Mit einer ungewöhnlichen Verordnung sorgt die japanische Stadt Toyoake derzeit für Diskussionen im ganzen Land. Seit Ende September gilt dort die Empfehlung, private Smartphones, Tablets oder Spielkonsolen nur noch maximal zwei Stunden pro Tag zu nutzen, außerhalb von Schule und Beruf. Von 22 Uhr an soll das Handy ganz ausgeschaltet bleiben, gleiches gilt für Videospielkonsolen und andere digitale Geräte.

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Bürgermeister Masafumi Koki sieht darin einen notwendigen Denkanstoß. Immer mehr Kinder litten unter Schlafmangel, zögen sich sozial zurück oder verbrächten ihre Freizeit ausschließlich mit digitalen Geräten, so der 41-Jährige. „Es ist traurig, wenn der Tag damit endet, nur noch auf das Smartphone zu starren“, sagte er laut BBC. Ziel sei es, die Menschen zu einem bewussteren Umgang mit Technik zu bewegen und damit auch Familienleben und Gesundheit zu stärken.
Smartphone-Konsum in Japan: Toyoake will symbolische Maßnahme ohne Strafen
Das Stadtparlament verabschiedete die Regelung knapp, mit 12 zu 7 Stimmen. Eine Überwachung ist nicht vorgesehen, Strafen gibt es ebenfalls nicht. Die Grenze von zwei Stunden versteht die Verwaltung als Orientierung, nicht als starre Vorschrift. Dennoch hoffen die Verantwortlichen, dass viele Menschen den Appell freiwillig befolgen. In Japan gilt sozialer Druck als nicht zu unterschätzender Faktor.
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Gerade Jugendliche verbringen deutlich mehr Zeit mit ihren Geräten: Nach einer landesweiten Studie liegt die tägliche Nutzung bei vier bis sechs Stunden. Auch Erwachsene zwischen 18 und 59 Jahren kommen im Schnitt auf drei bis sechs Stunden. Die neue Grenze setzt also bewusst ein deutlich niedrigeres Signal.
Japanische Stadt will Handy-Zeit begrenzen: Kritik an Eingriff in Privatsphäre
Doch nicht alle begrüßen das Vorgehen. In Toyoake gingen seit der Ankündigung im Sommer Hunderte Rückmeldungen ein, die meisten davon kritisch. Gegner der Regelung sprechen von Bevormundung und einem Eingriff in private Lebensgewohnheiten. „Das geht die Stadt nichts an“, kritisierte etwa die Lokalpolitikerin Mariko Fujie, die im Stadtparlament gegen die Vorlage stimmte. Auch Unternehmer wie der Investor Takafumi Horie äußerten sich spöttisch.
Pädagogen und Elterninitiativen reagieren gespalten. Manche sehen in der Verordnung einen wichtigen Impuls, andere halten sie für wirkungslos, solange begleitende Maßnahmen fehlen.
Weitere Infos zu dem Thema
Einschränkungen bei der Smartphone-Nutzung: Schlaf, Familie, Diskussion
Für Bürgermeister Koki ist die Debatte selbst schon ein Erfolg. In seiner eigenen Familie gibt es längst Regeln, etwa kein Handy am Esstisch. „Ich hoffe, dass die Bürgerinnen und Bürger beginnen, ihre Gewohnheiten zu reflektieren“, sagt er der BBC. Und er kündigte an, weitere Schritte zu prüfen – etwa Einschränkungen beim Tippen auf dem Smartphone während des Gehens.








