Schwedens Landschaft ist voller stiller Zeugen der Vergangenheit: Runensteine, die von den Wikingern vor über 1000 Jahren aufgestellt wurden. Sie erzählen von Liebe, Verlust und epischen Taten. Es sind Botschaften, die lange Zeit niemand mehr lesen konnte.

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Vor einigen Jahren entdeckte ein schwedischer Bauer bei Loftahammar, nördlich von Västervik, einen unscheinbaren Stein auf seinem Feld. Er wollte ihn als Türschwelle benutzen, bis er ihn umdrehte und die eingravierten, zweigartigen Zeichen erkannte: Runen. Der Runenexperte Magnus Källström vom Schwedischen Nationaldenkmalamt entschlüsselte den Text: „Gärder errichtete diesen Stein zum Gedenken an Sigdjärv, ihren Vater, Ögärds Ehemann.“

Solche Funde sind in Schweden keine Seltenheit. Immer wieder tauchen Runensteine beim Bau von Straßen, Radwegen oder bei Feldarbeiten auf. Manche Steine sind erstaunlich alt: Der 2021 in Norwegen gefundene Svingerudstein, datiert auf das erste bis zweite Jahrhundert nach Christus, gilt als der älteste bekannte Runenstein der Welt.

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Runen waren das Social Media der Wikingerzeit

Runen, so Källström, waren das „Social Media“ der Wikingerzeit. Sie wurden an Straßen, Furtstellen und Versammlungsplätzen aufgestellt, um Botschaften sichtbar und öffentlich zu machen. Sie dienten als Gedenksteine, Grenzmarkierungen oder als Hinweis auf Erbfolgen.

Viele Steine berichten von persönlichen Schicksalen: Ein Stein nahe Sala erinnert an Óðindísa, die Frau eines Landwirts, und lobt ihre Fähigkeiten als Hausherrin. Jarlabanke ließ mehrere Steine errichten, die sein eigenes Leben und seine Brückenbauprojekte verewigen. In nördlichem Stockholm markierte ein Runenstein Besitzansprüche und die Erbfolge einer Familie.

Runen dienten nicht nur ernsthaften Zwecken. Auf sogenannten Rätsel-Knochen standen Botschaften wie „Do you love me, I love you“ oder „ǫl gott“ („lecker Bier“). Die berühmte Rök-Stele enthält über 700 Zeichen in Form von Rätseln, die Trauer, mythologische Bezüge und sogar Klimaphänomene reflektieren – eine Art komplexe literarische Spielerei der Wikinger.

In Stein gemeißelte Runen sind besonders langlebig

Die Runen selbst stammen aus der urnordischen Schrift, die vor rund 2000 Jahren entstand. Frühere Handelskontakte und Reisen nach Süd- und Westeuropa brachten nordische Völker in Kontakt mit lateinischen Schriftzeichen, die sie auf ihre eigene Sprache anpassten. Über die Jahrhunderte entwickelten sich drei Hauptvarianten: die ältere Runenreihe, die wikingerzeitliche Runenreihe und die mittelalterlichen Runen.

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Runeninschriften auf Stein sind besonders langlebig. Viele wurden früher farbig bemalt, oft in auffälligen Tönen wie Rot oder Pink. Sie erzählen nicht nur von Alltagsleben, Krieg und Handel, sondern auch von Liebe, Humor und Familie. Auch die frühesten bekannten Runeninschriften, wie Svingerudsteinen in Norwegen, tragen persönliche Namen – etwa Idibera – und geben so Einblicke in die frühe Schriftkultur der Region.

Nicht alle Runensteine sind leicht zu finden. Der Runenstein Sö 282, der seit fast hundert Jahren verschollen war, tauchte 2023 in der Kirche von Botkyrka unter einer Granitschicht wieder auf. Ihre Inschrift aus der Wikingerzeit konnte nun erneut entziffert werden. Solche Wiederentdeckungen zeigen, dass selbst bekannte Steine oft neue Geschichten bereithalten.

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Weltweit 7000 Runeninschriften bekannt

Heute stehen Runensteine nicht nur auf Feldern und an Straßen, sondern auch in Museen wie dem Historiska Museet in Stockholm. Dort ist die Svingerudsteinen zu sehen, der älteste Runenstein Norwegens, der neue Einblicke in die frühe Geschichte der Schrift in Skandinavien gibt. Mehr als 7000 Runeninschriften sind weltweit bekannt, von Island über Großbritannien bis nach Grönland und der Türkei – Zeugnisse einer weitreichenden Kultur.