Trotz ihrer vergleichsweise fortschrittlichen Abwasseranlagen litten römische Soldaten offenbar häufig unter erheblichen Magen-Darm-Erkrankungen. Dies geht aus einer Studie hervor, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Parasitology“ veröffentlicht wurde. Für ihre Untersuchung analysierten die Forscher Erdrückstände aus dem Abfluss einer Latrine des römischen Kastells Vindolanda in Großbritannien am Hadrianswall.

Schmerzhafte Erkenntnis: Forscher entdecken antike Erreger

Im Vergleich zu den Jahrhunderten nach dem Ende des Römischen Reiches verfügten die Römer über ein für ihre Zeit bemerkenswert fortschrittliches Abwasserkonzept. Archäologische Funde aus dem Kastell Vindolanda nahe dem Hadrianswall belegen dies eindrücklich. Die gut erhaltene Fundstätte in Großbritannien erlaubt detaillierte Einblicke in die Infrastruktur eines römischen Militärlagers, zu der auch sanitäre Anlagen wie Latrinen gehörten. Im Rahmen der aktuellen Studie entnahmen die Wissenschaftler insgesamt 58 Proben entlang des Verlaufs eines Latrinenabflusses, um den gesundheitlichen Belastungen der dort stationierten Soldaten nachzugehen.

Lesen Sie auch

Die Analyse der Proben erbrachte neben Tierknochen, römischen Perlen und Keramikfragmenten auch eindeutige Hinweise auf parasitäre Belastungen. Identifiziert wurden Eier von Spulwürmern der Gattung „Ascaris“ sowie von Peitschenwürmern der Gattung „Trichuris“, beides Parasiten, die den menschlichen Darm befallen und Symptome wie Bauchschmerzen, Fieber und Durchfall verursachen können. Der Studie zufolge erfolgt die Übertragung dieser Parasiten vor allem über kontaminierte Nahrungsmittel oder verunreinigte Erde, in der sich die Eier befinden.

Ernsthafte Erkrankungen mit fatalen Folgen

Neben den bereits nachgewiesenen Parasiten identifizierten die Forscher auch Hinweise auf Giardia duodenalis, einen Parasiten, der ebenfalls den menschlichen Darm besiedelt und Auslöser von Giardia-Infektionen ist. Laut der Studie können Infektionen mit diesem Parasiten erhebliche gesundheitliche Folgen haben, darunter Reizdarmsymptome, Augenschädigungen, Arthritis, allergische Reaktionen und Muskelschmerzen. Besonders charakteristisch ist zudem starker Durchfall, der in schweren Fällen zu einer gefährlichen Dehydrierung führen kann.

Auch interessant

Nach Einschätzung der Wissenschaftler bestand dieses Gesundheitsrisiko nicht nur für die Soldaten selbst, sondern auch für Kinder, die sich möglicherweise bei ihnen infizierten. Chronische Infektionen mit Giardia, Spulwürmern oder Peitschenwürmern können bei Kindern zu Wachstumsstörungen und einer Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung führen, erläutert Mitautor Piers Mitchell, Paläoparasitologe an der Universität Cambridge.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die vorliegenden Befunde stellen den bislang ersten archäologischen Nachweis von Giardia-Infektionen dar. Der Parasit ist auch heute noch vor allem in Regionen mit unzureichender Hygiene verbreitet. In Deutschland treten Infektionen nach Angaben der Forschungsplattform „Zoonosen“ überwiegend im Zusammenhang mit Auslandsreisen auf. Wie viele Menschen im römischen Vindolanda tatsächlich von den Erkrankungen betroffen waren, lässt sich nach Aussage der Autoren der Studie jedoch nicht mit Sicherheit bestimmen.