Die Stadt Jena wird Standort eines Musterungszentrums der Bundeswehr. Darüber informierte die Bundeswehr den Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP), heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Vorgesehen ist die Einrichtung des Zentrums demnach in der Goethe-Galerie. Die vollständige Inbetriebnahme sei nach aktuellem Stand spätestens zum 1. Juli 2027 geplant.

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„Jena ist ein moderner Wissenschafts-, Bildungs- und Verwaltungsstandort mit hoher regionaler Bedeutung. Die Ansiedlung des Musterungszentrums unterstreicht diese Rolle und bringt zugleich neue Arbeitsplätze sowie zusätzliche Impulse für die Innenstadt. Sicherheit und demokratische Verantwortung gehören zu den Grundpfeilern unseres Gemeinwesens“, sagt Thomas Nitzsche. Viele Menschen in Jena hätten insbesondere während der Corona-Pandemie erlebt, „wie selbstverständlich und professionell die Bundeswehr zivile Aufgaben unterstützt hat – etwa in der Verwaltung, bei logistischen Aufgaben oder in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung“, so Nitzsche.

Bis zu 60 Musterungen am Tag geplant

Die Stadt stehe bereits in engem Austausch mit den zuständigen Führungsebenen der Bundeswehr in Thüringen, um die weitere Entwicklung konstruktiv zu begleiten. Die Goethe-Galerie sei als Standort bewusst gewählt worden. „Ausschlaggebend waren unter anderem die gute verkehrliche Anbindung sowie die zentrale Erreichbarkeit für junge Menschen aus Jena und der Region“, heißt es. Die geplanten Räumlichkeiten im Gebäude B13 sollen nach Angaben der Bundeswehr modern und offen gestaltet werden und sich in den Gebäudekomplex integrieren.

Schulstreik Jena Wehrpflicht
Der Protest von jungen Menschen aus Jena gegen eine Rückkehr der Wehrpflicht ist groß.© Funke Medien Thüringen | Marcus Voigt/Archiv

Hintergrund der Entscheidung, die auf Bundes- und nicht auf kommunaler Ebene getroffen wurde, sei die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa sowie die personelle Neuausrichtung der Bundeswehr. Das neue Musterungszentrum solle täglich bis zu 60 Musterungen durchführen. Vorgesehen seien medizinische Untersuchungen, computergestützte Eignungstests sowie persönliche Beratungsgespräche. Nach Angaben der Bundeswehr entstehen dafür rund 50 Arbeitsplätze im zivilen und beamtenrechtlichen Bereich. Die erforderlichen baulichen Maßnahmen sollen in den kommenden Monaten beginnen.

„Keine Militarisierung des öffentlichen Lebens“

Mit Blick auf die Demonstration von Schülerinnen und Schülern gegen eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht am Freitag teilt die Stadtverwaltung Jena mit, „dass unterschiedliche gesellschaftliche Positionen selbstverständlich ihren Platz in einer demokratischen Stadtgesellschaft haben“. Gleichzeitig bedeute die Ansiedlung „nicht eine Militarisierung des öffentlichen Lebens, sondern die Schaffung administrativer und medizinischer Infrastruktur zur Durchführung gesetzlich vorgesehener Musterungsverfahren“, heißt es abschließend.

red