Via San Gregorio Armeno ist die Gasse in der Altstadt Neapels, in der die weltbekannten Krippenbauer ihre Werke anbieten. Der Weihnachtsglanz verleiht dem von der Unesco zum Welterbe gezählten Stadtkern Neapels besonderen Zauber. Tausende Menschen bewegen sich in der beliebten Krippenstraße nur im Schritttempo und bewundern die Krippenfiguren. Die italienischen Handwerker freuen sich über den Besucheransturm, doch an manchen Tage ist die Menschenmenge zu groß.

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So hat der Verband der Krippenbauer bei Neapels Bürgermeister darum gebeten, die Zahl der Besucher zu reduzieren. Der Verband fordert zudem, dass Polizisten die Besucherzahl kontrollieren sollten. Wenn die Zahl von 5000 Menschen erreicht sei, solle man die Gasse absperren. Viele Anwohner beklagen, sie könnten wegen des Gedränges ihre Wohnungen kaum noch verlassen. „Ein Rettungswagen hat hier keine Chance durchzukommen“, bemängelt eine Bewohnerin aus der Gegend um Spaccanapoli im Herzen der Vesuvstadt.
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Die Stadtverwaltung reagiert mit einer Einbahnregelung für Fußgänger, um „gefährliche Menschenansammlungen“ zu vermeiden. Für Bürgerverbände reicht das jedoch nicht aus, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Einwohnern, Touristen und Gewerbe sicherzustellen. „Die Straßen unseres Zentrums sind für diesen Massentourismus einfach nicht gemacht. Es braucht eine ernsthafte Planung“, lautet die Devise der Einwohner des Stadtzentrums.
Neapel: Von Italiens Problemfall zum Touristen-Hotspot
Noch vor einem Jahrzehnt galt Neapels vielerorts als „Problemfall“ – geprägt von Müllkrisen, hoher Kriminalität und negativem Image. Heute ist die größte Stadt Süditaliens ein internationaler Hotspot, vor allem bei jüngeren Reisenden. Sie lockt Besucher mit einer einmaligen Mischung aus Kultur, Geschichte, lokalen Traditionen und Kulinarik, die in dieser Form kaum eine andere italienische Stadt bietet. Die Metropole punktet mit lebendiger Straßenkultur, Gassen voller Stände, Straßenkünstlern und Musik, sowie mit einer Gastronomie, die viel mehr als nur Pizza und Pasta zu bieten hat.
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Der touristische Erfolg Neapels ist nicht mehr zu bremsen. In den vergangenen Jahren wurde die Stadt in zahlreichen Büchern, Fernsehserien und Filmen dargestellt – von der TV-Serie Gomorrha, die das kriminelle Milieu der Camorra, der Mafia Neapels, beleuchtet, bis hin zu den populären Romanen von Elena Ferrante und der darauf basierenden Fernsehserie „Meine geniale Freundin“.
Massentourismus: Viele Einheimische werden aus der Innenstadt verdrängt
Vorangetrieben wird der Fremdenverkehr auch von vielen Billigflügen, die auf dem Flughafen der Vesuvstadt eintreffen. Waren 2016 noch 6,7 Millionen Passagiere in Neapel gelandet, so werden es im Gesamtjahr 2025 13 Millionen sein. Eine Folge des Tourismusbooms ist, dass der Markt für Kurzzeitvermietungen immer mehr wächst. Nach Angaben der Plattform „Insideb&b“ gibt es in Neapel inzwischen rund 9000 solcher Unterkünfte. Viele Mieter sind verdrängt worden, weil Wohnungen, die auf Plattformen wie Airbnb angeboten werden, deutlich höhere Einnahmen erzielen.
„Im historischen Zentrum sind die Mieten in den vergangenen zehn Jahren um rund 40 Prozent gestiegen“, sagt die Tourismusforscherin Anna Fava. Da in einigen zentralen Bezirken rund zwei Drittel der Bewohner in Mietwohnungen leben, sei das eine ernsthafte soziale Belastung. Die Zahl der für die Einwohner verfügbaren Mietwohnungen sei in den vergangenen Jahren immer geringer geworden.
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In den engen Gassen des historischen Zentrums wie der Via dei Tribunali drängen sich Reisegruppen, während sich traditionelle Geschäfte zunehmend in Souvenirshops, Bars und Pizzerien verwandeln. Tausende Fußballfans strömen zum Wandbild des argentinischen Fußballidols Diego Armando Maradona im Herzen der Quartieri Spagnoli, den im 16. Jahrhundert errichteten Spanischen Vierteln im Zentrum der Altstadt. Das Wandbild wurde im Jahr 1990 geschaffen und ist seither zu einem Pilgerort für Neapolitaner und Touristen geworden. Bürgerverbände warnen inzwischen vor einer „Disneyfizierung“ der Stadt. Sie fordern strengere Regeln. „In Neapel herrscht derzeit ein regelrechtes Freispiel. So kann es nicht mehr weitergehen. Kurzzeitmieten müssen strenger geregelt werden“, fordert Fava.
Unerwarteter Nebeneffekt: Touristen verderben Mafia das Geschäft
Kritik kommt auch von Aktivistinnen und Aktivisten der Gruppe „Ex Opg - Je so‘ pazzo“. Sie bemängeln, dass die einfachen Beschäftigten die wirtschaftlichen Vorteile des wachsenden Besucheraufkommens nicht spüren. „Kellner und Verkäufer werden weiter mit sechs Euro pro Stunde bezahlt. Das ist kein Wachstum, es ist eine Stadt, die versteigert wird“, hieß es auf ihrem Instagram-Kanal.
Gleichzeitig warnen Bürgerverbände von einer einseitigen Tourismuswirtschaft. „Tourismus kann flüchtig sein. Wenn der Trend abebbt, bleibt Neapel mit einer einseitigen Wirtschaftsstruktur zurück“, warnt der Soziologe Francesco Calicchia. Die Gefahr sei, dass Neapel seine kulturelle Identität verliere.
Andererseits heben Experten jedoch auch die positiven Aspekte des Tourismus hervor. Die Stadt sei sauberer und sicherer geworden. Obwohl die Mafia weiterhin viele wirtschaftliche Aktivitäten in der Stadt kontrolliert, ist die Kriminalitätsrate rückgängig. Neapel galt lange als Hochburg der Camorra, der lokalen Mafia-Organisation. Heute ist die Zahl der Gewaltverbrechen in der Stadt mit einer Million Einwohner insgesamt gesunken. Straftaten im Alltag wie Straßenraub und Kleinkriminalität sind rückläufig. Die Polizeipräsenz in der Altstadt und in problematischen Vierteln ist verstärkt worden. Der Rückgang der Kriminalität hat vertrauensbildende Effekte für Besucher. Touristen fühlen sich sicherer, was Neapel wiederum international attraktiver macht.






