Es gab Zeiten, da gingen die Erfurter weniger zimperlich mit ihren reichlich vorhandenen Kirchenbauten um. Noch im 19. Jahrhundert wurden sie einfach abgerissen. Die unnütze Benediktskirche an der Krämerbrücke etwa, die Matthiaskirche in der Johannesstraße, Ecke Futterstraße, die Gangolfkirche an der Ecke Bahnhof-/Schmidtstedter Straße. Ihre Steine waren gerade noch als Baumaterial gut.

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Heute wäre ein solcher Umgang undenkbar. Oder doch nicht? Fest steht: Der Erhalt der Gebäude kostet Geld. Für einen Großteil der rund drei Dutzend Kirchen in der Stadt müssen das die Gemeinden aufbringen. Und die schrumpfen bekanntermaßen. Weniger Mittel stehen also zur Verfügung – und weniger Bedarf für Gotteshäuser besteht.

Ein Paukenschlag schiebt die Ideensuche an

Trotzdem war es ein Paukenschlag, als die größte katholische Gemeinde, die St.-Laurentius-Gemeinde mit gut 7000 Mitgliedern, Ende 2024 verkündete, vier ihrer sieben Kirchen loswerden zu wollen. „56 Prozent unserer Mittel gehen jährlich in den Erhalt der Kirchen. Uns war klar: Wenn wir so weitermachen, sind wir in ein paar Jahren pleite“, rechnet Sebastian Ulbrich vom Gemeindevorstand vor.

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Ab 1. Dezember dieses Jahres wird es in Crucis- und Schottenkirche, in St. Martini und St. Georg keine Gottesdienste mehr geben. Was aus den Gebäuden wird, ist noch offen. Der öffentlichkeitswirksame Vorstoß – zeitweilig wurde die Cruciskirche sogar auf einem Kleinanzeigenportal im Internet symbolisch zum Verkauf angeboten – hat aber die erwünschte Bewegung in die Ideensuche gebracht. Andere Kirchgemeinden und kirchliche Träger meldeten Interesse an. In der Martinskirche könnte ein Kolumbarium entstehen, ein Aufbewahrungsort für Graburnen also. Der evangelische Kirchenkreis meldete Interesse an, die Schottenkirche gemeinsam mit dem katholischen Dekanat zu einem Jugendzentrum umzubauen.

Schottenkirche in Erfurt
Die Schottenkirche gehört zu den ältesten noch existierenden Kirchen in Erfurt. Die markante Barockfassade wurde Anfang des 18. Jahrhunderts hinzugefügt.© Funke Medien Thüringen | Ada Jabin

Öffentliche Beteiligung sucht europaweit ihresgleichen

Der ganze Vorgang, so wünscht es die Laurentiusgemeinde, soll unter öffentlicher Beteiligung stattfinden. Die Zukunft der Kirchen soll Angelegenheit der gesamten Stadtgesellschaft sein. Das ist ein Experiment, das europaweit seinesgleichen sucht. „Bei uns haben sich Interessenten aus Österreich gemeldet, die dort vor ähnlichen Problemen stehen und die nach Beispielen für partizipative Lösungen suchen“, berichtet Ulbrich.

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Folgerichtig ist die Debatte um die Zukunft der Erfurter Kirchen auch ein Schwerpunkt der diesjährigen Denkmaltage, die am kommenden Dienstag, den 8. September, beginnen. Ihr Beginn wird um 18.30 Uhr zugleich die Eröffnung einer Ausstellung mit Entwürfen für den Umbau der Schottenkirche zu einem ökumenischen Jugendzentrum sein, erstellt von angehenden Architekten und Bauingenieuren der Erfurter Fachhochschule.

Entwürfe zur Umnutzung der Schottenkirche Erfurt
Mit Zwischendecken und Galerien könnte die Schottenkirche für eine neue Nutzung umgebaut werden.© Funke Medien Thüringen | Markus Stelle

Mehr als 150 Führungen und Veranstaltungen

Zusätzlich zu den täglichen Besichtigungszeiten von 15 bis 19 Uhr wird es am Mittwoch eine Führung zur Baugeschichte (15 Uhr) geben, am Donnerstag eine Podiumsdiskussion zur Frage „Wie viele Kirchen brauchen wir“, unter anderem mit Umnutzungsbeispielen aus ganz Thüringen.

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Das Programm der Denkmaltage – als fast einwöchige Veranstaltung einzigartig in Deutschland – umfasst mehr als 150 Führungen und Veranstaltungen zu knapp 100 Denkmalen in und um Erfurt. Viele können ohne Anmeldung besucht werden, freie Plätze gibt es unter anderem noch für die Führungen durchs Dreienbrunnenbad (Dienstag und Mittwoch, 15 Uhr), die Fotowanderung durch den Steiger (Donnerstag, 16 Uhr) oder die abendliche Denkmal-Radtour auf den Spuren Hamburger Architekten der 20er-Jahre (Donnerstag, 18.30 Uhr).

Das komplette Programm: erfurt.de/ef117160