Die indonesische Insel Sumatra wird von einer der größten Flutkatastrophen ihrer Geschichte erschüttert. Mehr als 750 Menschen sind in den Fluten und bei Erdrutschen ums Leben gekommen, wie der Katastrophenschutz mitteilte. Rund 3,3 Millionen Menschen sind direkt betroffen. Die Auswanderin Annette Horschmann lebt seit mehr als 30 Jahren auf Sumatra, nahe der am stärksten betroffenen Provinz Aceh im Norden. Die 58-jährige Deutsche berichtet gegenüber unserer Redaktion von erschreckenden Szenen und berührenden Einzelschicksalen.

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„Kurz bevor die Fluten in Aceh ankamen, waren wir dort mit unseren Angestellten noch für einen Betriebsausflug unterwegs und sind gerade noch rechtzeitig weggekommen“, erzählt Horschmann am Telefon. „Man kann sagen, dass wir wirklich sehr viel Glück gehabt haben.“ Sie selbst und ihre Familie wohnen nur vier Autostunden von der Provinz Aceh entfernt. Die studierte Juristin betreibt auf der Insel Samosir 40 Cottages, kleine Hütten also, in denen Touristen inmitten von idyllischer Landschaft rund um den Tabo Lake das noch in viele Teilen unverbaute und vor allem unverfälschte Indonesien erleben können.

Flutkatastrophe in Südostasien: Reißende Flutmassen zerstören Existenzen auf Sumatra

Ein Paradies für viele Backpacker, das zwar von der schweren Flutkatastrophe verschont blieb, in dem in den vergangenen Tagen dennoch Unruhe herrschte: Eine ihrer Angestellten, so erzählt Horschmann, konnte mehr als vier Tage lang keinen Kontakt zur eigenen Familie in Sibolga im Westen Sumatras herstellen. „Wir haben mit ihr mitgebangt. Und es hat wohl ewig gedauert, bis in der Region mal ein Generator angeschlossen werden konnte“, sagt Horschmann. „Wir waren alle sehr erleichtert, als sie ihre Familie dann erreichen konnte.“

Annette Horschmann lebt seit mehr als 30 Jahren auf Sumatra und betreibt auf der indonesischen Insel mittlerweile 40 Cottages.
Annette Horschmann lebt seit mehr als 30 Jahren auf Sumatra und betreibt auf der indonesischen Insel mittlerweile 40 Cottages.

Allerdings habe die Familie ihrer Angestellten, die bei Horschmann im Zimmerservice arbeitet, enorme Verluste erlitten. „Die komplette Familie hat ihre zahlreichen Häuser einfach verloren, sie sind einfach davongeschwommen“, sagt Horschmann. Die simple Holzbauweise der meisten Häuser auf Sumatra habe eben einfach keine Chance, diesen enormen Wassermassen standzuhalten. „Es sieht teils erschreckend aus, komplette Straßenzüge und Brücken wurden einfach weggespült, so viele Menschen haben alles verloren“, schildert Horschmann.

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Überschwemmungen und Erdrutsche: Zahl der Todesopfer auf Sumatra wird wohl weiter steigen

Nach Behördenangaben ist davon auszugehen, dass die Zahl der Todesopfer durch die verheerende Flutkatastrophe auf Sumatra weiter steigt. Die Zahl der Vermissten liegt mittlerweile bei rund 650, etwa 2600 Einwohner wurden verletzt. Die Zahl der Opfer könnte noch weiter zunehmen, hieß es. Sumatra ist fast so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen. Die lang gestreckte Insel liegt westlich von Malaysia auf dem Äquator und wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht. Die jüngste Flut gilt aber als eine der schwersten der vergangenen Jahre.

Horschmann wollte den Flutopfern helfen und startete spontan eine Spendenaktion, unterstützt von der katholischen Kirchengemeinde „Ich habe alle animiert, ihre kleinen Tuk-Tuks mit Handtüchern, Decken und alles, was man entbehren kann, vollzuladen“, sagt Horschmann. Anschließend wurde das komplette Spendengut mit einem Helikopter in die akuten Katastrophengebiete im Norden und Westen geflogen.

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Die Auswanderin ist auf der Insel gut vernetzt. Bereits Anfang der 1990er-Jahre verliebte sich Horschmann auf der Insel – und blieb. Eigentlich war der Karriereweg der heute 58-Jährigen nach dem ersten Jura-Staatsexamen vorgezeichnet. Doch statt in Gerichtssälen verbringt Horschmann seit mehr als drei Jahrzehnten die meiste Zeit im Paradies. Eins, das sich aber eben auch jederzeit in einen Albtraum verwandeln könnte. „Ich bin grundsätzlich ein sehr positiver Mensch. Aber klar: Wir leben hier auf dem Feuergürtel und an dem Platz der Erde mit den meisten Vulkanen. Damit muss man sich einfach abfinden. Kleinere Erdbeben gehören hier dazu, aber bisher sind wir von größeren Naturkatastrophen zum Glück verschont geblieben.“

Verheerende Niederschläge hatten zuletzt in mehreren Ländern Südasiens und Südostasiens zu schwerem Hochwasser geführt. Laut Informationen der UN-Wetterorganisation WMO in Genf sind nach den Unwettern insgesamt etwa 2000 Tote und Vermisste in Indonesien, Vietnam, den Philippinen, Sri Lanka und Thailand zu beklagen.

rk/dpa