Am Wiener Landesgericht gingen am Montagabend vier intensive Verhandlungstage zu Ende mit der Urteilsverkündung in einem Fall, der tiefe Erschütterung hinterließ. Eine Lehrerin war über Monate Opfer einer Gruppe Jugendlicher im Alter zwischen 14 und 17 geworden. Diese hatten sie erpresst, beraubt und sexuell missbraucht, zuletzt ihre Wohnung geplündert und in Brand gesetzt. Die Vorsitzende Richterin verkündete Gefängnisstrafen von 3,5 Jahren für einen 15-jährigen Iraker und 3 Jahren für einen 17-jährigen Rumänen. Ein 15-jähriger Afghane erhielt 15 Monate Haft, davon zehn Monate auf Bewährung. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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Durch das Verfahren führte eine zurückhaltende, aber an Details reiche Rekonstruktion der ereignisreichen Monate. Begonnen hatte alles mit einer kurzen, einvernehmlichen Beziehung der damals 30-jährigen Lehrerin zu einem ihrer ehemaligen Schüler (16). Bald darauf wurde sie von anderen Jugendlichen aus dessen Umfeld kontaktiert. Sie drohten, ihre Affäre öffentlich zu machen, sollten sie nicht regelmäßig Zugang zu ihrer Wohnung und Geld für Suchtmittel, Tabak, Essen, Getränke und Taxifahrten erhalten. Die Lehrerin sei auch mit Aufnahmen unter Druck gesetzt worden, auf denen sie bei sexuellen Handlungen und beim Drogenkonsum zu sehen gewesen sei, sagte die Richterin. Die Lehrerin, in Sorge um ihre berufliche Reputation, ließ sich auf die Forderungen der Jugendlichen darauf ein.

Lehrerin hat starke psychische Schäden davongetragen

Im Prozess wurde deutlich, dass die Situation für die Frau zunehmend eskalierte. Die Vorsitzende Richterin sprach von „schweren Kriminaltaten“, die durch die „besonders glaubwürdigen Aussagen“ der Geschädigten und weitere Beweise belegt wurden. Es sei offenkundig geworden, dass die Jugendlichen die Angst und Unsicherheit der Lehrerin ausgenutzt hätten, um sie unter Druck zu setzen. Laut der Staatsanwältin habe das Verhalten der Angeklagten massive psychische Schäden bei der Frau hinterlassen, darunter eine posttraumatische Belastungsstörung und Depression.

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Ein besonders gravierender Vorfall stellte sich in der Nacht auf den 16. Januar 2025 zu: Die Jugendlichen brachen in die Wohnung der Lehrerin ein, die sich gerade im Urlaub befand. Sie stahlen persönliche Wertgegenstände und setzten schließlich den Wohnraum in Brand.  Ein Angeklagter habe in diesem Zusammenhang von einem „letzten Coup“ gesprochen, weil er „keinen Bock mehr“ auf die Frau gehabt habe, schilderte die Staatsanwältin. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf die anderen Teile des Hauses noch rechtzeitig verhindern, doch die Wohnung der Frau wurde vollständig zerstört.

Verurteilten zeigen vor Gericht keine Reue

Die Verurteilten zeigten vor Gericht keine Reue und kein Mitgefühl gegenüber ihrem Opfer. Sie bestritten Teile der ihnen vorgeworfenen Taten, räumten jedoch Diebstahl und Brandstiftung ein. Lediglich einer von ihnen, der Jugendliche, mit dem die Lehrerin ursprünglich eine kurzzeitige Beziehung hatte, entschuldigte sich für das Erlebte. Ihm konnte keine weitere Straftat nachgewiesen werden, er wurde schließlich freigesprochen.

sh/dpa