Tesla-Chef Elon Musk verspricht seit mehr als einem Jahrzehnt, seine Autos würden „demnächst“ ganz ohne menschliches Eingreifen fahren. Tatsächlich sind Teslas mit dem Modus Full Self-Driving (FSD) heute schon in vielen Teilen der Welt im Einsatz – unter anderem in den USA, Kanada, China, Mexiko, Australien, Neuseeland und Puerto Rico. In Europa allerdings bleibt die vollautonome Fahrt vorerst ein Versprechen für die Zukunft. Denn die Praxis auf der Straße zeigt: Die Software tut sich bis heute mit erstaunlich einfachen Situationen schwer – sogar mit etwas so Alltäglichem wie herumwirbelndem Herbstlaub.

Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert

Tesla Autopilot: Vollbremsungen wegen Herbstlaub

Wie zunächst das Technikportal „Futurezone“ berichtet, mehren sich in den USA Videos und Erfahrungsberichte von Fahrerinnen und Fahrern, die mit aktiviertem Tesla-Autopiloten beziehungsweise dem Modus FSD unterwegs waren. In zahlreichen Aufnahmen ist demnach zu sehen, dass die Software aufgewirbelte Blätter nicht als harmloses Laub, sondern als echtes Hindernis deutet. In der Folge löst das System Bremsmanöver aus – teils sogar eine Vollbremsung, heißt es in dem Bericht.

In einem der von „Futurezone“ zitierten Videos schildert ein Tesla-Fahrer auf der Plattform X, er habe bereits mehrere automatische Notbremsungen erlebt, die „offensichtlich von Blättern ausgelöst“ worden seien. Nach seiner Darstellung legte sein Fahrzeug bei rund 80 Kilometern pro Stunde mit aktiviertem FSD eine Vollbremsung hin. Nur weil sich in diesem Moment kein Auto direkt hinter ihm befand, sei es nicht zu einem Auffahrunfall gekommen, schreibt der Fahrer.

In einem weiteren Fall, ebenfalls auf X veröffentlicht, bremst ein Tesla mit aktiviertem Autopiloten beim Überfahren von Laub auf der Fahrbahn zwar nur kurz ab – doch auch hier wird deutlich, dass das System offenbar nicht sicher zwischen echten Hindernissen und harmlosen Herbstblättern unterscheiden kann.

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Kritik an Tesla FSD: Dan O’Dowd warnt vor „gefährlicher Software“

Besonders scharf fällt die Kritik in einem Video aus, das der US-Unternehmer und bekannte Tesla-Gegner Dan O’Dowd auf X veröffentlicht hat. Darin ist zu sehen, wie ein Tesla mit aktiviertem FSD zunächst wegen Laub auf der Straße eine Vollbremsung hinlegt – und anschließend versucht, das vermeintliche „Hindernis“ zu umfahren. Dabei überfährt der Wagen eine doppelte gelbe Linie und gerät kurzzeitig auf die Gegenfahrbahn.

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O’Dowd, der mit seiner Organisation The Dawn Project seit Jahren vor den aus seiner Sicht gravierenden Sicherheitsrisiken von Teslas Autopilot- und FSD-Software warnt, nutzt die aktuellen Szenen für eine erneute Kritik. Die Software von Elon Musk sei „mangelhaft“ und gefährde Menschenleben, sagt er. Sie sollte „sofort verboten werden“, fordert O’Dowd mit Blick auf die jüngsten Vorfälle.

Tesla Autopilot Technik: Warum Musk auf Kameras statt Lidar setzt

Im Mittelpunkt der Sicherheitsdebatte um Tesla FSD steht die Frage, womit das Auto seine Umgebung „sieht“. Während viele Konkurrenten beim autonomen Fahren auf ein Bündel aus Kameras, Radar und vor allem Lidar setzen, geht Tesla einen anderen Weg: Der Autopilot arbeitet nahezu ausschließlich mit Kameras, Lidar bleibt bewusst außen vor. Lidar sind Lasersensoren, die die Umgebung Punkt für Punkt abtasten und ein präzises 3D-Modell erzeugen – inklusive exakter Abstandsmessung. Viele Hersteller sehen diese Technik deshalb als Schlüssel für zuverlässiges, autonomes Fahren.

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Tesla hält dagegen. Der Konzern argumentiert, Kamerabilder reichten in Kombination mit sogenannten neuronalen Netzen aus, um Alltagssituationen im Verkehr zu bewältigen. Diese Form von Künstlicher Intelligenz wird mit riesigen Datenmengen trainiert, erkennt Muster und trifft darauf basierende Entscheidungen – grob vergleichbar mit einem stark vereinfachten Gehirn. Nach Unternehmensangaben kann FSD so im Stadtverkehr, auf Autobahnen und in Kreisverkehren Lenken, Beschleunigen und Bremsen übernehmen, inklusive Spurwechseln und Abbiegen.

Ganz ohne Menschen kommt das System aber nicht aus. Tesla betont, dass Fahrerinnen und Fahrer den Autopiloten ständig überwachen und rechtlich voll verantwortlich bleiben. Lesen, schlafen oder sich dauerhaft abwenden sei nicht erlaubt – auch wenn der Name „Full Self-Driving“ etwas anderes vermuten lässt.

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Teslas FSD in Deutschland: Testfahrten mit Autopilot seit dem 1. Dezember 2025

Derzeit ist Full Self-Driving (Supervised) in Europa noch nicht freigeschaltet. Nach Unternehmensangaben haben Teslas hier zwar bereits mehr als eine Million Testkilometer mit Autopilot absolviert, die Funktionen wurden Aufsichtsbehörden in Demonstrationsfahrten gezeigt – im regulären Straßenverkehr dürfen Kundinnen und Kunden sie aber noch nicht nutzen. Weltweit verweist Tesla dagegen auf deutlich mehr Praxis: In Regionen wie den USA, Kanada, Australien, China, Mexiko und Neuseeland sollen Fahrzeuge mit FSD bereits über 10 Milliarden Kilometer zurückgelegt haben.

Nun rückt auch Deutschland stärker in den Fokus. Ab dem 1. Dezember 2025 will Tesla hierzulande offizielle Testfahrten mit Full Self-Driving (Supervised) anbieten. Fahren dürfen dabei allerdings nur Mitarbeiter der jeweiligen Standorte, Interessierte nehmen auf dem Beifahrersitz Platz. Geplant sind solche Demonstrationsfahrten unter anderem in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Gießen, Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart; buchbar sollen sie über die Tesla-Website sein.

Ob Tesla FSD in Europa am Ende flächendeckend zugelassen wird, entscheiden die Behörden – nicht Elon Musk. Intern rechnet Tesla zwar damit, dass der Autopilot Anfang 2026 freigegeben werden könnte, doch das ist bislang nur eine Prognose. Die Einführung hängt von europäischen Regeln und nationalen Zulassungsstellen ab – und je mehr Berichte über problematische Situationen wie Vollbremsungen im Herbstlaub auftauchen, desto genauer werden die Aufseher hinschauen.