Jürgen Schulz hält kurz inne. Der nächste Satz fällt ihm schwer. „Der hat geglaubt, wir sind Gespenster“, sagt er mit zitternder Stimme. Wie Geister wirkten er und seine Familie auf die Menschen in der Gemeinde, in der sie nach ihrer Flucht aus Ostpreußen ankamen, ausgemergelt und traumatisiert. Die Erzählung des heute 84-jährigen Vorsitzenden des Weimarer Regionalverbands des Bunds der Vertriebenen ist eins von 20 Videos, die Besucherinnen und Besucher des Stadtmuseums über den interaktiven Zeitstrahl abrufen können, der nun im Stadtmuseum Weimar vorgestellt wurde. Dafür war Jürgen Schulz persönlich ins Stadtmuseum gekommen.
Mehr als 200.000 Jahre Geschichte abgebildet
Im Stadtmuseum wurden mit dem Zeitstrahl gleich zwei Räume neugestaltet. Wo zuvor die Sonderausstellungen zu sehen waren, lockt nun eine beleuchtete Wand in den Raum, die Weimars Geschichte vom Ursprung des Ehringsdorfer Schädelknochens 240.000 v. Chr. bis zum Kulturstadtjahr 1999 abbildet. Damit soll das Stadtmuseum zum Knotenpunkt des Museumsquartiers „Weimarer Moderne“ werden.

In den neuen Räumen rund 200 Museumsobjekte arrangiert, die Weimars Geschichte fassbar machen, darunter barocke Feuerlöscheimer, ein Richtschwert aus dem 17. Jahrhundert, eine 1813 auf die Stadt abgefeuerte Kanonenkugel oder ein originales Transparent aus den Protesten von 1989. In einer Kassette finden sich Erinnerungsstücke, die unter der Lutherkirche verbaut werden sollten, doch die Pläne wurden aufgrund des Ersten Weltkriegs nie umgesetzt. Ein Foto zeigt die Tanten Schellhorn, die 1918 das erste Mal wählen durften. Dafür trugen sie ihre Abzeichen aus dem Sanitätsdienst im Deutsch-Französischen Krieg.
Erfurter Firma setzt Entwurf vom Zeitstrahl um
Am Zeitstrahl können Besucher einen sogenannten Schlitten mit Display auf eine beliebige Epoche rücken, und per Klick auf den Touchscreen mehr dazu erfahren. In der Thüringer Museumslandschaft ist der interaktive Zeitstrahl etwas Besonderes. Technisch umgesetzt wurde er vom Erfurter Unternehmen Monumedia.
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An den Samstagen 21. März und 11. April, jeweils 10.30 Uhr, bietet der Kurator der Sonderausstellung „Weimar und die Welt. Kleine Zinnfiguren ganz groß“, Marbod Gerstenhauer, Führungen an. Zinnfiguren gießen und bemalen ist am 28. März ohne Anmeldung möglich. Zwischen 10 Uhr und spätestens 12.30 Uhr ist ein individuelles Ankommen möglich. Der Workshop endet um 13 Uhr. Eine Blankfigur ist inbegriffen, weitere sind für 1 bis 5 Euro erhältlich.
Das Stadtmuseum Weimar ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Noch bis 17. Mai ist die aktuelle Zinnfiguren-Ausstellung zu sehen.



