Poetry Slam hat Stars wie Hazel Brugger, Bodo Wartke und Till Reiners hervorgebracht. Auch weiterhin entstehen im Poetry Slam starke Stimmen. Die besten von ihnen treffen sich jetzt in Gera, um bei den 14. Thüringer Landesmeisterschaften gegeneinander anzutreten. Das größte Festival der regionalen Kleinkunst-Szene findet vom 21. bis 23. Mai  im Clubzentrum „Comma“ statt. Wir sprachen mit Andy Eckardt vom Verein „Highslammer“ über das Ereignis:

Die Landesmeisterschaften ziehen sich über drei Tage. Was erwartet die Besucher in dieser Zeit?

Wir haben mit fünf verschiedenen Veranstaltungen geplant. Es gibt den Hauptwettbewerb mit Halbfinalen am Donnerstag und Freitag und dem Wettbewerbsfinale am Samstagabend.

Andy Eckardt
Poetry Slammer Andy Eckardt© Funke Medien Thüringen | Funke Medien Thüringen

Was hat es mit dem Song Slam auf sich?

Das ist der Wettbewerb für die Singer-Songwriter-Szene, also kleine Gruppen von Musikern und Musikerinnen bzw. Einzeldarstellern und -darstellerinnen gleich am 21. Mai zum Auftakt des Festivals. Am zweiten Tag gibt es außerdem den U-20-Wettbewerb.

Was sind das eigentlich für Leute, die sich im 21. Jahrhundert mit ihrer Dichtkunst auf eine Bühne stellen und dort etwas vortragen?

Poetry Slam ist eine sehr vielfältige Szene. Die meisten Teilnehmer sind recht jung, in den Zwanzigern oder Dreißigern, teils studentisch, teils arbeitende Bevölkerung. Was alle eint, ist die Liebe zum gesprochenen Wort. Man hat was zu sagen, möchte es auf ein Textblatt bringen und stellt sich auf die Bühne, um es vorzutragen und Menschen zu unterhalten. Viele greifen gesellschaftliche Themen und aktuelle Nachrichten auf.

Sind unruhige Zeiten gute Impulsgeber für Themen, die die Slammer beschäftigen?

Grundsätzlich ist es egal, wie bewegt die Welt gerade ist. Man merkt aber, dass gewisse Themen öfter aufgegriffen werden, wenn etwa junge Menschen sich mit Drohnenkrieg befassen. Als queere Person macht man sich beispielsweise Gedanken über das Erstarken des Rechtsextremismus.

Wie groß ist denn die Poetry-Slam-Szene in Thüringen?

Es gibt einen festen Kern von Leuten, die in den einzelnen Orten gerne auftreten. Beim Landeswettbewerb läuft es aber anders. Dafür wird man auf Slams nominiert, die eine offene Liste haben. Wir haben dieses Jahr 24 Starterplätze, plus der U-20-Wettbewerb mit acht Plätzen.

Wo werden denn überall regelmäßige Slams ausgetragen – neben Gera?

In Jena, Weimar, Erfurt, Arnstadt, Weiden, einem kleinen Ort bei Weimar, Eisenach: einmal auf der Wartburg und beim Sommergewinn, dann in Mühlhausen, Gotha, Kloster Veßra, Themar.

Und das Publikum ist die Jury?

Ja, aber während bei kleinen Slams der Lautstärke-Applaus gewertet wird, haben wir auf den Landesmeisterschaften Punktetafeln, um die Bewertung genauer bestimmbar zu machen. Kunst lässt sich nur schwer objektiv bewerten. Die Punktevergabe macht es aber etwas leichter. Interaktion zwischen Publikum und Vortragendem ist ungewohnt in Deutschland. Aber bei Poetry Slams bricht das Eis viel schneller. Da nimmt der offene Rahmen die Massen mit. Ich habe das selbst oft erlebt: Man sagt etwas in der Anmoderation zum Publikum, und es kommt eine Antwort zurück. Fantastisch.

Was erwartet die Sieger einer Landesmeisterschaft?

Neben Ruhm und Ehre und großem Applaus gibt es einen Pokal als Erinnerung und die Qualifikation für die nächste Ebene. Wer die Landesmeisterschaft gewinnt, darf auf der deutschsprachigen Meisterschaft antreten. Die findet dieses Jahr in Hannover statt und ist ein riesiges Spektakel. Für die drei Tage im Comma danken wir der Stadt Gera. Bleibt nur noch zu sagen: Das wird eine grandiose Veranstaltung mit vielen hochkarätigen PoetInnen und großer Lyrik – gerade bei der U-20-Meisterschaft.