Im Zuge von Bauarbeiten in Griechenland sind Archäologen auf einen bislang unbekannten antiken Friedhof nördlich von Athen gestoßen. Nach Angaben des griechischen Kulturministeriums wurden insgesamt 40 Grabstätten freigelegt, die überwiegend Personen mit hohem sozialem Rang zugeordnet werden können. Die Funde datieren in die archaische und klassische Epoche, also in den Zeitraum zwischen etwa 800 und 323 v. Chr.

Imposantes Grab in Griechenland birgt besonderes Geheimnis

Im Verlauf der Ausgrabungen rückte ein Grab besonders in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Nach Angaben der Forschenden handelt es sich um die letzte Ruhestätte einer Adligen, die wohl im Alter zwischen etwa 20 und 30 Jahren gestorben ist. Auffällig ist nicht nur ihr vergleichsweise junges Alter, sondern auch die außergewöhnlich reichen Beigaben, die den hohen sozialen Rang der Verstorbenen unterstreichen. Zu den Funden zählen Perlen aus Knochen und Elfenbein, eine Halskette mit einem vasenförmigen Amulett, eine Brosche mit geometrisch gestalteten Pferdemotiven sowie mehrere Ringe.

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Besondere Aufmerksamkeit erregte zudem ein bronzenes Diadem mit kunstvollen Verzierungen. Die Vorderseite wird von einer großen Rosette dominiert, während die Rückseite zwei einander zugewandte Löwenpaare zeigt. Nach Beschreibung der Archäologen wurde das Diadem bei der Bestattung verkehrt herum auf dem Kopf der Verstorbenen platziert, sodass die Löwen scheinbar liegend dargestellt sind. Diese ungewöhnliche Positionierung wirft Fragen nach der symbolischen Bedeutung des Objekts auf.

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Löwen spielen in der Kulturgeschichte des griechischen Raums seit jeher eine bedeutende Rolle. Sie stehen sinnbildlich für königliche Macht und Autorität, wie eindrucksvolle Darstellungen aus Mykene belegen. Dort verkörpert das sogenannte Löwentor aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. sichtbar die Macht der herrschenden Elite. Vor diesem Hintergrund erscheint insbesondere die umgekehrte Platzierung des Diadems bemerkenswert und bedarf weiterer Interpretation.

Elaborate 2,700-year-old tomb in Greece contains burial of a woman with an upside-down crown
Das mysteriöse Diadem war falsch herum auf dem Kopf der Toten platziert.© GMoC | Greek Ministry of Culture

Handelt es sich um eine gefallene Königin?

Die Forscher interpretieren die umgekehrte Platzierung des Diadems als mögliches Symbol für den Verlust von Macht, einen erzwungenen Rücktritt oder den Sturz der bestatteten Person. Damit rücken soziale und politische Umbrüche des 7. Jahrhunderts v. Chr. in den Fokus der Untersuchung. Die Spannungen dieser Zeit fanden erst mit den Reformen Solons im Jahr 594 v. Chr. eine vorläufige Lösung, als Athen den Übergang von einer aristokratischen Ordnung zu einer Timokratie vollzog, also einer Herrschaftsform, in der politischer Einfluss an Vermögen gebunden war.

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Vor diesem historischen Hintergrund halten die Wissenschaftler es für plausibel, dass die in der Grabstätte bestattete Frau infolge politischer Unruhen ihren sozialen Rang eingebüßt haben könnte. Das umgekehrt getragene Diadem wird als potenzieller Hinweis auf einen solchen Statusverlust gewertet.

In unmittelbarer Nähe zur Bestattung der Frau wurde zudem das Grab eines etwa vierjährigen Kindes freigelegt, das ebenfalls ein Diadem mit einer Rosette trug. Die Autoren der Studie prüfen, ob eine mögliche familiäre Verbindung zwischen beiden Individuen besteht.