Es ist ein Fall, der in seiner Grausamkeit an die Taten des Österreichers Josef Fritzl erinnert: In Brasilien soll ein 51-jähriger Mann seine Stieftochter über 22 Jahre gefangen gehalten, misshandelt und drei Kinder mit ihr gezeugt haben. Bekannt wurde der Fall im Großraum der südbrasilianischen Stadt Curitiba jetzt, weil dem mutmaßlichen Opfer Mitte des Monats die Flucht gelang. Die junge Frau wandte sich an die Polizei. Der Stiefvater wurde festgenommen, bestreitet aber alle Vorwürfe. Die Mutter des Mädchens wird der Mittäterschaft verdächtigt, behauptet aber auch Opfer ihres Mannes zu sein.
Lesen Sie auch
Opfer trickste Entführer aus: So gelang ihr die Flucht
Der Missbrauch habe im Alter von sieben Jahren begonnen, teilte der Polizeichef der Ortschaft Araucária, Eduardo Kruger mit. Das Opfer soll mit 16 zum ersten Mal schwanger und von ihrem Peiniger gezwungen worden sein, ihn zu heiraten, nachdem dieser sich von ihrer Mutter getrennt hatte. Er habe sie auch gezwungen, Sex mit anderen Männern zu haben. Die Vergewaltigungen seien auf Video aufgezeichnet worden. „Ich habe aufgehört zu zählen. Es waren mehr als 30. Diese Vorfälle ereigneten sich alle zwei bis drei Monate”, sagte das Opfer laut Polizeiangaben.
Während der Gefangenschaft soll sich der Mann immer wieder an dem Mädchen vergriffen und psychischen Druck auf sie ausgeübt haben. So wurde sie nach eigener Aussage über mehrere im Haus installierte Kameras und über ihr Mobiltelefon kontrolliert. „Ich hatte große Angst und habe sie immer noch. Er hat mir gedroht und gesagt, dass ich nur ihm gehören würde“, so die Junge Frau. Nur der Tod könne sie trennen, habe ihr Stiefvater ihr gesagt.
Die Flucht gelang der jungen Frau unter dem Vorwand, mit ihren Kindern zum Arzt zu müssen. Stattdessen flüchtete sie in die nächste Polizeiwache. Während sie auf der Wache Anzeige erstattete, habe sie rund 30 Drohanrufe und entsprechende Audionachrichten von ihrem Entführer auf ihrem Mobiltelefon erhalten, fügte Polizeichef Kruger hinzu. Sie solle sofort nach Hause kommen, forderte der Stiefvater sie auf.
Lesen Sie auch
Fall erinnert an Missbrauchsfall Fritzl
Die Fahnder stürmten das Anwesen unmittelbar und nahmen den mutmaßlichen Vergewaltiger fest. Zuvor hatte er versucht zu fliehen. Alle Überwachungskameras wurden vor Ort beschlagnahmt. Auf seinem Mobiltelefon fand die Polizei Videos von den Misshandlungen an seiner Stieftochter. Ein Ermittlungsrichter ordnete Untersuchungshaft an, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Stalkings.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die Mutter des Opfers und geschiedene Frau des mutmaßlichen Täters behauptet, nichts von dem jahrelangen Missbrauch gewusst zu haben. Sie sei ebenso von ihm geschlagen worden. Sie habe sich von ihm getrennt, als ihre Tochter zehn Jahre alt war. Aus finanziellen Gründen lebten sie in einem anderen Haus auf demselben Grundstück. „Ich ging jeden Tag zur Arbeit und sie blieben zu Hause. Ich habe zu keinem Zeitpunkt etwas bemerkt“, behauptete sie.
Lesen Sie hier, was eigentlich aus der Tochter von Josef Fritzl wurde
Eine ähnliche Tortur erlebte die Tochter des Österreichers Josef Fritzl über 24 Jahre. Im Jahr 1984 lockte er die damals 18-jährige Elisabeth in den Keller, sperrte sie ein und vergewaltigte sie immer wieder. Etwa einen Monat nach ihrem Verschwinden präsentierte Fritzl einen Brief, in dem die Tochter darum bat, dass nicht nach ihr gesucht werden solle. Sie habe sich einer Sekte angeschlossen.
Bis zu ihrer Befreiung im Jahr 2008 brachte sie sieben Kinder zur Welt. Der gelernte Elektrotechniker wurde wegen Mordes, Vergewaltigung, Inzest, Sklaverei und schwerer Nötigung verurteilt. Seit 2009 sitzt er in Haft, ist heute 90 Jahre alt und hat seine Haftentlassung beantragt.










