Pünktlich zum Jahreswechsel begann für die Menschen im Nordosten Indiens ein brutaler Alptraum: Seit dem 1. Januar wandert ein wilder Elefant durch die Waldgebiete des Bundesstaats Jharkhand und geht dabei aggressiv auf Menschen los. Dabei handelt es sich um einen jungen Elefantenbullen – erkennbar an seinem einzelnen Stoßzahn. Mittlerweile kursieren sogar private Aufnahmen im Netz, die zeigen, wie das Tier Einheimische jagt. Das Gebiet befindet in Alarmbereitschaft.
Aggressiver Elefantenbulle läuft Amok: „Jeder wurde niedergetrampelt“
Indischen Behörden zufolge ist es bei weitem nicht das erste Mal, dass in dieser Region ein aggressives Wildtier Schrecken verbreitet. Ein solches Ausmaß wie jetzt sei allerdings nicht üblich: Ein Beamter der Forstbehörde erklärte gegenüber BBC: „Es ist das erste Mal, dass eine solche Häufung von Todesfällen mit einem einzelnen männlichen Elefanten in dieser Region in Verbindung gebracht wird.“
Demnach fielen dem tonnenschweren Tier in den ersten zehn Tagen bereits 22 Menschen zum Opfer. Medienberichten zufolge wurden auch vier Kinder tödlich verletzt, darunter sogar ein acht Monate altes Baby.
Aditya Narayan, der zuständige Forstamtsleiter des Distrikts Chaibasa, erklärte gegenüber lokalen Medien: „Jeder, der ihm in die Quere kam, wurde niedergetrampelt. Allein in einer Familie kamen vier Menschen ums Leben. So etwas hat es noch nie gegeben.“
Auch interessant: Haiangriff im Hafen von Sydney: Zwölfjähriger kämpft um sein Leben
Terror-Elefant in Indien: Menschen schlafen aus Angst auf den Dächern
Obwohl über 100 Forstbeamte nach dem Wildtier suchen, konnte der aggressive Riese noch immer nicht gefunden werden. Der Grund: Der Elefant sei jung, agil und vor allem nachts aktiv. Er wechsle häufig seinen Standort und halte sich teilweise tief in den Wäldern auf, seinem natürlichen Lebensraum. Deshalb fielen dem Tier bisher vor allem Menschen, die sich nachts in der Nähe aufhielten, zum Opfer – zum Beispiel Arbeiterinnen und Arbeiter auf Reisfeldern und in Wäldern.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Laut Behördenangaben wurde ein 34-Jähriger in der Nähe seines Hauses auf dem Heimweg von der Arbeit angegriffen. Gegenüber der BBC berichteten weitere Familien von ihren Verlusten: So wurde ein 62-Jähriger getötet, als er sein Feld bewachte. Ein Sohn berichtet, dass sein schlafender Vater vor seinem Haus zu Tode getrampelt wurde. Auch eine Witwe schildert, dass sie mit ihrer verletzten zweijährigen Tochter fliehen musste und später von dem Tod ihres Mannes und ihrer beiden älteren Kinder erfahren habe.
Menschen wird nun dringend davon abgeraten, sich nachts draußen aufzuhalten oder im Freien zu schlafen. Vor allem Bauern sollten dringend davon absehen, weiterhin auf ihren Feldern oder in Scheunen zu nächtigen. Medienberichten zufolge verbringen viele Menschen die Nächte mittlerweile auf flachen Dächern und sogar Bäumen.
Brutale Elefantenangriffe in Indien: Warum ist der Bulle so aggressiv?
Expertinnen und Experten vermuten, dass sich das Tier in der Paarungsphase befindet. Demzufolge steigen vor allem bei männlichen Elefanten Hormone wie Testosteron stark an. Die Folge: unberechenbares Verhalten. Dieser Zustand könne laut Behördenangaben bis zu 20 Tage andauern.
Auch interessant
Außerdem sei der Elefant von seiner Herde getrennt, was ebenfalls fatale Auswirkungen haben könne. Der aktuelle Fall beweise, dass soziale Wesen wie Elefanten zu aggressivem Verhalten tendieren, wenn sie den Anschluss zu ihrer Familie verlieren.
Aber auch aufgrund menschlicher Aktivitäten in der Nähe von Elefantenkorridoren komme es in dieser Region regelmäßig zu Konflikten zwischen Mensch und Tier: Durch die Abholzung der Wälder und Landnutzung würden Menschen aggressives Verhalten provozieren, da sie den Tieren ihren Lebensraum und wichtige Nahrungsquellen nehmen.
Lesen Sie auch: Erstmals Wildkatze in Brandenburg nachgewiesen – Forscher nutzten einen Trick
Indien in Angst und Schrecken: Behörden versprechen Unterstützung für Familien der Opfer
Wie lange die Suche nach dem Elefanten noch andauern wird, ist unklar. Laut offizieller Angaben war das Tier zuletzt im Distrikt West Singhbhum in Jharkhand, etwa 1175 Kilometer östlich von Neu-Delhi, unterwegs.
Sobald der Bulle gefunden wird, soll er betäubt und sicher in die Wildnis zurückgeführt werden. Die Behörden haben zudem finanzielle Unterstützung für die Familien der Opfer angekündigt.






