Nach und nach wächst die Traube vor dem Hauptbahnhof Gotha. Nein, ausnahmsweise ist kein ICE ausgefallen; die Menschen sind nicht in der Residenzstadt gestrandet. Sie sind hier, um einem historischen Moment beizuwohnen.
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Um 10.58 Uhr bewegen sich die ersten Personen in das Empfangsgebäude. Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) geht mit voran. „Kommen Sie rein in die gute Stube“, sagt das Stadtoberhaupt.

Doch von „gut“ kann man beim Anblick des Hauptbahnhofes schon lange nicht mehr sprechen. Bis 2021 war das Gebäude in Privathand. Über Jahre hatte der Eigentümer das Tor zur Stadt verkommen lassen. Schließlich konnte der Bahnhof durch die Stadt Gotha gekauft werden.

Bund, Land und EU geben 13 Millionen Euro
In den vergangenen fünf Jahren haben Stadt und Land alle Hebel in Bewegung gesetzt. Denn in Erfurt herrscht zumindest Einigkeit darüber, dass der Hauptbahnhof zu einem Schandfleck verkommen ist – für die Stadt Gotha sowie für ganz Thüringen.

Am Freitag ist es nach kräftezehrenden Jahren endlich so weit: Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) und Steffen Schütz (BSW), Minister für Digitales und Infrastruktur, kommen persönlich nach Gotha, um den Fördermittelbescheid zu übergeben. Rund 13 Millionen Euro kommen aus EFRE-Mitteln der Europäischen Union sowie Städtebaufördermitteln des Bundes und des Landes.
Die Gesamtkosten belaufen sich nach gegenwärtigem Stand auf rund 22 Millionen Euro. Davon tragen die Stadt sowie die Baugesellschaft Gotha (BGG) als Bauherr rund neun Millionen Euro.
Eigentlich ist es eine Schande für so eine reiche Stadt.
Steffen Schütz, Minister für Digitales und Infrastruktur
„Eigentlich ist es eine Schande für so eine reiche Stadt“, sagt Steffen Schütz. Der Bedeutung des Bahnhofs als erster Eindruck von einer Stadt ist sich der Minister bewusst. Doch abseits des Anblicks ist Schütz auch die Nutzung wichtig: „Photovoltaik, Gründach, nachhaltiges Bauen – all das wird hier möglich.“

Für die Nutzung der Räumlichkeiten im Hauptbahnhof gab es in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Ideen. Laut BGG ziehen nach gegenwärtigem Planungsstand ein Ticketverkauf, ein Reiseshop, ein Café sowie das Stadt- und Kulturarchiv ein. Zudem sollen drei Büroeinheiten und eine Wohnung entstehen. Mit Blick auf das Archiv sagt Mario Voigt: „Das muss uns anspornen, Ideen für neue Konzepte zu entwickeln.“
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Als Dank für den Fördermittelbescheid überreicht Kreuch Voigt und Schütz je ein Modell. 1847 war die Lokomotive „Gotha“ der erste Zug, der in der Stadt hielt. Es soll die Landespolitiker stets an eines der größten Infrastrukturprojekte des Freistaates erinnern. Für sich selbst behält Kreuch ein Modell eines ICE, als Symbol für den stetigen Kampf, Gotha auch zukünftig am Fernverkehr teilhaben zu lassen.







