Der Spätsommer im Weimarer Land ist um eine Tradition ärmer: Die 2002 erstmals organisierte Drei-Türme-Wanderung erlebte jüngst ihre letzte Auflage. Das Finale versöhnte allerdings ein wenig für die teils wenig erfolgreichen Jahre zuvor: Die Ankündigung von Organisator Wolfgang Grade und Wanderleiter Gunter Braniek, dass es die finale Auflage sein würde, brachte noch einmal viele Wanderfreunde, Heimatgeschichte-Fans und Kunst-Interessierte auf die Beine. Knapp 50 Teilnehmer fanden sich am Treffpunkt ein, dem Parkplatz von Schloss Belvedere am südlichen Zipfel von Weimar – fast so viele wie zu den Glanzzeiten der Wanderung in den 2010er-Jahren. Und rund jeder zweite Teilnehmer war zum allerersten Mal mit auf dieser Tour.

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Auch das Wetter passte perfekt: viel Sonne, ein paar Wolken, nicht zu heiß. Nicht nur deshalb lief Gunter Braniek, studierter Geologe und als „wandelndes Lexikon“ in Sachen Heimatgeschichte bekannt, noch einmal zu großer Form auf. Wie immer führte die Strecke über 17 Kilometer zunächst Richtung Süden über den Hain- zum Carolinenturm bei Kiliansroda und von dort in westliche Richtung zum Paulinenturm bei Bad Berka, mit Zielankunft am Coudrayhaus der Kurstadt.

Letzte Drei-Türme-Wanderung im Weimarer Land
Perfektes Wanderwetter begleitete die Fans zur finalen Veranstaltung.© Verein Kötschberggemeinde | Wolfgang Grade

Am Hainturm im Wald zwischen Belvedere und Köttendorf gab es den ersten längeren Halt. Seine Geschichte und „Wiederauferstehung“ bekamen ebenso viel Aufmerksamkeit wie das Bild des Weimarer Malers Adolf Krause, der bis heute Mitglied der Hainturmgesellschaft ist. Denn Kunst am Wegesrand war diesmal die thematische Überschrift der Wanderung.

Kunst für die Seele am alten Ziegenstall

Zum Höhepunkt der Wanderung wurde nach Unterquerung der Autobahn die Station in Oettern, wo das Künstler-Gespann Martina Latka und Rainer W. Pagel einmal mehr seine Open-Air-Ausstellung „Rund um den Ziegenstall“ vorbereitet hatte. 70 Bilder über das Ilmtal, Orte um Weimar, Gärten, Blumen und Traumorte an der Ostsee oder in Frankreich waren liebevoll aufgereiht. „Ein farbenprächtiges Blumenbild direkt an einem Gartenzaun, wo gibt es das schon!“, staunte Wolfgang Grade, von Beruf Revierförster in Weimar und im Ehrenamt Vorsitzender des Vereins Kötschberggemeinde. „Diese heimatliche Kunst war Balsam auf die Seele.“ Grade hatte schon 2002 gemeinsam mit Chronistin Hella Tänzer aus Tiefengruben die erste Drei-Türme-Wanderung organisiert.

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Von Oettern bis zum Carolinenturm zog sich eine lange, anspruchsvolle Wander-Etappe – zur Belohnung wartete auf dem Kötsch, dem zweithöchsten Hügel im Weimarer Land, die wohlverdiente Stärkung mit Gebratenem vom Rost, Quark- und Fettbroten sowie kühlen Getränken. So gestärkt ging es auf die letzte Etappe nach Bad Berka. Von dort hatte es in den großen Zeiten der Wanderung einen organisierten Shuttle-Service gegeben, seit einigen Jahren und auch diesmal waren die Teilnehmer für ihre Heimreise selbst verantwortlich.

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Am Ende zog Wolfgang Grade ein insgesamt positives Fazit einer Veranstaltung, der über die Jahre vor allem der Nachwuchs ein wenig abhanden gekommen war. „Das Ziel, den Thüringer Drei-Türme-Weg und damit auch die Türme bekannter zu machen, haben wir erreicht“, so der Organisator. „Viel Wissen wurde auf den Wanderungen weitergegeben, manchmal auch erst ausgegraben und Impulse zur Weiterentwicklung des Weges gesetzt.“ Der zertifizierte Weg, als Runde insgesamt 26 Kilometer lang, wird künftig auch ohne die geführte Tour viele Fans begeistern.