In der Ortsmitte eines kleinen Dorfes im Unstrut-Hainich-Kreis entsteht derzeit etwas Außergewöhnliches.

An ein historisches Fachwerkhaus, dessen Holzbalken von Jahrzehnten der Witterung gezeichnet sind und dessen Fassade sichtbare Spuren trägt, haben Handwerker einen völlig neuen Gebäudeteil gesetzt. Das Besondere: Der Anbau entstand in authentischer Fachwerkbauweise nach jahrhundertealter Zimmermannskunst.

Täglich

Der Newsletter für Unstrut-Hainich

Alle wichtigen Informationen aus dem Unstrut-Hainich-Kreis, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Wo bröckelnder Putz und verwitterte Ziegel das Bild prägten, wuchs inzwischen Balken für Balken ein Neubau heran, der sich nahtlos in die denkmalgeschützte Bausubstanz einfügt. Vor wenigen Tagen wurde nun auch das Vorderhaus eingerüstet, die Sanierungsarbeiten am historischen Gebäude laufen auf Kurs.

Vorher-Nachher: Links der Fachwerkrohbau im April 2025, rechts das fertig gedeckte Haus im November – das Gerüst ist bereits abgebaut.
Vorher-Nachher: Links der Fachwerkrohbau im April 2025, rechts das fertig gedeckte Haus im November – das Gerüst ist bereits abgebaut.© Funkemedien Thüringen | Daniel Volkmann

„Wo wir sind, da passt es“, sagt Ludwig Fett im Frühjahr dieses Jahres. Der 59-jährige Handwerksmeister aus Niederdorla führt seinen Betrieb in der sechsten Generation. Seit 1874 besteht das Familienunternehmen, das sich auf Holzbau spezialisiert hat. Mit fünf Angestellten verwirklicht er nun dieses außergewöhnliche Projekt in Oppershausen.

Zimmermann Ludwig Fett baut in Oppershausen gerade ein Fachwerkhaus.
Der neue Fachwerkbau fügt sich direkt hinter dem Bestand an.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Die Balken im unteren Bereich des Neubaus sind aus massiver Eiche gefertigt, darüber kommt Fichtenholz zum Einsatz. Jeder Zapfen, jedes Loch und jeder Holznagel sitzen millimetergenau. „Vermutlich ist dies derzeit der einzige Neubau in traditioneller Bauweise im Unstrut-Hainich-Kreis“, berichtet Fett.

Zimmermann Ludwig Fett baut in Oppershausen gerade ein Fachwerkhaus.
Das in die Jahre gekommene Haus erhält in den kommenden Monaten eine neue Ziegeleindeckung.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Facebook, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

1200 Meter Holz für ein Meisterwerk im Unstrut-Hainich-Kreis

Dass moderne Technik und traditionelles Handwerk sich nicht ausschließen, beweist der Zimmerer eindrucksvoll. „Mein Vater war ein außergewöhnlicher Handwerker“, sagt Ludwig Fett. Und weiter: „Er berechnete damals alles noch mit Verhältnisgleichungen und dem Satz des Pythagoras.“

Zimmermann Ludwig Fett baut in Oppershausen gerade ein Fachwerkhaus.
Jeder einzelne Balken musste zugearbeitet werden. Inzwischen steht der Bau.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Heute hilft moderne Technik den Handwerkern, ohne dass die alte Kunst verloren geht. Vier Tage lang arbeitete Ludwig Fett am Computer und schrieb ein Programm für seine computergesteuerte Holzfräse. Danach sei das Holz, das in Lkw-Ladungen auf seinen Betriebshof kam, Stück für Stück genau nach seinen Vorgaben geschnitten und gefräst worden.

Zimmermann Ludwig Fett baut in Oppershausen gerade ein Fachwerkhaus.
Zimmerer Ludwig Fett baut im Unstrut-Hainich-Kreis nach altem Handwerk.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

„Wir mussten 1200 Meter Holz verarbeiten“, sagt Fett. Besonders beeindruckend: Sogar die Holznägel, die alles zusammenhalten, stellen die Handwerker selbst in ihrer Werkstatt her.

Im Unstrut-Hainich-Kreis gegen den Trend bauen

„In der aktuellen Lage mit hohen Bauzinsen ein solches Haus zu errichten, ist herausfordernd und kostenintensiv“, erklärt Ludwig Fett. Die Lage im Handwerk sei angespannt, doch Aufträge gibt es weiterhin. „Das Handwerk ist nicht tot“, sagt der 59-Jährige. Es brauche aber Kunden, die bereit seien zu investieren und auch das nötige Geld besäßen.

Zimmermann Ludwig Fett baut in Oppershausen gerade ein Fachwerkhaus.
Ist das neue Fachwerkhaus einmal komplett fertiggestellt, soll es so aussehen. © Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Einer dieser Kunden ist Jürgen Moschkau aus Oppershausen. Seit 2013 saniert er das Areal an der Hauptstraße mit einem klaren Ziel: eine Wohnimmobilie im traditionellen Stil zu errichten. Da der einstige Vierseithof unter Denkmalschutz steht, dauerte es allein fünf Jahre, bis die Abrissgenehmigung für den nicht mehr sanierbaren Gebäudeteil vorlag.

Dörfliche Identität des Unstrut-Hainich-Kreis bewahren

„Wenn ringsherum alles in traditioneller Bauweise errichtet ist und du an dieser Stelle einen Betonklotz hinsetzt, das passt nicht“, begründet der 58-Jährige seine Entscheidung. Und weiß: „Traditionelle Bauweise sieht einfach schöner aus“.

Zimmermann Ludwig Fett baut in Oppershausen gerade ein Fachwerkhaus.
Der damalige Blick in den Innenhof in Oppershausen. © Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Für Moschkau sei es mehr als nur ein Bauprojekt – es sei die Bewahrung eines Stücks dörflicher Identität. Die Genehmigung für den Neubau sei indes deutlich schneller erreicht gewesen als die für den Abriss. In den kommenden Tagen soll der Dachstuhl mit Latten versehen und die Dachhaut installiert werden.

Inzwischen sind die Arbeiten weit fortgeschritten. Der neue Fachwerkbau steht, das Dach ist gedeckt. Nun konzentrieren sich die Handwerker auf das denkmalgeschützte Vorderhaus, das vor wenigen Tagen eingerüstet wurde.

Auch das denkmalgeschützte Nachbarhaus soll ein neues Dach mit Biberschwanzziegeln erhalten – die alten, verwitterten Ziegel müssen weichen. Allein der hölzerne Neubau schlage in Oppershausen mit einer sechsstelligen Summe zu Buche, berichtet Fett.

Weitere aktuelle Meldungen aus dem Unstrut-Hainich-Kreis

Doch für Bauherr und Handwerksmeister steht inzwischen fest: Manche Dinge haben ihren Preis – und ihren Wert, zumal es immer weniger Unternehmen gebe, die diese alte Handwerkskunst noch in traditioneller Form beherrschen.