Die Adriaküste, insbesondere in Italien, mit ihren Traumstränden gilt als Top-Reiseziel für Urlauber. Doch Italiens Meere geraten zunehmend durch invasive Arten unter Druck. Nach der rasanten Ausbreitung der Blaukrabbe (Callinectes sapidus), die vor allem in der Adria erhebliche ökologische und wirtschaftliche Schäden verursacht hat, macht sich nun eine weitere nicht heimische Spezies breit: die Rippenqualle Mnemiopsis leidyi, auch als See- oder Meerwalnuss bekannt. Sie gilt inzwischen als neuer Schreck der italienischen Fischer.
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Der unersättliche Räuber von Fischlarven, Weich- und Krebstieren ist meist nur wenige Zentimeter groß, nahezu durchsichtig und mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Besonders in der oberen und mittleren Adria bereitet die Art den Fischern zunehmend Sorgen. Anders als die invasive Blaukrabbe, die überwiegend küstennah vorkommt und vor allem die Muschelfischerei beeinträchtigt, breitet sich die Seewalnuss über deutlich größere Meeresgebiete aus.
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Auch die italienische Politik hat das Thema aufgegriffen. Die Europaabgeordnete Anna Maria Cisint sprach von einer „neuen Plage“. Die Seewalnuss fresse nicht nur Plankton, sondern auch Larven von Fischen, Muscheln und Krebstieren und sei noch schlimmer als die bereits problematische Blaue Krabbe, durch den in der nördlichen Adria der Umsatz der Muschelfischerei stark eingebrochen sei. Cisint forderte von der EU-Kommission rasche Gegenmaßnahmen und finanzielle Ausgleichshilfen. Die italienische Regierung hatte in den vergangenen zwei Jahren bereits Millionenbeträge bereitgestellt, um die Folgen der invasiven Blaukrabbe für Fischerei und Küstenökosysteme Italiens abzumildern.
Blaukrabbe und Seewalnuss bereiten Italiens Umweltschützern Sorgen
Ursprünglich stammt Mnemiopsis leidyi von den atlantischen Küsten Amerikas ab. Ins Mittelmeer gelangte die Art durch den internationalen Schiffsverkehr, eingeschleppt über das Ballastwasser von Frachtern. Nach ihrer Einführung fand sie günstige Bedingungen für eine rasche Ausbreitung, insbesondere in geschlossenen oder halbgeschlossenen Gewässern wie Lagunen, Buchten und Küstenzonen mit relativ warmem, nährstoffreichem Wasser.
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Besonders stark betroffen ist jetzt vor allem die Lagune von Venedig mit ihrem flachen und warmen Wasser. Mnemiopsis leidyi zählt zu den 100 schädlichsten invasiven Arten weltweit, wie eine Studie der Universität Padua und des Instituts für Ozeanographie und Experimentelle Geophysik (OGS) zeigt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Estuarine, Coastal and Shelf Science veröffentlicht.
Neue invasive Art in Italien: Massenvermehrung im späten Frühjahr
Als begünstigender Faktor für ihre Verbreitung gilt der Klimawandel. Veränderte Wassertemperaturen und Salzgehalte fördern die starke Vermehrung dieser Art zulasten anderer Organismen. Besonders Lagunen im Mittelmeerraum seien gefährdet, da sie starke räumliche und saisonale Schwankungen der Umweltbedingungen aufwiesen, erklärte Studienautor Filippo Piccardi von der Universität Padua. Die ökologischen Folgen für diese sensiblen Systeme seien bislang noch nicht vollständig absehbar.

Für die Untersuchung analysierten die Forscher über zwei Jahre hinweg die räumliche Verteilung der Art und werteten diese in kontrollierten Experimenten aus. Dabei zeigte sich ein deutliches saisonales Muster mit Massenvermehrungen im späten Frühjahr sowie zwischen Spätsommer und Frühherbst. Diese Phasen stehen demnach in engem Zusammenhang mit Wassertemperatur und Salzgehalt.
Die aus dem westlichen Atlantik stammende Rippenqualle gilt als besonders problematisch, da sie kaum natürliche Fressfeinde hat. Sie ernährt sich von Zooplankton, Fischeiern und -larven und steht damit in direkter Konkurrenz zu vielen einheimischen Fischarten. Fachleute warnen, dass eine massive Ausbreitung die Fischbestände weiter schwächen könnte.
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Italiens neue Plage: Keine wirksamen Mittel gegen Quallenart
Zudem gilt Mnemiopsis leidyi als äußerst widerstandsfähig. Die Art überlebt bei Temperaturen zwischen zehn und 32 Grad Celsius sowie bei Salzgehalt von zehn bis 34 Gramm pro Liter. Nach Einschätzung der Ozeanografin Valentina Tirelli könnten die aktuellen Klimaveränderungen zunehmend günstige Bedingungen schaffen und das Risiko gravierender Folgen für ganze Lagunenökosysteme weiter erhöhen. Größere Vorkommen wurden zuletzt in mehreren Küstengebieten Italiens gemeldet, unter anderem in der Adria und im Tyrrhenischen Meer.
Fischereiverbände und Meeresbiologen zeigen sich entsprechend besorgt. Während die Blaukrabbe Netze beschädigt und Muschelzuchten direkt zerstört, wirkt sich die Seewalnuss weniger sichtbar, dafür langfristig umso nachhaltiger auf das Ökosystem aus. Maßnahmen zur Eindämmung gelten als schwierig, da es bislang kaum wirksame Mittel gibt, invasive Quallenarten gezielt zu bekämpfen.




