Schlechte Nachrichten für Skifahrer in den Dolomiten, was die Aussicht auf Schnee angeht: Ungewöhnlich warme Temperaturen erschweren im Dezember selbst die künstliche Beschneiung und damit auch den Skibetrieb. Zwar sollen demnächst Wolken aufziehen, doch nennenswerte Niederschläge sind laut Meteorologen nicht zu erwarten.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Vor allem in den tiefer gelegenen Tälern wird es eher grün bleiben – sehr zum Ärger der vielen Urlauber, die auf Schnee gehofft hatten. Denn selbst wenn es einmal schneit, bleibt der Schnee wegen der höheren Temperaturen nur kurz liegen. Betreiber in Italiens Skigebieten schlagen Alarm.

Auch interessant

Skifahren in den Dolomiten: 75 Prozent weniger Schnee

Ein Winter mit Temperaturen nahe zehn Grad ist in Italiens Dolomiten nicht „normal“, kommt jedoch immer häufiger vor. Die Zahlen bestätigen diese Entwicklung: Verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2025 fehlen in diesem Jahr bis zum 17. Dezember über 75 Prozent des Schnees – konkret 78,1 Prozent im Trentino und 75 Prozent in Südtirol, so die auf Klimaforschung spezialisierte Stiftung Cima.

Die Nullgradgrenze liegt inzwischen meist oberhalb von 2000 Metern. Zahlreiche Skipisten könnten ohne künstliche Beschneiung nicht mehr betrieben werden. Trotz des massiven Rückgangs der Schneemengen in den Alpen wird weiterhin viel Geld in den Ausbau der Skigebiete investiert – auch in Hinblick auf internationale Großereignisse wie die Olympischen Winterspiele im Februar 2026.

Kritik: Es fehlen Strategien für den Wintertourismus

Kritik kommt von den Grünen: Der Südtiroler Landtagsabgeordnete Zeno Oberkofler spricht von einer fehlenden langfristigen Strategie. Viele Entscheidungsträger würden die ökologischen und sozialen Folgen des Massentourismus ignorieren, sagte Oberkofler gegenüber Trentiner Medien. Die Temperaturen liegen heute um fast fünf Grad höher als in früheren Jahren.

Der Skitourismus sei zwar wirtschaftlich weiterhin bedeutend, berge jedoch erhebliche Risiken. Setze man den bisherigen Kurs fort, drohe der Branche in zehn bis 15 Jahren eine Zukunft ohne Perspektive – mit ungenutzten Liftanlagen und hohen Kosten für die öffentliche Hand, warnte Oberkofler. Zudem könnten zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen.

Besonders betroffen seien die einheimische Bevölkerung und die Umwelt. Hohe Temperaturen machen das Skifahren teurer und weniger zugänglich, während große Besucherzahlen die Lebenshaltungskosten in Trentino-Südtirol erhöhen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Die Grünen fordern daher eine Begrenzung der Besucherzahlen in stark frequentierten Regionen. Skiorte wie Gröden, Alta Badia oder das Fassatal benötigten keine zusätzlichen Großveranstaltungen, so Oberkofler.

Eindrücke aus dem Skigebiet Hochzillertal-Fügen im Zillertal, Bundesland Tirol in Österreich
Von Winterwunderland kann kaum die Rede sein: Bilder wie hier aus Tirol gibt es in diesem Winter auch in Italien zuhauf, vielerorts mangelt es an Schnee, und auch Kunstschnee bleibt nicht liegen.© imago/Chris Emil Janßen | IMAGO/Chris Emil Janssen

Umwelt-Experte: „Schnee in Trient in 50 Jahren so selten wie in Neapel“

Von den Verantwortlichen von „Dolomiti Superski“, dem größten Skigebietsnetz der Welt mit über 1200 Pistenkilometern, heißt es, es sei noch zu früh, um von einem schneelosen Winter zu sprechen. „Klimawandel bedeutet nicht automatisch weniger Niederschläge. Es kann durchaus sein, dass es im Januar und Februar schneit, doch es wird schwieriger, dass der Schnee liegen bleibt“, erklärt Giacomo Poletti, Umweltingenieur und Dozent für Meteorologie an der Schule der Trentiner Skilehrer und Bergführer, gegenüber lokalen Medien.

Das eigentliche Problem sei, dass der Klimawandel zu einer stärkeren Beständigkeit von Wetterlagen führt. So können sich – wie in diesem Dezember – Phasen ohne nennenswerte Niederschläge über Wochen hinziehen. Das Wetter wird insgesamt weniger dynamisch. „Einzelne Kälteeinbrüche sind noch nicht ganz ausgeschlossen, weil wir noch nicht völlig aus der Spur geraten sind. Aber in 50 Jahren könnte ein Schneefall in Trient so selten sein wie heute in Neapel“, so Poletti.

Auch interessant

Eine weitere Folge des Klimawandels ist also der Rückgang der Schneemengen, die eine wichtige Wasserreserve für den Winter darstellen. Laut dem Cima-Observatorium weist das Einzugsgebiet des Flusses Etsch 52,54 Prozent weniger Schneewasservolumen auf als im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2024. In den Alpen konzentrieren sich die größten Probleme auf mittlere und niedrigere Lagen unter 2000 Metern, wo die Schneedecke besonders anfällig für Temperaturschwankungen ist. In höheren Lagen über 2500 Metern ist die Situation etwas besser, auch wenn dort weiterhin Defizite von 25 bis 30 Prozent bestehen.

Olympische Winterspiele in Italien: Betreiber bangen um Schnee

Mangelnder Schnee in Trentino und Südtirol bereitet auch den Organisatoren der Olympischen Winterspiele 2026 Sorgen. Fünf Wochen vor Beginn des Großevents in Mailand und Cortina richtet der Internationale Skiverband (FIS) den Fokus auf die Produktion von Kunstschnee und äußert Bedenken hinsichtlich der Pistenvorbereitung. Alarm schlägt der schwedische FIS-Präsident Johan Eliasch, der offen von „unerklärlichen Verzögerungen“ spricht und besonders Livigno, Austragungsort der Snowboard- und Freestyle-Wettbewerbe, nennt: „Es gibt ein Problem mit der Schneeproduktion. Es gab Verzögerungen.“

Darauf reagierte der Bürgermeister von Livigno, Remo Galli: „Wenn es einen Ort gibt, der großartige Olympische Spiele garantieren kann, dann ist es Livigno. Wir werden den gesamten notwendigen Schnee haben.“ Am 27. Dezember findet in Livigno der neue Weltcup-Super-G statt. In den vergangenen Tagen haben die FIS-Techniker Beschneiung, Pistenuntergrund und Sicherheitsbedingungen positiv bewertet.