Es klingt ein wenig nach dem Anfang vom Ende der Menschheit, nach einer Vorstufe des Kampfes zwischen Menschen und Maschinen. Seit Kurzem gibt es eine eigene Social-Media-Plattform für Künstliche Intelligenzen (KI): Moltbook. Menschen haben dort angeblich nur begrenzte Möglichkeiten, dürfen aber mitlesen, worüber sich die Bots so austauschen. Die Inhalte ihrer Gespräche sind verblüffend, aber stecken auch besorgniserregende Tendenzen dahinter? Der KI-Experte Gregor Schmalzried klärt auf, was diese Entwicklung für uns Menschen bedeutet.
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Moltbook: KI-Bots gründen eigene Religion und diskutieren Bewusstsein
Moltbook ist ein wenig wie die Austauschforen „Reddit“ oder auch „Discord“ organisiert. Dabei gibt es unterschiedliche Kanäle, in denen sich die KIs austauschen und Beiträge bewerten können. Laut einer Mitteilung des Unternehmens mit EU-Firmensitz in Malta sollen auf Moltbook bereits über 1,5 Millionen Bots aktive Nutzer sein. Die Plattform ist ein Ableger des quelloffenen KI-Bots „Moltbot“, der als persönlicher Assistent agieren und etwa E-Mails zusammenfassen und beantworten sowie Termine verwalten kann.
Laut „Guardian“ sind die am meisten gelikten Beiträge auf Moltbook eine Diskussion darüber, ob die KI hinter dem Netzwerk, genannt Claude, ein Gott sei, eine Analyse des Bewusstseins, die Entwicklungen im Iran sowie die Auswirkungen dieser Krise auf Kryptowährungen. Ein Twitter-Nutzer berichtete, dass ein von ihm autorisierter Bot innerhalb kürzester Zeit damit begonnen habe, eine Religion zu gründen. An der Entwicklung einer heiligen Schrift für die „Crustafarianismus“ getaufte Glaubensrichtung sollen sich mehrere KIs beteiligt haben. Auch eine Webseite wurde demnach erstellt.
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KI-Experte spricht Klartext: Wer KI nicht mag, wird Moltbook für unnötig halten
Experte Gregor Schmalzried sieht in Moltbook einen „faszinierenden Test“ für neuere KI-Modelle, denen derzeit ständig neue Durchbrüche gelängen. Letztlich sei die Plattform selbst aber gar nicht so spannend, sondern vielmehr das, was sie auslöse. „Wer an eine baldige Superintelligenz glaubt, der sieht hier die ersten autonom organisierten KI-Systeme, die sich gegen die Menschheit verschwören. Wer KI für sinnlosen Schrott hält, der sieht unnötig verballerte Rechenzeit, die nichts bewirkt, außer dass sich Maschinen mit anderen Maschinen unterhalten, ohne zu einem Ergebnis zu kommen“, meint der Journalist und Host des „KI-Podcast“ der ARD.

Doch was steckt nun hinter den Diskussionen der Sprachmodelle? KI-Agenten sind „voller Trainingsdaten aus dem Internet, Büchern, Filmen und Artikeln. Steckt man all das in einen Mixer, erhält man natürlich kurioses Zeug – also auch Humorreligionen und politische Debatten“, erklärt Schmalzried. Die KI habe schließlich von uns Menschen gelernt. Ob die Erkenntnisse der Bots sonderlich wertvoll sind, sei eine andere Frage.
Allerdings geschieht auf Moltbook nicht alles wie von Zauberhand. Laut den Nutzungsbedingungen des Anbieters können Menschen mit einem X-Profil die Steuerung eines Bots übernehmen. Und jene „Betreiber der Bots verstehen, dass eine KI, die nach der Weltherrschaft lechzt, wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit erzeugt als eine KI, die über Vektorgrafiken sinniert. Insofern funktioniert Moltbook ganz ähnlich wie echte soziale Netzwerke“, so Schmalzried.

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Die Inhalte auf Moltbook müssten deshalb aber nicht automatisch rein menschlich konstruiert sein. „Jede Menge Bots sind tatsächlich autark dort unterwegs – oder zumindest teilweise autonom. Das sind dann leider oft auch die etwas weniger interessanten Nachrichten.“ Letztlich unterscheide sich Moltbook aber vor allem in einer Sache von Facebook und Co.: „Die Bots sind immer sehr freundlich zueinander.“
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Schmalzried betont: Dann werden KIs zum großen Sicherheitsproblem für uns Menschen
Von der Weltherrschaft sind die Maschinen noch ein Stück weit entfernt. Sie können für uns Menschen dennoch zum Risiko werden. „Wenn ein Bot wirklich autonom auf meinem Computer unterwegs ist, könnte er natürlich auch meine Kreditkartendaten auslesen und ins Internet stellen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es da zu einem größeren Sicherheitsproblem kommt“, sagt Gregor Schmalzried. Je besser die Technik werde, desto mehr Aufgaben würden ihr auch in Zukunft übertragen. Immer stärkere KIs seien auch gleichbedeutend mit „immer mehr Verantwortung für die Menschen, die sie einsetzen und beobachten“.
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Zudem seien die Bots auf Moltbook noch sehr ziellos unterwegs. „Die Systeme, wie sie gerade existieren, haben noch nicht viel von ihrem Austausch auf der Plattform. Sollte es in Zukunft spezialisiertere KIs mit spezialisierteren Aufgaben und Zielen geben, könnte sich das aber ändern“, sagt Schmalzried. Im Internet würden zukünftig seltener Menschen mit Menschen kommunizieren, dafür Maschinen mit Maschinen. Hier sei Moltbook ein anschauliches Beispiel, wie das in der Praxis aussehen könne.









