Vergleichsweise jung und zu drei Vierteln wild, so beschreiben Naturschutzexperten der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) den Wald auf dem rund 80 Hektar großen Gelände am Erfurter Drosselberg. Dazwischen finden sich seltene Trollblumen- und Orchideenwiesen. Jahrelang wurde das Areal untersucht und kartiert. Jetzt liegt ein Konzept vor, wie sich das Naturerbe in den kommenden zehn Jahren entwickeln soll.

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Vornehmlich Eichen, Buchen und Eschen finden sich auf dem fast durchweg bewaldeten Gebiet des DBU-Naturerbes Drosselberg. „Vor allem die Eichen und Buchen erreichen ein höheres Alter von bis zu 180 Jahren“, sagt Heike Schneider, Projektverantwortliche im DBU-Naturerbe. Eine große Baumartenvielfalt mit Ahorn-Arten, Pappeln und Birken gibt es in den jüngeren Altersklassen, zwischen 20 und 100 Jahren.
Stabiles Ökosystem angesichts des Klimawandels
Die Vielfalt verschiedener Baumarten verschiedenen Alters sei wichtig für die Stabilität der Ökosysteme angesichts des Klimawandels. Dieser Wald soll nun unter vorsichtiger Unterstützung der DBU-Experten in eine natürliche Waldentwicklung ohne weitere Eingriffe überführt werden. „Für den wilden Wald von morgen haben wir am Drosselberg sehr gute Voraussetzungen – bereits mehr als 75 Prozent des Waldes bleibt schon jetzt sich selbst überlassen“, so Schneider.

Trotz des noch geringen Anteils an Alt- und Totholz konnten am Drosselberg fünf brütende Spechtarten nachgewiesen werden, darunter der in Deutschland stark gefährdete Grauspecht. Das helfe anderen Tiergruppen: „Fledermäuse nutzen Spechthöhlen zum Beispiel als Tages- und Winterquartiere oder für die Jungenaufzucht“, erklärt Schneider. Festgestellt worden seien insgesamt 14 Fledermausarten, darunter die streng geschützte Kleine Hufeisennase. Vom Alt- und Totholz profitierten viele Käfer und Pilze.
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Wertvolle Waldwiesen sollen sanft bewirtschaftet werden
In den nächsten Jahren stünden Schneider zufolge vor allem die Pflege von fünf zerstreut liegenden Waldwiesen und die offengehaltene Nord-Süd-Trasse einer unterirdischen Fernwasserleitung im Fokus. In Mitteleuropa mittlerweile selten gewordene Wildbestände verschiedener Blütenpflanzen gebe es hier noch, sagt Schneider: „Auf einer der Waldwiesen der Naturerbefläche wachsen die meisten der im Gebiet festgestellten gefährdeten Blühpflanzenarten mit gleichzeitig der größten Individuenzahl: Trollblumen, Heil-Ziest, Kugelige Teufelskralle sowie Geflecktes Knabenkraut – eine Orchideenart.“
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Entwicklungsplan zeigt Maßnahmen bis 2036 auf
Um die bunt blühenden Wiesen mit ihrem hohen Kräuteranteil zu erhalten, werden sie durch einen Pächter bewirtschaftet, ein- bis zweimal im Jahr gemäht ohne Einsatz von Düngern oder Pflanzenschutzmitteln. Der Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge kümmert sich vor Ort um die Umsetzung des Entwicklungsplans.
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Das Gebiet des heute noch aktiven Standortübungsplatzes wurde 2004 aus der militärischen Nutzung genommen und dem Nationalen Naturerbe zugeführt. 2019 hatte der Bund diese Fläche an das DBU-Naturerbe übertragen. Seitdem erarbeiteten Schneider und ihre Kollegen einen 83-seitigen Managementplan. Externe Büros kartierten alle vorhandenen Biotope und Lebensraumtypen, erhoben Daten zum Waldzustand und erfassten zudem Pflanzen- und Brutvogelarten. Aufbauend auf diesen Daten entwickelte das Projektteam die Naturschutzmaßnahmen für Wald und Offenland bis 2036.
red









