Martin Luthers sowie die des Tagungsortes des Erfurter Unionsparlaments. Der Umbau bringe besonders die vierte Zeitschicht, die moderne Raumfassung durch Theo Kellner aus den 1930er-Jahren, in Gefahr. Expertenmeinungen würden abgetan und belächelt, ein wirklicher Dialog sei nicht zustande gekommen, kritisiert Sladeczek.

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Als „unglücklich“ wird der geplante Einbau eines Chorpodests unter der Westempore bezeichnet, der den Blick ins Kirchenschiff einschränke oder verschließe. Zudem gibt es Vorbehalte genereller Natur: „Es bleibt irritierend, dass die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands sich mit erheblichen Mitteln am Umbau einer völlig intakten Kirche beteiligt und zugleich bei Dutzenden von Kirchen in ihrem Verantwortungsbereich die nötigsten Sicherungsarbeiten und Reparaturen nicht gewährleisten kann.“