Zusammenfassung

  • Silvio Dame (43) reinigt bei Siemens Energy im Erfurter Norden Generator-Wellen – ein fester Job mit eigenem Verdienst.
  • Das Sonderprogramm „Inklusive Arbeitswelt Thüringen“ verspricht Firmen bis zu 35.000 Euro Prämie für einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz für schwerbehinderte Menschen – vielen Firmenchefs ist es laut CJD-Jobcoach Thomas Hartung kaum bekannt.
  • Hartung begleitet derzeit 20 Menschen in die Arbeitswelt. Seine Stelle fördert der Staat nicht, das CJD finanziert sie.

Silvio Dame reinigt Generator-Wellen bei Siemens Energy im Erfurter Norden und kümmert sich um kleinere mechanische Arbeiten. Es ist ein fester Job mit eigenem Verdienst. Der 43-Jährige ist Teil eines Teams, in dem er sich wohlfühlt und in dem er wertgeschätzt wird, wie er sagt. Ihm ist der Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt gelungen. Geschafft hat er das durch Beharrlichkeit und die Bereitschaft, sich auszuprobieren – und dank der Hilfe seines Jobcoaches Thomas Hartung.

Zehntausende Euro Prämie für Inklusion in Erfurt

Silvio Dame lebt mit einer Behinderung. Auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, ist für ihn und viele andere Menschen mit Handicap eine Herausforderung. Sie zu unterstützen und Firmen zu ermutigen, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben, ist Ziel des Sonderprogramms „Inklusive Arbeitswelt Thüringen“. Bis zu 35.000 Euro Prämie vom Staat winken, wenn Firmen einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz für schwerbehinderte Menschen schaffen.

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Das Problem: Noch immer sind derartige Förderprogramme, wie auch das Budget für Arbeit, vielen Firmenchefs und Personalern kaum bekannt. „Wir müssen häufig Aufklärungsarbeit leisten“, sagt Thomas Hartung. Er begleitet als Jobcoach beim CJD Erfurt derzeit 20 Menschen bei ihren Schritten in die Arbeitswelt. Für viele Frauen und Männer sind Werkstätten für Menschen mit Behinderung wie jene in der Donaustraße der erste Berührungspunkt mit dem Arbeitsleben. Die Werkstätten übernehmen Aufträge in den Bereichen Lager und Logistik, Montage, Verpackung, Wäscherei, Küche, Grünpflege und mehr. Es sind ausgelagerte Dienstleistungen für verschiedene Unternehmen aus Erfurt und der Region.

Menschen mit Behinderung oft gut ausgebildet

Schritt für Schritt geht es aus diesem geschützten Raum heraus. Arbeitsgruppen mit Betreuern arbeiten direkt in den Betrieben. Wer wechseln möchte und die Voraussetzungen mitbringt, kann die Chance ergreifen, auf den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln.

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So wurde Silvio Dame angesprochen, ob er Interesse hat, verschiedene Jobs zu testen. Thomas Hartung stand ihm dabei zur Seite. Der Jobcoach kennt die Fähigkeiten, Stärken und Schwächen seiner Klienten. Zugleich nimmt er sich möglicher Berührungsängste und Vorbehalte in den Unternehmen beim Umgang mit den Neuankömmlingen an und baut diese im Idealfall ab.

Der Jobcoach sei wesentlich für die erfolgreiche Anstellung von Menschen mit Behinderung, betont Sven Nobereit. Er ist Vize-Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit Thüringen Mitte und repräsentiert in dem Gremium die Arbeitnehmer. „Alle Betriebe, die händeringend Fachkräfte suchen, sind gut beraten, ihren Blick zu weiten und Menschen mit Behinderungen zu beachten. Das Ausbildungsniveau liegt bei dieser Gruppe höher als im Durchschnitt der Bevölkerung“, sagt er.

Feste Ansprechpartner sind entscheidend

Er fügt hinzu, dass die finanziellen Anreize über das Budget für Arbeit und die Prämien für die Unternehmen nur ein Aspekt sind. Entscheidender seien ein offener Austausch und eine klare Kommunikation. „Es braucht verlässliche Ansprechpartner während dieses Prozesses“, sagt er. Eben solche wie den Jobcoach.

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Die Krux an der Sache: Der Jobcoach wird bisher nicht von staatlicher Seite gefördert. „Das ist ein riesengroßes Manko“, sagt Thomas Hartung. Sein Einsatz wird vom CJD finanziert. Schließlich sei es Kernaufgabe des Trägers, Menschen mit Behinderung in Arbeit zu bringen.