Im Jahr 2014 erhielt Claudia Hübner ihre Diagnose. Zwei Jahre darauf trat sie der „Thüringer Rheumaliga“ bei, die mit lokalen Selbsthilfegruppen für Betroffene der mehr als 100 rheumatischen Erkrankungen Austausch und Unterstützung ermöglicht. „Verständnis, Bewegung und vor allem soziale Kontakte sind notwendig, weil mit Rheuma viele in Depressionen fallen – ich gehöre auch dazu“, sagt die 49‑Jährige.

Wir haben 100.000 Euro beantragt und bekommen 457 – und das nicht einmal für die Ehrenamtlichen.

Claudia Hübner, Vorsitzende der Rheumaliga Selbsthilfegruppe Erfurt

Der Erfurter Ableger der Rheumaliga habe ihr geholfen, mit den Schmerzen umzugehen. Vor drei Jahren übernahm sie den Vorstand. Um Sportangebote, Ausflüge und Vorträge für die rund 780 betreuten Rheuma-Erkrankten auf die Beine zu stellen, helfen viele der mehr als 540 Vereinsmitglieder unentgeltlich.

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Um die Ehrenamtlichen wenigstens mit einer symbolischen Summe zu entschädigen, Weiterbildungen für die Kursleiterinnen und Kursleiter zu zahlen sowie für grundlegende Büromaterialien, beantragte Claudia Hübner eine städtische Förderung. „Wir haben 100.000 Euro beantragt und bekommen 457 – und das nicht einmal für die Ehrenamtlichen“, echauffiert sie sich. Laut dem Bescheid der zuständigen Stelle für Ortsteile und Ehrenamt dürfe das Geld nur für Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden.

Thüringens Politik will Ehrenamtliche mehr unterstützen

Für die Vorsitzende ist das eine Katastrophe und insbesondere angesichts des kürzlichen politischen Vorstoßes für die Stärkung des Ehrenamts unerwartet. „Im Januar hat die Landesregierung verkündet, die pauschale Vergütung der Ehrenamtlichen um 120 Euro auf 960 Euro im Jahr zu erhöhen“, führt sie aus. Stattdessen werde der größten Selbsthilfegruppe in Erfurt nun nicht einmal das Fahrtgeld, ein Blumenstrauß zur Würdigung oder die ohnehin bescheidene Weihnachtsfeier bezahlt.

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Für Betroffene bedeutet Rheuma ein Leben voller Schmerzen. Gelenkschonende Sportarten wie Wassergymnastik können die Symptome lindern und den Verlauf der unheilbaren Erkrankung positiv beeinflussen. (Symbolbild)© Funke Medien Thüringen | Jana Borath

Einen Grund für die geringe Zuwendung habe die Stadtverwaltung ihr auf Nachfrage nicht genannt. Seit 2023 bewilligte dieselbe Stelle durchschnittlich 4000 Euro im Jahr für die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Lokalgruppe, sagt Claudia Hübner. Über die Vorjahre wisse sie nichts, denn der frühere Vorstand sei 2021 geschlossen zurückgetreten und habe keine Informationen hinterlassen. Obwohl die Aussichten auf Erfolg laut Claudia Hübner gering seien, habe die Selbsthilfegruppe gegen den Förderbescheid Widerspruch eingelegt.

Auf Papier sind Selbsthilfegruppen begrenzt

Andere Förderstellen wie das Gesundheitsamt und die städtische Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, kurz „KISS“, fallen bereits weg. „Da haben wir das Problem, dass Selbsthilfegruppen aus maximal 25 Personen bestehen dürfen“, erklärt sie. Um dieser Anforderung zu entsprechen, müsste der Vorstand – der ohnehin rund um die Uhr beschäftigt sei – die knapp 550 Mitglieder in Erfurt aufgliedern.

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Die daraus entstandenen mehr als 20 Untergruppen müssten wiederum eigene Vorstände wählen. Insgesamt sprengt das Kapazitäten, zumal die jetzige Struktur seit der Gründung vor 35 Jahren im Sinne einer möglichst effizienten Arbeitsweise gewachsen sei.

Symbolische Entschädigung fördert auch Motivation

Ob die ehrenamtlichen Gruppensprecher und Vorstände ohne Förderung langfristig auf demselben Niveau weitermachen würden und könnten, ist unklar, sagt Claudia Hübner. Die Würdigung des Ehrenamts befeuere schließlich auch die Motivation, zum Beispiel für die Mitarbeiter im Büro, die zweimal pro Woche für Beratungen bereitstehen. Auch die Zukunft einer neuen Gruppe für Kinder und Jugendliche liege nun in der Schwebe. „Ich schäme mich in Grund und Boden für Erfurt“, kommentiert die Vorsitzende.

Direkt betroffen von den Kürzungen seien zudem die Kursleiter, deren Schulungen ohne Fördergelder wegfielen. Die Rheuma-Selbsthilfegruppe koordiniert u.a. 37 Warmwassergruppen, vier Aquacycling- sowie sieben Trockengymnastikkurse. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite unter www.rheumaliga-thueringen.de/gruppe/erfurt.