Das Leben schreibt die besten Geschichten. Dieser Mittwoch ist ein besonderer und wird der Familie ewig im Gedächtnis bleiben. In Niedersachswerfen feiert Hildegard Werbach ihren 102. Geburtstag. Und am selben Tag erblickt ihre Ur-Ur-Enkelin Mila das Licht dieser Welt.

Jeden 2. Sonntag
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Die Freude ist groß. Auch bei Hildegard. „Ein Steinbock mehr“, betont sie und schaut schmunzelnd auf ihre Tochter Monika, die vor 78 Jahren ebenfalls in diesem Sternzeichen geboren worden ist. Und dank Mila ist nun auch Monika eine Ur-Oma. Kaum zu glauben. „Dabei fühle ich mich noch jung“, sagt sie und lacht.
Gelacht wird viel an diesem Feiertag – und erzählt. Die Familie ist so groß, da mangelt es nie an Geschichten. Hildegards Tochter Monika sowie den beiden Söhnen Jürgen (80) und Manfred (73) sind vier Enkel, fünf Ur-Enkel sowie inzwischen drei Ur-Ur-Enkel gefolgt. Hildegard genießt jedes Gespräch, in dem sie Neuigkeiten erfährt. Nach wie vor nimmt sie regen Anteil am familiären Geschehen.
Der Kopf möchte noch so vieles, aber der Körper macht nicht mehr alles mit.
Monika Kleemann, Tochter der Jubilarin, über das Leben ihrer Mutter als 102-Jährige
Ihr Blick in die Welt ist schwerer geworden. Die Lupe ermöglicht zwar das Lesen. Aber es strengt enorm an. Und die Flimmerkiste, die seit Jahren Hildegards Fernrohr ist, bleibt mittlerweile häufiger aus. Ihr Hörvermögen lässt immer stärker nach. Doch Naturfilme schaut sie sich weiterhin gern an. „Da muss ich nichts hören“, erklärt die 102-Jährige. Die Bilder sprechen für sich.
„Der Kopf möchte noch so vieles, aber der Körper macht nicht mehr alles mit“, bedauert Monika die Lebensumstände ihrer Mutter. Auch als älteste Sachswerferin wohnt Hildegard Werbach selbstständig in einem Mehrfamilienhaus in der Schillerstraße. Das ist machbar, weil Tochter Monika im selben Haus lebt. Hildegard ist immer umsorgt. Gibt es Probleme, genügt ein Knopfdruck am Telefon. So sind die Steinböcke: pflichtbewusst, zuverlässig und treu.
Ein bewegtes Leben zwischen Gipswerk und Konsum-Kaufhalle
Hildegard ist eine waschechte Südharzerin. Ihre Wurzeln liegen in Mackenrode (von der Seite der Mutter) und väterlicherseits in Klettenberg, wo sie am 14. Januar 1924 geboren wird. Als das Gipswerk am Kohnstein Arbeiter sucht, zieht die Familie nach Niedersachswerfen. Der Berg ist damals eine Rohstoffbasis für das Merseburger Ammoniakwerk – die späteren Leuna-Werke.
Der Berufsweg des Vaters führt nach Merseburg. Die Familie begleitet ihn. Als 22-Jährige kehrt Hildegard nach Niedersachswerfen zurück. Hier heiratet sie 1947 ihren Kurt. Die drei Sprösslinge Jürgen, Monika und Manfred machen das Glück perfekt. Es hält ein halbes Jahrhundert. Kurz vor der goldenen Hochzeit stirbt Kurt.
Vielen älteren Sachswerfern ist Hildegard gut bekannt. 19 Jahre lang arbeitet sie in dem Konsum-Laden in der Teichstraße, 15 davon als Verkaufsstellenleiterin. Anschließend wechselt sie in die damalige Konsum-Kaufhalle an der Nordhäuser Straße (heute: Fleischerei Brennecke), die ihr Arbeitsplatz bis zur Rente bleibt.





