Es ist bereits der 13. benannte Sturm, der in der aktuellen Hurrikan-Saison im Atlantik wütet – aber kaum einer hatte so eine zerstörerische Kraft wie „Melissa“: Der Tropensturm hat in den vergangenen Tagen bereits Haiti und die Dominikanische Republik verwüstet und mehrere Menschen getötet. Nun steuert der Sturm mit neuer Stärke in der Karibik auf Jamaika und Kuba zu.

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„Melissa“ hat so stark an Kraft zugenommen, dass er inzwischen der höchsten Hurrikan-Kategorie 5 zuzuordnen ist. Die seltene Kategorie 5 hat Windgeschwindigkeiten von 280 km/h und stärkere Böen. Damit ist „Melissa“ offiziell der stärkste Sturm der Welt in diesem Jahr.

„Der Sturm kommt“

Das Auge des Sturms soll am Dienstag über die Insel ziehen, schreibt CNN-Meteorologin Briana Waxman. Das sei aber nicht entscheidend. „Die Kreissägen-artigen Auswirkungen des Sturms werden Stunden vorher beginnen“, schreibt Waxman: Mit Sonnenaufgang drohten Windgeschwindigkeiten zwischen 120 und 280 km/h, mit Böen bis zu 320 km/h – und das über Stunden. „Der Sturm kommt schon an.“

In einigen Regionen war bereits der Strom ausgefallen, 52.000 Menschen saßen zeitweise im Dunkeln. Drei Menschen starben bislang, heißt es vom jamaikanischen Gesundheitsministerium.

Die größere Gefahr könne von den Wassermassen ausgehen, die „Melissa“ vor sich hertreibt. Lebensbedrohliche Überschwemmungen und Sturmfluten würden weniger an Kraft verlieren, selbst wenn der Wind nachlasse, heißt es bei CNN.

Wellen brechen an der Uferpromenade von Kingston.
Wellen brechen an der Uferpromenade von Kingston.© AFP | RICARDO MAKYN

„Bringen Sie sich in Sicherheit!“

Die Behörden in Jamaika warnten die Bevölkerung vor katastrophalen Überschwemmungen. „Bringen Sie sich jetzt in Sicherheit. Bereiten Sie sich darauf vor, das mehrere Tage durchzustehen“, warnte etwa der Vizedirektor des US-Hurrikanzentrums (NHC) Jamie Rhome.

Der Sturm werde vermutlich Auswirkungen „auf den westlichen Teil Jamaikas“ haben, sagte Jamaikas Regierungschef Andrew Holness zu CNN: „Ich glaube nicht, dass es in dieser Region irgendeine Infrastruktur gibt, die einem Sturm der Stufe 5 standhalten könnte, sodass es zu erheblichen Verwerfungen kommen könnte.“

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Sturm „Melissa“ ist langsam

Vor allem eine Eigenschaft des Sturms beunruhigt Wetterexperten: „Melissa“ ist langsam. Das bedeutet, dass Gebiete auf dem Weg des Hurrikans lange seiner zerstörerischen Kraft ausgesetzt sind. Laut NHC bringt der Wirbelsturm Windböen bis voraussichtlich 230 Kilometer pro Stunde. Außerdem wird extremer Regen erwartet: Es drohen laut dem US-Hurrikanzentrum bis zu 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.

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„Dieses extreme Niederschlagspotenzial wird aufgrund der langsamen Bewegung ein katastrophales Ereignis für Jamaika auslösen“, warnte Jamie Rhome. Die Lage könne sich ihm zufolge rapide verschlechtern; die Bevölkerung müsse sich daher unbedingt in Sicherheit bringen.

Seit Sonntagabend (Ortszeit) sind erste Ausläufe auf der Karibikinsel zu spüren, in der Nacht auf Dienstag trifft der Sturm das Land. An der Südküste kommt es zu Flutwellen, die voraussichtlich bis zu vier Meter hoch sein können.

Kuba und die Bahamas bereiten sich vor

Der Sturm zieht dann weiter Richtung Kuba und auf die Bahamas – es gelten Hurrikanwarnungen. Die kubanische Regierung will 600.000 Menschen vorsorglich evakuieren, darunter Santiago, die zweitgrößte Stadt des Landes.

Hurrikan «Melissa» - Jamaika
Eine Frau unterhält sich per Video mit einem Freund vor der voraussichtlichen Ankunft des Hurrikans "Melissa" in der jamaikanischen Hauptstadt.© Matias Delacroix/AP/dpa | Matias Delacroix

Schon bevor der Sturm Jamaika erreichte, sind am Wochenende zwei Menschen auf der Karibikinsel gestorben, als sie Bäume fällen wollten: Einer kam im Südwesten der Insel ums Leben; ein anderer Mann stürzte am Sonntag in Hanover im Nordwesten von Jamaika und verstarb. In der gesamten Region wurden bislang sieben Tote gezählt.

Außerdem wurde am Wochenende der US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay evakuiert. Hunderte US-Bürgern und ihre Haustiere wurden nach Florida verlegt. Mehr als 4000 Menschen leben dort.

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Ein Hurrikan der Stärke 5 gilt auf der sogenannten Saffir-Simpson-Skala als Sturm, der „katastrophale Schäden“ bringt. Durch den extremen Wind können Häuser zerstört, Bäume und Stromleitungen beschädigt werden. Die Skala rechnet allerdings lediglich die Windgeschwindigkeit ein; weitere Faktoren – wie etwa die Niederschlagsmenge oder das Überschwemmungspotential – werden nicht berücksichtigt.