Der Fall einer abgeschieden lebenden britisch-australischen Familie sorgte im November 2025 international für Aufsehen: Die Australierin Catherine B. und ihr britischer Mann Nathan T. lebten mit ihren drei Kindern als Einsiedler in einem abgelegenen Haus im Wald, in der mittelitalienischen Bergregion der Abruzzen. Ihre Idee dabei: ein Leben im Einklang mit der Natur, abseits von Konsum und Zwängen.

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Die Lebensumstände der mittlerweile neunjährigen Tochter und der siebenjährigen Zwillinge wurden allerdings als nicht kindgerecht eingestuft – ein Jugendgericht entzog den Eltern das Sorgerecht. Abgeschlossen ist der Fall allerdings noch lange nicht.

Kinder lebten ohne fließend Wasser und Strom

Die Behörden wurden auf die Familie aufmerksam, nachdem die Kinder vergangenen Herbst mit einer Pilzvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden waren. Nach einer Prüfung der Lebensumstände wurde dem Elternpaar das Sorgerecht entzogen. Das Leben im Wald sei unhygienisch, das Gebäude teilweise baufällig, Strom und fließend Wasser gebe es nicht, heißt es im Urteil vom 13. November. Die Kinder besuchten keine Schule, wurden zu Hause von den Eltern unterrichtet, hatten große Bildungslücken und kaum Kontakte zu Gleichaltrigen.

Das Waldhaus in Palmoli, in dem die fünfköpfige Familie gelebt hat.
In diesem Waldhaus lebte die Familie, bis die Behörden im November 2025 die Heimunterbringung der Kinder anordneten.© AFP | ANTONELLA SALVATORE

Seit November leben die Kinder nun in einer Einrichtung im italienischen Vasto – bislang gemeinsam mit ihrer Mutter, die ihren Nachwuchs nur zu bestimmten Zeiten sehen durfte. Jetzt musste Catherine B. allerdings aus dem Wohnheim ausziehen. Die Begründung: Spannungen zwischen ihr und den Mitarbeitern. Ihr Verhalten sei „nicht protokollkonform“, Regeln und organisatorische Vorgaben würden nicht eingehalten.

Sorgerecht: Entscheidung löst Diskussionen aus

Die Entscheidung löste auch empörte Reaktionen aus. „Wir dachten, in einem zivilisierten Land zu leben, aber offenbar ist das nicht der Fall. Die Mutter wurde aus dem Wohnheim hinausgeworfen, trotz der herzzerreißenden Schreie der Kinder. Es war schrecklich“, so Catherine B.s Anwältin Danila Solinas. Sogar die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni schaltete sich ein: „Kinder gehören nicht dem Staat: Kinder gehören ihren Müttern und Vätern. Ein Staat, der meint, sich an ihre Stelle setzen zu können, hat seine Grenzen vergessen“, erklärt sie auf X.

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Inspektoren des Justizministeriums in Rom sollen nun prüfen, ob der Beschluss des Jugendgerichts rechtskonform ist. Vize-Ministerpräsident und Chef der rechten Regierungspartei Lega, Matteo Salvini, äußerte sich schon im November ebenfalls auf der Plattform X und bezeichnete den Sorgerechtsentzug als „Schande“. Kinder seien nicht Eigentum des Staates, sondern müssten in der Liebe ihrer Eltern aufwachsen.