Sie hat die Malerwerkstatt Beck in Bothenheilingen im Unstrut-Hainich-Kreis durch eine schwere Krise geführt, den Betrieb übernommen und weitergemacht. Malermeisterin Maria Hettenhausen, unterwegs mit Klemmbrett statt Tablett und Zollstock statt Laser, erklärt in Teil vier der Serie, wie die Renovierung eines Kinderzimmers schnell bis zu 2500 Euro kosten kann. Und warum das fair ist.

Malerin Maria im Einsatz.
Die Quadratmeter sind entscheidend – Malermeisterin Maria Hettenhausen beim Farberollen. Bei ihren Kunden im Unstrut-Hainich-Kreis packt sie häufig selbst mit an.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Was passiert, bevor der Pinsel die Wand berührt

– Ehe der erste Pinselstrich oder die Rolle mit frischer Farbe sitzen, ist oft schon eine Menge passiert. Möbel ausgeräumt oder abgedeckt, Böden mit Schutzvlies gesichert, Steckdosen und Fußleisten abgeklebt oder ausgebaut. Alte Tapeten werden entfernt, Wände ausgebessert, grundiert, und neu tapeziert.

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Moderne Tapeten-Eckschienen – früher eher eine Seltenheit, heute in vielen Räumen gesetzt, weil sie saubere, gerade Übergänge schaffen und schlicht modern aussehen – kommen dazu, bevor Decke und Boden an die Reihe kommen. Am Ende stehen Anfahrt, Material, Arbeitszeit und Entsorgung auf der Rechnung. All das ergibt einen Preis, der für viele Menschen manchmal überraschend hoch wirkt – und der sich bei näherer Betrachtung exakt erklären lässt.

Malerin Maria im Einsatz.
Malermeisterin Maria Hettenhausen ist nicht nur die Chefin der Malerwerkstatt, sondern selbst mit auf Baustellen im Unstrut-Hainich-Kreis, um Aufträge abzuarbeiten.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Klemmbrett in der Hand, Zollstock in der Tasche – so zieht die Malermeisterin aus Bothenheilingen durch die Wohnungen ihrer künftigen Kunden. Kein Tablet, kein Laser-Messgerät. „Ich bin kein Technikfreak, ich hasse das alles – dann gehst du los, dann ist der Akku alle oder das Internet funktioniert nicht. Da schreibe ich es mir lieber auf, so hat das mein Vater früher auch gemacht“, sagt Maria Hettenhausen. Entscheidend seien immer die Quadratmeter. Sie seien die Basis, nach der am Ende abgerechnet wird.

Warum alte Tapete zum Kostenrisiko wird

Tapete entfernen – das klingt nach einer klaren Sache. Ist es aber nicht. Ob sie sich sauber von der Wand löst oder zentimeterweise abgekratzt werden muss, lässt sich vor dem ersten Handgriff nicht vorhersagen. Alter der Tapete, Untergrund, Verarbeitung – all das entscheidet. Im besten Fall läuft es schnell. Im schlechtesten Fall vervielfacht sich die Arbeitszeit und Nacharbeit am Untergrund steht an.

„Ich sage den Menschen immer: Ich rechne so, als wenn sie gut abgeht – macht sie das nicht, und das weißt du ja vorher nicht, dann müssen wir über diese Position noch einmal sprechen“, erklärt Malerin Hettenhausen. Und weiter: „Ich hasse solche Situationen. Oft geht es leider nicht anders.“ Es sei eine Ehrlichkeit, die nicht jeder Betrieb so offen kommuniziere, das weiß die Firmenchefin – die aber bei Kunden Vertrauen schaffe.

Was von den 55 Euro pro Stunde übrig bleibt

Ein Malergeselle werde heute bei Firmen im Unstrut-Hainich-Kreis mit etwa 55 Euro pro Stunde abgerechnet. Manche Firmen liegen darunter, einige darüber, aber das sei die ungefähre Kennzahl.

„Das Geld brauchst du – das ist nicht einmal übertrieben. Wir sind tariflohngebunden. Zahlst du nur Tarif, findest du inzwischen aber niemanden mehr, der für dich arbeitet. Und wenn er das mit Freude und Herzblut machen soll, schon gar nicht“, sagt die Chefin der Malerwerkstatt Beck. Im Stundenverrechnungssatz steckt alles, was eine Firma am Laufen hält: Sozialabgaben, Versicherungen, Fahrzeuge, Werkzeug, Verwaltung.

Malerin Maria im Einsatz.
Bevor die erste, frische Farbe an die Wände kommt, wird immer erst ordentlich abgeklebt und ausgelegt, und geschützt, das berichtet Maria Hettenhausen.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Ein Standard-Kinderzimmer mit allem Drum und Dran landet am Ende häufig mit Kosten zwischen 1800 und 2500 Euro. Wer es selbst versucht und spätestens beim Tapezieren aufgibt, sei bei der Malermeisterin aus Bothenheilingen trotzdem an der richtigen Adresse. „Da helfe ich und schaue, dass wir es zwischen die regulär geplanten Arbeiten einschieben können“, sagt Hettenhausen.

Der Maler und seine Lobby im Unstrut-Hainich-Kreis

– Es ist ein offenes Geheimnis in der Branche. Der Maler steht in der Prioritätenliste vieler Hausbesitzer weiter hinten als Klempner oder Elektriker. „Zum einen ist es schon Luxus, wenn der Maler die Wohnräume richtig auf Vordermann bringt – aber nicht so notwendig wie im Vergleich zum Klempner oder dem Elektriker“, sagt Maria Hettenhausen.

Fällt der Strom aus oder tropft ein Rohr, muss sofort jemand her. Verblasste Wände und alte Tapeten warten. Dass in Deutschland nach wie vor viel Wert auf Ästhetik gelegt werde – nicht nur außen, sondern auch drinnen –, das sei das Glück der Malerbetriebe, sagt Hettenhausen.

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Der Januar und der Februar seien traditionell etwas ruhiger, die Auftragslage innen schwächer als draußen. Bei der Malerwerkstatt Beck in Bothenheilingen hält sich das in Grenzen. Die Serie geht weiter.