Ein Glas Wein zum Abendessen, ein Bier nach Feierabend – lange galt moderates Trinken als harmlos, vielleicht sogar als gesund. Doch diese Vorstellung geriet in den vergangenen Jahren zunehmend ins Wanken. Studien warnten vor Krebsrisiken selbst bei kleinen Mengen Alkohol, Gesundheitsorganisationen rückten von früheren Empfehlungen ab. Nun entfacht ein aktueller Überblick der American Heart Association (AHA) erneut eine hitzige Debatte.

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In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit, veröffentlicht im Fachjournal „Circulation“, kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass ein geringer Alkoholkonsum – definiert als ein bis zwei Getränke pro Tag – kein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall oder plötzlichen Herztod mit sich bringe. Möglicherweise könne er das Risiko sogar senken. Die Analyse richtet sich vor allem an Kardiologinnen und Kardiologen und fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen.

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Kritik von Medizinern und Gesundheitsexperten

Kaum war die Arbeit erschienen, regte sich schon Widerstand. Viele Ärztinnen, Ärzte und verschiedene Gesundheits-Organisationen halten die Schlussfolgerungen für problematisch. Sie verweisen auf dabei neuere Studien, nach denen Alkohol auch in geringen Mengen gesundheitliche Schäden verursachen kann – insbesondere ein erhöhtes Krebsrisiko. Organisationen wie die World Heart Federation betonen, dass es keine risikofreie Menge Alkohol gebe.

Die AHA weist die Kritik allerdings zurück. Die Übersichtsarbeit sei keine neue Empfehlung für Patientinnen und Patienten, sondern eine wissenschaftliche Einordnung, sagt die leitende Medizinerin der Organisation, Mariell Jessup, der New York Times. An der bestehenden Beratung halte man fest: Wer keinen Alkohol trinke, solle auch nicht damit anfangen. Beweise dafür, dass Alkohol Herzkrankheiten vorbeuge, gebe es eindeutig nicht.

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Untersuchungen zu Alkoholkonsum: Alte Studien und neue Zweifel

Im Kern dreht sich der Streit um die Qualität der zugrunde liegenden Forschung. Viele frühere Studien, die einen möglichen Nutzen moderaten Trinkens nahelegten, sind Beobachtungsstudien. Sie zeigen Zusammenhänge, können aber keine Ursache-Wirkung-Beziehungen belegen. Kritiker bemängeln, dass dabei oft nicht ausreichend berücksichtigt wurde, wer als „Nichttrinker“ gilt – etwa Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen aufgehört haben zu trinken.

Neuere Forschungsmethoden, darunter genetische Studien, stellen den vermeintlichen Schutzeffekt zunehmend infrage. Sie finden keinen Hinweis darauf, dass Menschen, die lebenslang wenig oder keinen Alkohol trinken, häufiger Herzkrankheiten entwickeln.

Weiterhin unstrittig: Hoher Alkoholkonsum schadet der Gesundheit

Unstrittig ist nur eines: Hoher Alkoholkonsum schadet dem Herzen und der Gesundheit insgesamt. Ob kleine Mengen eher nutzen oder schaden, bleibt dagegen umstritten. Viele Fachleute raten deshalb zu einem nüchternen Fazit: Wer Alkohol trinkt, sollte dies bewusst tun – und nicht aus gesundheitlichen Gründen.

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