Jahrzehntelang war sie Sommerresidenz des italienischen Diktators Benito Mussolini, nun soll die „Villa Mussolini“ in der italienischen Küstenstadt Riccione versteigert werden. Die Bankenstiftung, der die Villa gehört, hat beschlossen, das Anwesen an den Höchstbietenden zu veräußern. „Wir haben beschlossen, unser Vermögen zu rationalisieren. Mit dem Verkauf einiger unserer Immobilien, darunter Villa Mussolini, können wir andere für uns entscheidende Initiativen vorantreiben“, erklärt Paolo Pasini, Präsident der Stiftung.

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Nach Mussolinis Tod im Jahr 1945 ging das Anwesen zunächst in Staatseigentum über. Nach Jahren des Verfalls wurde es 1997 an die Bankenstiftung Carim übertragen und mit der Unterstützung des Gemeinderats umfassend restauriert. Seitdem darf die Stadt das Gebäude als Ausstellungsraum nutzen. Zu den jüngsten Ausstellungen zählten etwa jene, die großen Meistern der Fotografie wie Robert Doisneau und Robert Capa gewidmet waren – letzterer war der antifaschistische Fotograf, der die Befreiung Italiens und die Landung in der Normandie dokumentierte.
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Mussolinis Villa in Italien: Gemeinde ist am Kauf interessiert
Die Gemeinde Riccione, die das Gebäude dank des Leihvertrags für Kulturveranstaltungen und Ausstellungen nutzen darf, ist am Kauf des Anwesens interessiert. Die Gemeinde plant, das Gebäude aufzuwerten und darin ein Museum über die Stadt Riccione im 20. Jahrhundert einzurichten: „Die Villa Mussolini mit ihrem wunderschönen Park und dem Blick auf die Adria ist einer der eindrucksvollsten Orte unserer Stadt. Sie ist inzwischen ein anerkanntes Zentrum für internationale Kunstausstellungen, das wir weiterhin fördern wollen“, erklärte die Vizebürgermeisterin von Riccione, Sandra Villa.
Bürgermeisterin Daniela Angelini, die die Küstenstadt an der Spitze eines breiten Mitte-Links-Bündnisses führt, bestätigte das Interesse der Stadtverwaltung an der Villa, betonte jedoch, dass die Gemeinde dafür keine Unsummen ausgeben werde. „Wir werden uns an der Versteigerung beteiligen, aber ohne uns zu verausgaben – wir sind schließlich eine öffentliche Einrichtung“, erklärte sie. Für die Versteigerung wurde ein offizielles Ausschreibungsverfahren eingeleitet. Ab dem 30. Oktober können Kaufinteressierte beim Notar die Unterlagen einsehen und entsprechende Informationen anfordern. Gebote müssen bis zum 22. Dezember eingereicht werden. Ein Startpreis wurde nicht festgelegt.

Um die Villa Mussolini tobt ein „Dauerstreit“
Immer wieder gab es Kontroversen um das Anwesen. Die Gemeinde Riccione hielt trotz Kritik am Namen Villa Mussolini fest. Die rechtsgerichtete Partei Fratelli d‘Italia (FdI) von Premierministerin Giorgia Meloni fordert, dass der zukünftige Käufer den historischen Namen beibehalten solle. „Ich hoffe, dass die Stadtverwaltung nicht der sogenannten ‚Cancel Culture‘ nachgibt und die historische Identität der Villa durch eine Namensänderung verfälscht“, schrieb die aus Riccione stammende rechte Abgeordnete Beatriz Colombo.
Der Name der Villa sorgt seit Jahren für Diskussionen. Roberto Matatia, 70-jähriger Erbe einer jüdischen Familie, die ein Nachbarhaus der Villa Mussolini besaß, die vom faschistischen Regime enteignet wurde, ist resigniert: „Italien ist ein seltsames Land. In Deutschland gibt es keine Hitler-Villa. Dass der Name geändert werden müsste, ist leider seit über zehn Jahren ein Dauerstreit, für den es im Moment keine Lösung gibt“.
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Erbaut wurde das Anwesen um 1890 und war war ursprünglich als „Villa Margherita“ bekannt. Im Jahr 1934 kaufte Rachele Mussolini, Ehefrau des faschistischen Diktators Benito Mussolini, die Immobilie und machte sie zur Sommerresidenzen der Familie. In dieser Zeit wurde das Gebäude erweitert und renoviert. Errichtet wurden ein kleiner Turm sowie ein Tennisplatz und ein privater Kinosaal. Die Villa entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Adelige, Politiker und Prominente. Mussolini selbst reiste häufig mit einem Wasserflugzeug an.






