Christiane Weber hat für das 70. Jubiläum der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) im Jahr 2015 den ehemaligen Panse-Verlag in der Scherfgasse 3 und 5 besucht, in der Weimarer Zeitungen gedruckt wurden - darunter auch die TLZ.

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Baudenkmal mit doppelter Vergangenheit: An der Scherfgasse wurde nicht nur Kulturgeschichte, sondern auch Technikgeschichte geschrieben. Dort wurden einst Bücher und Zeitungen gedruckt. Dort steht gewissermaßen die Wiege der TLZ.
Während in enger Nachbarschaft an der Teichgasse 6 einst das Domizil des Böhlau-Verlages war, ging die Scherfgasse 3 als Stammsitz des 1848 gegründeten Panse-Verlags in die Geschichte ein. 1849 erschien dort die erste Zeitung, – „Die Revolution“ betitelt. Zeitungen allerdings gab es schon viel früher, hat Hausherr und Denkmalexperte Josef Brinkmann sich intensiv mit der Vergangenheit des Schardtschen Palais an der Scherfgasse 3 befasst.
Erste Zeitungen wurden in Weimar bereits 1734 herausgegeben, kontinuierlich aber erst seit 1755. An 260 Jahren Zeitungsgeschichte erinnert denn auch die von Herbert Schachtschabel kuratierte Ausstellung „Durch die Zeitung gehen“ in der ehemaligen Setzerhalle des Panse-Verlags. Eröffnet wird die Exposition exakt zum 70-jährigen Bestehen der Thüringischen Landeszeitung am Donnerstag, 24. September, vor geladenen Gästen. Der interessierten Öffentlichkeit bietet der Kurator von Freitag, 25. September, an sachkundigen Führungen.
Herbert Schachtschabel hat Zeit(ungs)geschichte dokumentiert. „Es ist eine reine Faktendarstellung“, sagt der Kurator, der sich intensiv und leidenschaftlich mit der Zeitungsgeschichte in Weimar und insbesondere der Geschichte der Thüringischen Landeszeitung auseinandergesetzt hat.
Auch wenn die Öffentlichkeit mit dem Palais Schardt in erster Linie das Elternhaus der Charlotte von Stern, geborene Schardt, verbindet: Das Anwesen versinkt danach nicht in Bedeutungslosigkeit. Seine Geschichte seit Erwerb des Palais durch Karl Panse (1798-1871) ist nicht minder interessant. Bis zu 200.000 Zeitungen pro Nacht sind von den Nachfahren des Gründers an der Scherfgasse gedruckt worden.
Die Bauakten sind seit 1863 erhalten. Josef Brinkmann hat sie eingehend studiert. Sie belegen die umfangreiche Bautätigkeit, die Karl Panse und seine Nachfahren an der Scherfgasse 3 und 5 entfalten. So bittet Panse junior anno 1887 um „Genehmigung für den Bau eines Maschinenhauses für die Druckerei“.
Nur drei Jahre später wird der Maschinensaal erweitert. 1906 erfolgt eine nochmalige Erweiterung, sozusagen hinein in den unteren Teil des Ganges zum Pavillon. Dort soll einst Goethe erstmals Charlotte von Stein begegnet sein. 1908 will Panses Verlagsgesellschaft ihre Produktionsräume von der Scherfgasse 3 in die Scherfgasse 5 verlegen. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, wird die alte Durchfahrt zwischen den Häusern 3 und 5 als Maschinenraum ausgebaut und „erhält nach dem Hofe zu ein Glasdach“.
Ein Schuppen für die Lagerung von Papier folgt 1912. Doch nicht immer reichen Panses vorher einen Bauantrag ein. 1925 und auch 1928 wird wieder kräftig gebaut, – und die Behörden vor vollendete Tatsachen gestellt! 1937 genehmigt die Stadt auch die Vergrößerung des Setzmaschinensaals am Eingang des Grundstücks. Vom Garten bleibt nicht viel, alles ist überbaut. Nur das Dach des Pavillons überragt die Thüringische Landeszeitung an der Scherfgasse gedruckt.
Wie könnte einst der Schreibtisch eines Redakteurs ausgesehen haben? Herbert Schachtschabel zeigt es in der Ausstellung. Als Josef Brinkmann den Saal im ersten Obergeschoss des Palais Schardt sanierte, entdeckte er in Nischen die Überreste von aufgeklebten Zeitungen. Geschichte bleibt gegenwärtig.





