Was für viele der pure Albtraum wäre, ist für Forscher eine wissenschaftliche Sensation: In einer feuchtwarmen Schwefelhöhle an der Grenze zwischen Griechenland und Albanien haben Biologinnen und Biologen ein Spinnennetz gefunden, das rund 106 Quadratmeter misst – und von etwa 111.000 Tieren bewohnt wird.

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Wie ein grauer, klebriger Vorhang bedeckt das Netz die Felswände einer engen Passage, durch die ein nach faulen Eiern riechender, sulfidhaltiger Bach fließt. In diesem unwirtlichen Milieu, wo kaum Licht und Sauerstoff hinkommen, hat sich ein erstaunlich stabiles Ökosystem entwickelt – und eine Spinnenkolonie, wie sie bislang noch nie zuvor dokumentiert wurde.
A giant colonial spiderweb in a sulfuric cave on the border between Greece and Albania may be the largest ever found — and it was built by spiders we didn't know liked the company of others. https://t.co/9yOMMUVBOq
— Live Science (@LiveScience) November 4, 2025
Eine Spinnen-WG der besonderen Art
Das Team um den rumänischen Biologen István Urák von der Universität Sapientia untersuchte die ungewöhnliche Kolonie mehrere Jahre lang. In dem gewaltigen, aus tausenden Trichternetzen zusammengesetzten Konstrukt leben zwei Arten friedlich nebeneinander: rund 69.000 Hauswinkelspinnen (Tegenaria domestica) und mehr als 42.000 kleinere Baldachinspinnen (Prinerigone vagans).
Normalerweise sind beide Arten Einzelgänger – und die größere Hauswinkelspinne würde die kleinere eher als Beute betrachten. Doch in der Dunkelheit der sogenannten Sulfur Cave, wo sich Beutetiere schwer jagen lassen, scheint sich ein Gleichgewicht eingestellt zu haben. „Hier unten überwiegen offenbar die Vorteile des Zusammenlebens“, so Urák.
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Biologen begeistert: Nahrung im Überfluss
Anders als in anderen Höhlen herrscht in der Sulfur Cave kein Mangel an Nahrung. Das warme, schwefelhaltige Wasser lässt sogenannte chemoautotrophe Bakterien gedeihen, die ihre Energie aus Schwefelverbindungen ziehen. Auf den Felswänden bildet sich ein schleimiger Biofilm, der Abermillionen von Zuckmücken ernährt – diese wiederum dienen den Spinnen als stetige Nahrungsquelle.
So entstand ein Ökosystem, das ganz ohne Sonnenlicht funktioniert. Bei ihren Untersuchungen fanden die Forscher zudem Hinweise darauf, dass sich die Spinnenpopulation genetisch bereits an das Leben in der Höhle angepasst hat. Die Bakterienvielfalt im Darm der Tiere ist geringer als bei ihren Artgenossen an der Oberfläche, ein möglicher Hinweis auf eine spezialisierte Ernährung.
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Spinnen: Anpassung in Isolation
Genanalysen deuten darauf hin, dass zwischen den Höhlenspinnen und jenen an der Oberfläche kein Austausch stattfindet. Über viele Generationen hinweg scheint sich hier eine isolierte Population gebildet zu haben, die mit den extremen Bedingungen zurechtkommt.
Dass die beiden Spinnenarten kooperieren oder einander wirklich nutzen, darauf haben die Forscher bislang keine Hinweise. Vermutlich handelt es sich eher um ein friedliches Nebeneinander, das durch die reichlich vorhandene Nahrung und den begrenzten Platz begünstigt wird.
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Schon 2022 war das gigantische Netz von tschechischen Höhlenforschern entdeckt worden. Bei späteren Expeditionen sammelte Uráks Team Proben und veröffentlichte die Ergebnisse nun im Fachjournal „Subterranean Biology“. Insgesamt konnten in der Höhle bisher rund 40 Tierarten nachgewiesen werden – darunter Fische, Skorpione, Hundertfüßer und Fledermäuse.







