Mit 1,4 Millionen Euro Landesförderung baut das Universitätsklinikum Jena (UKJ) den „Perinatologischen Kompetenzverbund Thüringen“ auf. Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) übergab den Bescheid an ein Projekt, das auf 15 Jahren Telemedizin-Erfahrung fußt – und die Antwort auf den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel sein soll.

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Wenn Ekkehard Schleußner, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin am UKJ, zurückblickt, landet er beim Satelit-Schlaganfallnetzwerk aus dem Jahr 2010. Was damals als Vernetzung von 14 Thüringer Kliniken begann, ist heute eine Erfolgsgeschichte mit zuletzt rund 2700 Konsilien pro Jahr. In der Corona-Pandemie wurde daraus binnen kürzester Zeit ein Intensivmedizin-Netz, aus dem später das interdisziplinäre InTeliNet Kids für Kinder und dessen pädiatrische Variante hervorgingen.
Netzwerk bündelt Versorgung für Schwangere und Neugeborene
Auf genau diese Infrastruktur setzt nun der neue Kompetenzverbund für Schwangere und Neugeborene. Er sei das nächste Kapitel der UKJ-Strategie, Netzwerke für ganz Thüringen zu bauen, sagt Schleußner – und macht klar, warum die Zeit dafür gekommen sei: „Die Probleme gehen nicht weg, wenn man die Augen zumacht.“ Thüringen habe seit 2017 rund 45 Prozent seiner Geburten verloren, ein Ende sei nicht absehbar. Wer jetzt nicht proaktiv umsteuere, riskiere eine disruptive und für die Patienten teurere Marktlösung.
Die Probleme gehen nicht weg, wenn man die Augen zumacht.“
Ekkehard Schleußner, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin
Im Netzwerk werden die Perinatalzentren und Kliniken mit perinatalem Schwerpunkt aus allen Regionen Thüringens zusammenarbeiten, gemeinsame Weiterbildungen organisieren und die Ergebnisse ihrer Arbeit im Sinne einer Qualitätssicherung vergleichen. Weiterhin werden auch die Spezialisten für pränatale Diagnostik in der Niederlassung eingebunden, um deren Expertise mit der der Kliniken besser zu verknüpfen und eine Kontinuität in der Betreuung von Risikoschwangeren über die gesamte Schwangerschaft zu ermöglichen. „Ziel muss sein, dass kein Kind in Thüringen in einer Klinik geboren worden ist, wo keine pädiatrische Kompetenz da ist“, sagt Schleußner.
Telemedizinischer Verbund stärkt Zusammenarbeit und Qualität
Seit dem 1. März läuft der Verbund bereits. Zwei Oberärztinnen koordinieren das Netzwerk, eine 24/7-Rufbereitschaft mit Spezialistinnen aus Geburtshilfe und Neonatologie ist etabliert, gemeinsame Behandlungsstandards werden alle drei bis vier Wochen in Telesitzungen erarbeitet. Auch Rotationsstellen für die Facharztausbildung sind geschaffen – die erste ist seit dem 1. Juli mit einem Kollegen aus Weimar besetzt. Für Otto W. Witte, Medizinischen Vorstand des UKJ, ist der Verbund Teil einer größeren Strategie: Alle telemedizinischen Aktivitäten des Klinikums sollen unter dem Dach „Komet“ gebündelt werden. Die Netzwerkarbeit, „wo eben das um Kooperation statt Konkurrenz geht“, sei „tatsächlich eine Chance, auch die Qualität der Medizin zu verbessern“.

Ministerin Schenk ordnet das Projekt in den Transformationsprozess der Kliniklandschaft ein – und wendet sich gegen eine verkürzte Debatte. Es entstehe öffentlich der Eindruck, „es geht hier nur um ökonomische Probleme“. Dabei sei das Kernproblem der Mangel an Fach- und Arbeitskräften: „Wenn man eine hohe Qualität halten will, benötigt man entsprechendes Personal.“
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Regelfinanzierung nach Auslaufen der Förderung ist noch offen
Transformation dürfe nicht nur Rückbau bedeuten, so Schenk: Es gehe darum, „mit modernen Mitteln – das geht nun mal heutzutage durch telemedizinische Möglichkeiten – die Versorgung trotzdem vor Ort sicherzustellen.“ Zugleich warb sie um Vertrauen in die neue Technik – und um erlebbare Erfolge: „Das müssen ja die Leute auch erleben, sie müssen ja diese Geschichte erzählen können.“
Offen blieb die entscheidende Frage der Regelfinanzierung nach Auslaufen der Förderung Ende 2027. Hier sieht Schenk auch den Bund in der Pflicht: Wie telemedizinische Kooperationen dauerhaft finanziert werden, „das werden die Länder sicherlich nicht alleine stemmen können“.
Bis zum 31. Dezember soll das flächendeckende telemedizinische Netzwerk etabliert sein. Entwickelt wurde das Projekt im Rahmen des Runden Tisches „Geburt und Familie“, wo es breite fachliche Unterstützung erhielt.









