In der Ortsmitte eines kleinen Dorfes im Unstrut-Hainich-Kreis entsteht derzeit etwas Außergewöhnliches.
An ein historisches Fachwerkhaus, dessen Holzbalken von Jahrzehnten der Witterung gezeichnet sind und dessen Fassade sichtbare Spuren trägt, haben Handwerker einen völlig neuen Gebäudeteil gesetzt. Das Besondere: Der Anbau entstand in authentischer Fachwerkbauweise nach jahrhundertealter Zimmermannskunst.

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Wo bröckelnder Putz und verwitterte Ziegel das Bild prägten, wuchs inzwischen Balken für Balken ein Neubau heran, der sich nahtlos in die denkmalgeschützte Bausubstanz einfügt. Vor wenigen Tagen wurde nun auch das Vorderhaus eingerüstet, die Sanierungsarbeiten am historischen Gebäude laufen auf Kurs.

„Wo wir sind, da passt es“, sagt Ludwig Fett im Frühjahr dieses Jahres. Der 59-jährige Handwerksmeister aus Niederdorla führt seinen Betrieb in der sechsten Generation. Seit 1874 besteht das Familienunternehmen, das sich auf Holzbau spezialisiert hat. Mit fünf Angestellten verwirklicht er nun dieses außergewöhnliche Projekt in Oppershausen.

Die Balken im unteren Bereich des Neubaus sind aus massiver Eiche gefertigt, darüber kommt Fichtenholz zum Einsatz. Jeder Zapfen, jedes Loch und jeder Holznagel sitzen millimetergenau. „Vermutlich ist dies derzeit der einzige Neubau in traditioneller Bauweise im Unstrut-Hainich-Kreis“, berichtet Fett.

1200 Meter Holz für ein Meisterwerk im Unstrut-Hainich-Kreis
Dass moderne Technik und traditionelles Handwerk sich nicht ausschließen, beweist der Zimmerer eindrucksvoll. „Mein Vater war ein außergewöhnlicher Handwerker“, sagt Ludwig Fett. Und weiter: „Er berechnete damals alles noch mit Verhältnisgleichungen und dem Satz des Pythagoras.“

Heute hilft moderne Technik den Handwerkern, ohne dass die alte Kunst verloren geht. Vier Tage lang arbeitete Ludwig Fett am Computer und schrieb ein Programm für seine computergesteuerte Holzfräse. Danach sei das Holz, das in Lkw-Ladungen auf seinen Betriebshof kam, Stück für Stück genau nach seinen Vorgaben geschnitten und gefräst worden.

„Wir mussten 1200 Meter Holz verarbeiten“, sagt Fett. Besonders beeindruckend: Sogar die Holznägel, die alles zusammenhalten, stellen die Handwerker selbst in ihrer Werkstatt her.
Im Unstrut-Hainich-Kreis gegen den Trend bauen
„In der aktuellen Lage mit hohen Bauzinsen ein solches Haus zu errichten, ist herausfordernd und kostenintensiv“, erklärt Ludwig Fett. Die Lage im Handwerk sei angespannt, doch Aufträge gibt es weiterhin. „Das Handwerk ist nicht tot“, sagt der 59-Jährige. Es brauche aber Kunden, die bereit seien zu investieren und auch das nötige Geld besäßen.

Einer dieser Kunden ist Jürgen Moschkau aus Oppershausen. Seit 2013 saniert er das Areal an der Hauptstraße mit einem klaren Ziel: eine Wohnimmobilie im traditionellen Stil zu errichten. Da der einstige Vierseithof unter Denkmalschutz steht, dauerte es allein fünf Jahre, bis die Abrissgenehmigung für den nicht mehr sanierbaren Gebäudeteil vorlag.
Dörfliche Identität des Unstrut-Hainich-Kreis bewahren
„Wenn ringsherum alles in traditioneller Bauweise errichtet ist und du an dieser Stelle einen Betonklotz hinsetzt, das passt nicht“, begründet der 58-Jährige seine Entscheidung. Und weiß: „Traditionelle Bauweise sieht einfach schöner aus“.

Für Moschkau sei es mehr als nur ein Bauprojekt – es sei die Bewahrung eines Stücks dörflicher Identität. Die Genehmigung für den Neubau sei indes deutlich schneller erreicht gewesen als die für den Abriss. In den kommenden Tagen soll der Dachstuhl mit Latten versehen und die Dachhaut installiert werden.
Inzwischen sind die Arbeiten weit fortgeschritten. Der neue Fachwerkbau steht, das Dach ist gedeckt. Nun konzentrieren sich die Handwerker auf das denkmalgeschützte Vorderhaus, das vor wenigen Tagen eingerüstet wurde.
Auch das denkmalgeschützte Nachbarhaus soll ein neues Dach mit Biberschwanzziegeln erhalten – die alten, verwitterten Ziegel müssen weichen. Allein der hölzerne Neubau schlage in Oppershausen mit einer sechsstelligen Summe zu Buche, berichtet Fett.
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Doch für Bauherr und Handwerksmeister steht inzwischen fest: Manche Dinge haben ihren Preis – und ihren Wert, zumal es immer weniger Unternehmen gebe, die diese alte Handwerkskunst noch in traditioneller Form beherrschen.




