Neun Pferde und fünf Rinder wurden neben sechs Schafen seit Jahresbeginn bis Anfang März von Wölfen gerissen, also getötet, ein weiteres Pferd wurde verletzt, so die nüchterne Statistik des Thüringer Umweltministeriums. Im Vorjahreszeitraum wurde nicht ein einziges Pferd gerissen. Aus Sicht des Landesjagdverbandes ist es dramatisch, dass sich die Angriffe zunehmend auf große Weidetiere wie Rinder und Pferde richten: „Wildbiologisch ist dieses Verhalten erklärbar: Wölfe nutzen bevorzugt leicht erreichbare und energetisch lohnende Beute“, erklärt LJVT-Präsident Ludwig Gunstheimer. „Große Huftiere stellen – insbesondere, wenn sie auf offenen Weideflächen stehen – eine attraktive Nahrungsquelle dar. Sobald Wölfe mehrfach erfolgreich solche Beutetiere erlegen, kann es zu einer Konditionierung kommen. Die Tiere lernen, dass Rinder oder Pferde eine vergleichsweise einfache Beute darstellen.“

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Diese Entwicklung sei auch im Hinblick auf die Abwanderung junger Wölfe aus dem Rudel sehr bedenklich, so der Verband. „Junge Tiere verlassen im Alter von ein bis drei Jahren häufig ihr Rudel, um neue Reviere zu besiedeln. Haben sie gelernt, größere Weidetiere als Beute zu nutzen, besteht die Gefahr, dass dieses Verhalten in andere Regionen getragen wird“, warnt Gunstheimer. „Damit könnten sich Konflikte mit der Weidetierhaltung in bislang weniger betroffenen Gebieten verstärken.“

Rinder und Pferde sind für Wölfe eine attraktive Beute.

Jagd
Ludwig Gunstheimer, Präsident des Landesjagdverbandes Thüringen

Er betont dabei, dass es bei der Diskussion um den Umgang mit dem Wolf nicht um eine grundsätzliche Ablehnung der Art gehe. Entscheidend sei vielmehr ein realistisches Wolfsmanagement, das sowohl den Schutz der Art als auch die berechtigten Interessen der Weidetierhalter berücksichtige.

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Um eine sachgerechte Bewertung von Schadensfällen sicherzustellen, setzt der Landesjagdverband Thüringen auf Weiterbildung: Am 17. April findet mit dem Kompetenzzentrum Wolf, Biber, Luchs (KWBL) eine erneute Schulung für Rissgutachter im Landratsamt Altenburg statt. Ziel ist es, die fachliche Qualifikation der Gutachter weiter zu stärken und eine möglichst fundierte und transparente Bewertung von Wildtierrissen zu gewährleisten.

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Auch Heinz Bley vom Landesverband der Thüringer Pferdezüchter sieht die Zunahme der Pferderisse mit großer Sorge. Er rät allen Pferdehaltern, vor allem in den bestätigen Wolfsgebieten, sich vom Kompetenzzentrum individuell beraten zu lassen, wie sie ihre Pferde am besten schützen können. „Man will den Wolf, also müssen wir Landwirte sehen, wie wir damit leben können.“

Pferde- und Rinderhalter können laut Landesjagdverband ihre Weiden durch verschiedene Maßnahmen vor Wolfsangriffen schützen, auch wenn der Herdenschutz bei großen Weidetieren deutlich schwieriger umzusetzen sei als etwa bei Schafen. Eine wichtige Grundlage seien wolfsabweisende Elektrozäune mit ausreichender Höhe und Spannung, die ein Unterkriechen oder Überspringen möglichst verhindern sollen. Besonders wirksam könne zudem das Einrichten sogenannter Nachtpferche sein: „Dabei werden die Tiere in den Abend- und Nachtstunden auf kleinere, besser gesicherte Koppeln oder in Stallnähe zusammengeführt. Da viele Wolfsübergriffe in der Dämmerung oder nachts stattfinden, lassen sich die Tiere auf diesen kleineren Flächen leichter schützen und kontrollieren“, erklärt Silvio Anders vom LJVT.

Trotz dieser Möglichkeiten bleibe der Schutz großer Weidetiere auf weitläufigen Weideflächen eine Herausforderung. Technischer Herdenschutz sei dort oft mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten verbunden, weshalb in der Praxis meist eine Kombination mehrerer Maßnahmen erforderlich sei, so Anders.

Derzeit gibt es im Freistaat sieben bestätigte Wolfsterritorien mit etwa 30 standorttreuen Tieren: Rund um Neustadt am Rennsteig, bei Ohrdruf, Altenburg, Trusetal-Seligenthal, im Hainich, am Großen Kalmberg bei Stadtilm und bei Ilfeld.