Die Staatsanwaltschaft hat den durch den spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Pariser Louvre entstandenen Schaden schätzen lassen. „Der Schaden wurde von der Kuratorin des Louvre auf 88 Millionen Euro geschätzt“, sagte die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau am Dienstag dem Sender RTL. Die Summe sei jedoch „nicht vergleichbar mit dem historischen Schaden.“ Zwar handele es sich um eine „äußerst spektakuläre“ Summe, sagte Beccuau, die Diebe könnten jedoch nicht damit rechnen, „sollten sie auf die sehr schlechte Idee kommen, diese Juwelen einzuschmelzen“.
Einbruch im Louvre: Kuratorin schätzt Schaden auf 88 Millionen Euro
Die Staatsanwaltschaft geht von der Beteiligung organisierter Banden an dem Einbruch aus. Nach bisherigen Erkenntnissen deute alles auf organisierte Kriminalität hin, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. Einen Zusammenhang mit ausländischen Staaten schlossen die Ermittler aus. Frankreich sieht sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs nach Angaben der Regierung verstärkt als Zielscheibe von Russland zugeschriebenen Destabilisierungsversuchen und Cyberattacken.
Es gebe es keine Anhaltspunkte für eine Parallele zu den neun Fällen von Stör- und Destabilisierungsaktionen, die der Staatsanwaltschaft Paris bereits bekannt seien und die offensichtlich aus dem Ausland gesteuert wurden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Dabei handelt es sich um Russland zugeschriebene Aktionen in Paris, wie etwa das massenhafte Besprühen von Gebäuden mit Davidsternen 2023 und eine Farbattacke auf die Holocaust-Gedenkstätte 2024.
Auch interessant
Blitz-Diebstahl in Paris: Louvre-Einbrechern drohen 15 Jahre Haft
Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, werde die Tat im Louvre nicht als Raubüberfall, sondern als Einbruchdiebstahl bewertet. Den Tätern drohten wegen bandenmäßigen Diebstahls bis zu 15 Jahre Haft. Zu einem möglichen Fortschritt bei der Fahndung nach den vier flüchtigen Tätern und ihrer Beute machte die Ermittlungsbehörde keine Angaben.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Der aufsehenerregende Diebstahl aus der Herzkammer des französischen Kulturbetriebs macht weltweit Schlagzeilen. Vier maskierte Täter hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Sonntag einen Lkw mit einer Hebebühne am Museum geparkt. Während zwei von ihnen auf Motorrollern warteten, gelangten die anderen beiden mit der Hebebühne auf einen Balkon im ersten Stock und von dort durch ein Fenster in das Museum.
Die Diebe brachen zwei Vitrinen auf, nahmen acht kostbare Schmuckstücke früherer Königinnen und Kaiserinnen an sich - darunter mit Edelsteinen übersäte Diademe, Halsketten, Ohrringe und Broschen – und entkamen mit ihrer Beute.
Auch interessant
Sicherheitsexperte spricht Klartext: Einbruch von langer Hand geplant – Täter aus dem Clan-Milieu?
Dem Sicherheitsexperten Butz Peters zufolge handelte es sich bei den Louvre-Einbrechern um Meisterdiebe. Unvorstellbares ist in Frankreich in Windeseile passiert – kein Zufall, sondern so präzise geplant wie einst in Dresden. Der Louvre-Coup war Präzisionsarbeit von Profis“, sagt er der „Bild“-Zeitung. Die Täter hätten das Louvre sicherlich genauer ausgespäht, um etwaige Schwachstelligen auszumachen. Solche Blitz-Einbrüche seien immer lange geplant. Auch beim Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden sei das Ganze rund eineinhalb Jahre lang vorbereitet worden.
Bei dem Einbruch in Dresden 2019 war Juwelenschmuck im Wert von 116 Millionen Euro gestohlen worden. Die Täter waren durch ein angesägtes Fenstergitter in die Ausstellungsräume gelangt und hatten eine Vitrine mit einer Axt zertrümmert. Ein Teil der Beute wurde später beschädigt gefunden. Zwei Jahre zuvor war aus dem Berliner Bode-Museum eine hundert Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen, die verschwunden blieb. Vermutlich wurde das Gold ebenfalls eingeschmolzen.
Lesen Sie auch: Das waren die fünf dreistesten Raubüberfälle Deutschlands
Wer genau hinter der Tat in Paris steckt, ist derzeit noch nicht bekannt. In Dresden stammten die Täter aus dem Umfeld der Remmo-Familie. „Das war ein deutsches Phänomen. In Paris gibt es aber auch Clans“, so Peters. Es sei durchaus denkbar, dass die Drahtzieher des Louvre-Einbruchs ähnlich organisiert sind. „Wer so etwas durchzieht, muss absolutes Vertrauen ineinander haben.“
„DNA hinterlassen“: Remigiusz Plath sieht zahlreiche Fehler bei den Einbrechern
Der Sprecher des Arbeitskreises Gebäudemanagement und Sicherheit des Deutschen Museumsbundes, Remigiusz Plath, sieht die Sachlage hingegen anders. Dem „Spiegel“ sagte der Sicherheitsexperte mit den Schwerpunkten Cybersecurity und IT-Architektur, dass die Vorbereitung, aber nicht die Durchführung des Einbruchs auf hohem kriminellen Niveau stattfand: „Sie wussten, dass sie damit tagsüber nicht so sehr auffallen würden. Allerdings haben sie die Krone als Teil ihrer Beute verloren und eine Warnweste. Sie haben DNA-Spuren hinterlassen. Das ist nicht professionell.“
Beim Abgang seien die Diebe wohl nervös geworden und hätten Fehler gemacht. Plath gehe nun, auch aufgrund der Überwachsungsvideos und Handyaufnahmen von Besuchern, stark davon aus, dass man die Täter zumindest identifizieren werde.
dpa/afp/jcst






