Vom Sonnendeck sieht man den Krieg nicht. Das Meer liegt ruhig da, die Skyline von Doha (Katar) leuchtet wie an jedem anderen Tag. Doch nachts ist er zu hören. Dann durchbrechen Detonationen die Stille, wenn am Himmel Raketen aus dem Iran abgefangen werden. „Die Detonationen waren in der ersten Nacht sehr heftig, wir waren sehr nervös. In der zweiten Nacht waren sie kürzer, aber trotzdem fällt es danach schwer, wieder einzuschlafen. Letzte Nacht haben wir zum Glück nichts gehört, obwohl wir am Morgen gelesen haben, dass wieder mehrere Raketen auf Doha abgeschossen wurden “, beschreibt es Fabian Tan. Seit Sonntag sitzt der 49-Jährige zusammen mit seiner Partnerin und der fünfjährigen Tochter auf dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ im Hafen von Doha, Hauptstadt von Katar, fest.

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Eigentlich wäre die dreiköpfige Familie schon am Samstag wieder in Berlin gelandet. Eltern und Tochter saßen bereits angeschnallt im Flugzeug, waren in der Luft, als die Ansage des Piloten kam. Gesperrter Luftraum zwang die Maschine zur Umkehr. Seit Israel und die USA die Angriffe auf den Iran gestartet haben, ist die Lage im Nahen Osten so angespannt wie nie zuvor. Der Iran feuert Raketen auf mehrere Länder ab, in denen sich US-Basen befinden. Auch Katar steht unter Beschuss. Wie ist die Lage an Bord der „Mein Schiff 5“?
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„Mein Schiff 5“ sitzt in Doha fest: „Durften erst nicht mal auf die offenen Decks“
Fabian Tan arbeitet bei der FUNKE Mediengruppe, zu der auch diese Redaktion gehört, als Software-Entwickler. Wann er seinen Job wieder antritt, weiß im Moment niemand. Eigentlich wollte er mit Frau und Tochter nur eine Woche lang eine Kreuzfahrt machen. Es ging nach Dubai, Doha und Maskat. „Dass wir hier nun festsitzen, hätte ich nie für möglich gehalten“, berichtet der 49-Jährige.
Nach dem gescheiterten Rückflug durfte die Familie eine Nacht in einem 5-Sterne-Hotel in Doha verbringen. Danach ging es für die drei wieder auf „Mein Schiff 5“ zurück. Seit Sonntag sitzt die Familie dort fest, mit ihnen mehr als 2500 weitere Passagiere. Die meisten von ihnen sind deutsche Staatsbürger.

Das Schiff, das 295 Meter lang ist, ist für die Passagiere derzeit eine Art goldener Käfig. Denn die Sicherheitsvorgaben von TUI sind strikt. „In den ersten Tagen durften wir nicht mal auf die offenen Decks“, berichtet der 49-Jährige. Seit Dienstag dürfen die Passagiere das Schiff immerhin verlassen und auf dem Pier spazieren gehen. „Seit Mittwoch dürfen wir auf eigenes Risiko sogar an Land gehen. TUI rät davon jedoch dringend ab“, erzählt der Berliner.
TUI warnt Passagiere vor Landgang: „Sicherheitslage ist unübersichtlich“
In dem offiziellen Schreiben von TUI, das unserer Redaktion vorliegt, klärt der Reiseveranstalter über Risiken auf und betont, dass die Sicherheit der Passagiere auf dem Festland nicht garantiert werden könne. „Die Sicherheitslage ist unübersichtlich und dynamisch. An Land können wir Ihre Sicherheit nicht gewährleisten“, heißt es. Passagiere, die trotzdem das Schiff verlassen wollen, müssen daher das Formular unterschreiben und so den Reiseveranstalter von der „Beistandspflicht entbinden“.
„Wir jedenfalls wollen kein Risiko eingehen und bleiben daher an Bord“, sagt Fabian Tan. Daher sieht ihr Alltag seit Tagen gleich aus. Die Familie versucht sich so gut es geht abzulenken, vor allem, um der kleinen Tochter ein sicheres Gefühl zu vermitteln. „Auf dem Kreuzfahrtschiff läuft der Betrieb derweil wie normal weiter. Es gibt täglich Buffet, Cocktails an der Bar und ein Entertainmentprogramm“, erzählt der Berliner. Am Mittwoch hat die Crew ein Familien-Bingo organisiert und bietet Kinderprogramme an, um die kleinen Passagiere bei Laune zu halten. „Es gibt sogar ein Kinder-Kino“, so der 49-Jährige.

Vorräte für 2500 Passagiere: „Noch gibt es keine Rationierungen“
Doch wie sieht es mit Vorräten aus? 2500 Passagiere plus Crew müssen ja täglich versorgt werden. „Noch gibt es keine Rationierungen. Es gibt jeden Tag genügend zu essen, frisches Wasser und auch Cocktails“, berichtet Fabian Tan. Am Dienstag wurden neue Medikamente zum Schiff geliefert. „Nur mit den persönlichen Dingen wird es etwas knapp. Wir haben ja nur für eine Woche Urlaub gepackt“, so der Software-Entwickler.
Langsam gehen der Familie daher Zahnpasta und frische Kleidung aus: „Man kann hier auch Kleidung waschen lassen, aber das kostet Geld. Wir haben ein wenig Reise-Waschmittel dabei, aber das reicht nur noch für zwei bis drei Tage aus.“ Es wurden zwar bereits Hygieneartikel wie Binden, Zahnpasta und Shampoo zum Schiff geliefert, jedoch hätten die Artikel nicht für alle Passagiere gereicht.
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Ab Samstag sollen die ersten Passagiere wieder nach Hause kommen
Auch wenn der Alltag an Bord auf den ersten Blick normal erscheint, wirken viele Passagiere angespannt. „Über dem Hafen kreisen Militärhubschrauber und zwei Kriegsschiffe liegen in Sichtweite.“ Doch ein Ende der Tortur ist in Sicht: Am Donnerstagabend meldete sich der Kapitän über die Lautsprecher des Schiffs zu Wort und berichtete von „sehr schönen Neuigkeiten“: Für Samstag habe man erste Sonderflüge organisiert, die Urlauber zurück nach Deutschland bringen sollen.

Die Passagiere müssen erstmal in den Bus. Über mehrere Stunden geht es dann nach Riad in Saudi-Arabien. Von dort sollen am Samstag vier Flugzeuge starten – längst nicht genug für alle Personen auf der „Mein Schiff 5“. „Natürlich werden am ersten Tag nicht genug Plätze zur Verfügung stehen, um schon alle Gäste auszufliegen“, so der Kapitän. Doch auch in den darauffolgenden Tagen sollen Maschinen starten und nach und nach alle zurück nach Hause bringen.









