Lehrer Rüdiger Rub besorgte 1990 auf seinem Trabi-Dach eine junge Eiche für 50 DM aus der Schulkasse. Er setzte sie mit Schülern, die sich wie er ebenfalls im Herbst 1989 in der Schule auflehnten, neben den früheren Fahnenappellplatz der 24. POS in Gera-Lusan ein. Das war am 3. Oktober 1990, dem Tag der Deutschen Wiedervereinigung.

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Seither ist es ein Ritual, dass sich Schüler an dieser Stelle Jahr für Jahr am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, an der Eiche treffen. Es werden Geschichten erzählt, was aus Schülern und Lehrern im Laufe der Jahre wurde. Die Eiche hat mittlerweile sogar einen Eintrag bei Google und ist dort als „Eiche der Deutschen Einheit“ zu finden. Nach 25 Jahren Wachstum sprengte die Eiche ihre eigene Betoneinfriedung, vielleicht sinnbildlich für den Sturz der Berliner Mauer, um weiter zu gedeihen.

Doch dieses Jahr ist alles anders. Wieder wurde etwas weggestoßen. Diesmal war es aber nicht die Kraft der Eiche, sondern Vandalismus. Zum 25. Jahrestag hatten Lehrer Rub, Schüler und ein Bauunternehmer aus Gera der Eiche einen Gedenksockel aus Ziegeln und einer Inschrift: „Eiche der Deutschen Einheit“ gesponsort. Doch dieser Sockel wurde kürzlich umgerissen und der Schriftzug auf der Tafel massiv zerkratzt. Das Grünflächenamt der Stadt hat den Sockel vor weiterer Zerstörung vorsorglich sichergestellt.
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Die Schule, die nach 1989 in der Zeulenrodaer Straße weiter als Albert-Schweitzer-Gymnasium genutzt wurde, wurde kürzlich abgerissen. Aber die Eiche steht. Und sie will an jedem 3. Oktober weiter Geschichten hören und erzählen. Mit ihren Ablegern, die Lehrer Rüdiger Rub und sein Schüler Lars Naundorf 35 Jahre später hier ausgraben, wollen sie im Gegenzug Spenden sammeln, um im kommenden Jahr einen neuen Gedenksockel einzuweihen. Dieser werde dann interaktiv sein, verrät der ehemalige Mitschüler Maik Baberske.
Per QR-Code können Schüler und Lehrer spannende Geschichten erzählen, einreichen und abrufen, die sich in der Wendezeit in den Gängen und Räumen der Schule 1989 zugetragen hatten. „Denn so können auch die nachfolgenden Generationen mit den Erzählungen aus erster Hand erfahren, was für junge Menschen oft nicht mehr vorstellbar ist: Wie war der Herbst 1989 in einer sozialistischen Schule“, sagt Lehrer Rüdiger Rub.
Wer Interesse an einem Nachkommen der Eiche der Deutschen Einheit hat oder auch ohne Eiche etwas spenden möchte, kann dies bei gofoundme.com tun. Dort muss nach „Eiche der Deutschen Einheit“ gesucht werden.




