Archäologische Funde wurden bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert gemacht, doch fehlten damals sowohl ausgereifte Methoden als auch moderne Technologien, um alle Aspekte vergangener Kulturen zu erschließen. Daher lohnt sich heute bei den meisten Stätten eine erneute Untersuchung mit zeitgemäßen Verfahren. Im aktuellen Fall sollte eine Grabstätte von einem ägyptisch-französischen Team konserviert und für die Nachwelt gesichert werden, wobei die Wissenschaftler auf einen unerwarteten Bestattungsfund stießen.

Mysteriöses Grab in Ägypten: Diener des Verstorbenen offenbaren ein Geheimnis

Im Zuge der umfassenden Konservierungsarbeiten an der Grabstätte Osorkons II. entdeckte das Forschungsteam 225 Schabti-Figuren. Diese kleinen Grabbeigaben sollten dem Verstorbenen im Jenseits als Helfer dienen und waren insbesondere in Gräbern der ägyptischen Oberschicht zahlreich vertreten, so fanden sich im Grab Tutanchamuns über 400 Exemplare.

Nach Angaben des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer lagen die Schabtis nahe einem unbeschrifteten Sarkophag sowie weiteren Inschriften, die derzeit noch übersetzt werden. Die Hieroglyphen auf den aus Fayence (glasierter Keramik) gefertigten Figuren ermöglichten eine eindeutige Zuordnung. Sie wurden für Shoshenq III. hergestellt, der offenbar nicht in seiner eigenen Grabstätte, sondern in jener Osorkons II. bestattet wurde.

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Wie Frédéric Payraudeau, Leiter der französischen archäologischen Mission in Tanis, gegenüber „Live Science“ erläuterte, weisen sowohl die Position der Schabtis als auch die benachbarten Wandinschriften klar auf diese ungewöhnliche Bestattung hin.

Erstaunlich: Berühmter Herrscher seiner Grabstätte beraubt

Shoshenq III., dessen Name auch als Sheshonq III. überliefert ist, gehörte ebenso wie Osorkon II. zu jener Epoche, die in der modernen Ägyptologie als 22. Dynastie bezeichnet wird. Nach Angaben von Frédéric Payraudeau regierte er etwa von 825 bis 773 v. Chr. und prägte eine kriegerische Zeit, die von Auseinandersetzungen zwischen den Herrschern des Nordens, darunter er selbst, und zwei Königen im Süden bestimmt war. Zudem verantwortete er den Bau mehrerer monumentaler Anlagen in Tanis.

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Warum Shoshenq III. im Grab eines Vorgängers beigesetzt wurde, sei eine offene Frage, wie Payraudeau betonte. Möglich sei ein Zusammenhang mit politischen Konflikten oder Streitigkeiten um seine Nachfolge. Einige Funde aus seinem eigentlichen Grab tragen den Namen von Shoshenq IV., der in der folgenden 23. Dynastie regierte, wie Aidan Dodson, Professor für Ägyptologie an der Universität Bristol, gegenüber Live Science erläuterte. Daher könne Shoshenq IV. das ursprüngliche Grab übernommen und Shoshenq III. schließlich im benachbarten Grab Osorkons II. beisetzen lassen.

Ein solches Vorgehen sei in Ägypten nicht ungewöhnlich, doch bleiben die konkreten Gründe weiterhin ungeklärt. Weitere Untersuchungen an der Grabstätte sollen künftig zusätzliche Erkenntnisse liefern.