Wohl keine Seuche hat Europa so schwer zugesetzt, wie die Pest. Zwischen 25 und 50 Millionen Tote, schätzen Forscher, gehen auf das Konto des „Schwarzen Todes“. Von 1347 bis 1353 entvölkerte die Pest ganze Landstriche, in einigen Städten im Süden Europas sollen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung ausgelöscht worden sein.

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Das Gebiet des heutigen Deutschland war zwar mit Sterblichkeitsraten zwischen 10 und 20 Prozent weniger stark betroffen. Größere Städte litten aber teils massiv unter der Pest, etwa Bremen oder Erfurt. Die thüringische Hauptstadt beklagte um die 12.000 Tote – bei ungefähr 20.000 Einwohnern und Einwohnerinnen.
Die vielen Leichen wurden laut zeitgenössischen Quellen in elf großen Gruben vor den Toren der Stadt bestattet. Wo sich diese Massengräber aber befinden, ist nicht überliefert, wie es bei den allermeisten Pest-Gräbern der Fall ist. Nur zehn Standorte sind europaweit bekannt, etwa in Frankreich und Großbritannien.
Ein Forschungsteam der Universität Leipzig hat nun im Rahmen einer Studie allerdings ein weiteres der Gräber gefunden: bei Erfurt. Erstmals, verkündet die Uni, sei es einem Team in Europa gelungen, durch systematische Suche einen solchen Begräbnisort aufzustöbern. Ihre Ergebnisse haben sie im Wissenschaftsjournal „PLOS One“ veröffentlicht.
Verschiedene Forschungsdisziplinen am Werk
Mit elektrischen Widerstandskartierungen des Untergrundes und Sedimentbohrungen habe das Team die Oberfläche der mittelalterlichen Landschaft rekonstruieren können, heißt es in einer Pressemitteilung. Dabei konnten die Forschenden eine großflächige Untergrundstruktur (etwa 10 Meter x 15 Meter x 3,5 Meter) mit stark durchmischtem Sediment sowie menschlichen Knochenfragmenten nachweisen.
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Mittels Radiokohlenstoffanalysen seien die Knochenfunde „eindeutig“ ins 14. Jahrhundert datiert worden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir eines der in den Chroniken beschriebenen Pestmassengräber von Erfurt eindeutig lokalisiert haben. Endgültige Klarheit kann allerdings erst im Zuge einer geplanten archäologischen Grabung dieses Befundes erlangt werden“, erklärte Michael Hein, Hauptautor der Studie und Geograf an der Universität Leipzig.
Eine große Errungenschaft der Studie sei es, dass das Grab nicht zufällig, etwa bei Baumaßnahmen, entdeckt wurde, sondern im Rahmen einer schonenden archäologischen Bodenuntersuchung, „die naturwissenschaftliche Methoden mit historischen Quellen verknüpft“. Hein glaubt, dass die Methode Zukunft hat. „Dieses Vorgehen könnte künftig helfen, auch andere Epidemie- oder Konfliktgräber gezielt zu identifizieren und zu schützen.“
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Fund hat große Bedeutung
Auch die Erforschung des Erregers Yersinia pestis könnte einen Schub erfahren. Laut der Universität Leipzig eröffnet der Fund des Pestgrabs die Gelegenheit zu genetischen und anthropologischen Analysen, mit denen mehr über die Gründe für die hohe Sterblichkeit während der Pest herausgefunden werden könnte. Zudem bieten sich Einblicke in den Umgang einer mittelalterlichen Gesellschaft mit Seuchen.
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„Dieser Fund ist nicht nur archäologisch und historisch bedeutsam“, sagte Christoph Zielhofer, Leiter der Arbeitsgruppe „Historische Anthroposphären“ am LeipzigLab der Universität Leipzig. „Er hilft uns zu verstehen, wie Gesellschaften mit massenhaften Todesfällen umgehen und wie moderne, interdisziplinäre Forschung helfen kann, die Standorte von Massengräbern zu lokalisieren – Themen, die leider bis ins 21. Jahrhundert aktuell bleiben.“








