Auf der Suche nach dem Ursprung einer besonderen Virusvariante haben Wissenschaftler das Erbgut der Eismumie Ötzi analysiert und dabei eine aufschlussreiche Entdeckung gemacht. Die Untersuchung zeigt, dass der Mann aus dem Eis bereits vor rund 4500 Jahren einen Krankheitserreger in sich trug, dessen aggressivste Ausprägungen mit der Entstehung von Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden.
Ötzis Erbgut offenbart hohes Risiko einer schweren Krankheit
Humane Papillomviren zählen zu einer umfangreichen Virusgruppe, die überwiegend durch sexuellen Kontakt übertragen wird. Bis heute wurden mehr als 200 verschiedene HPV-Typen identifiziert, die in Niedrigrisiko und Hochrisiko-Varianten eingeteilt werden. Insbesondere die Hochrisiko Typen stehen in engem Zusammenhang mit der Entstehung von Gebärmutterhals-, Vulva-, Penis-, Anal- und Mund-Rachen-Krebs.
Im Rahmen einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler der Föderalen Universität São Paulo den evolutionären Ursprung von HPV16, einer der am stärksten krebserregenden Varianten. Als Grundlage dienten genetische Analysen der rund 4500 Jahre alten Gletschermumie Ötzi sowie des etwa 45.000 Jahre zuvor verstorbenen Mannes von Ust Ishim in Sibirien.
Die Auswertung der DNA erbrachte ein bemerkenswertes Ergebnis. Beide prähistorischen Individuen wiesen zu Lebzeiten Spuren der Hochrisiko Variante HPV16 auf. Damit liefert die Studie den bislang frühesten molekularen Nachweis dieses Virus beim anatomisch modernen Menschen und zeigt, dass bereits in der Urgeschichte ein potenzielles Risiko für HPV bedingte Krebserkrankungen bestand.
In der bisherigen Forschung dominierte die Annahme, dass die Variante HPV16A durch genetischen Austausch mit Neandertalern in den Genpool des Homo sapiens gelangte. Die nun erfolgte zeitliche Rückdatierung legt jedoch nahe, dass HPV16 bereits im Jungpaläolithikum bei anatomisch modernen Menschen verbreitet war. Dies spricht für eine langfristige Wirt-Virus-Beziehung, die sich unabhängig von einer Übertragung durch Neandertaler entwickelt hat.
HPV-Impfung kann schwere Erkrankung verhindern
Die Ständige Impfkommission empfiehlt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts die Impfung gegen Humane Papillomviren für alle Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren. Die Impfung bietet Schutz vor den häufigsten Hochrisikotypen und kann das Risiko schwerer Erkrankungen deutlich reduzieren. Zwar infizieren sich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens unbemerkt mit HPV und in vielen Fällen verläuft die Infektion folgenlos. Persistiert die Infektion jedoch über einen längeren Zeitraum, kann sie Zellveränderungen verursachen, die zu Krebsvorstufen und in weiterer Folge zu malignen Erkrankungen führen können.


