• Leberentzündung: In Italien häufen sich derzeit Fälle von Hepatitis A
  • Grund für den Ausbruch sind verunreinigte Lebensmittel, z.B. Fisch
  • Was die Behörden beschlossen haben und man sich schützen kann

Die italienische Küche ist berühmt für ihre Vielfalt an Meeresfrüchtengerichten, die vor allem in Küstenregionen wie Sizilien, Sardinien und entlang der Amalfiküste eine lange Tradition haben. Klassiker wie Spaghetti alle Vongole oder Risotto ai frutti di mare finden sich auf nahezu jeder Speisekarte in Meeresorten.

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In der süditalienischen Region Kampanien mit der Hauptstadt Neapel ist damit vorerst Schluss: Spezialitäten wie Garnelen, Muscheln und Tintenfisch dürfen vorübergehend nicht mehr serviert werden. Grund ist ein Ausbruch von Hepatitis A, der die Region seit Tagen stark betrifft. Laut der Gesundheitsbehörde liegt die Zahl der gemeldeten Fälle in Neapel derzeit etwa zehnmal höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Hepatitis A in Neapel: Verzehrverbot für rohe Meeresfrüchte

Dutzende Menschen mussten wegen Hepatitis in Krankenhäuser eingeliefert werden. Als Reaktion darauf verhängte Neapels Bürgermeister Gaetano Manfredi ein sofortiges Verkaufs- und Verzehrverbot für rohe Meeresfrüchte in Restaurants. Bei Verstößen drohen Geldstrafen zwischen 2.000 und 20.000 Euro; im Wiederholungsfall kann auch die Betriebsschließung erfolgen. Die Maßnahmen bleiben in Kraft, bis sich die epidemiologische Lage verbessert. Die Bevölkerung wurde zudem aufgerufen, besonders auf Hygiene zu achten, um die Ausbreitung der Epidemie einzudämmen.

Die für Lebensmittelsicherheit zuständige Spezialeinheit der Carabinieri NAS leitete eine flächendeckende Kontrollaktion ein, die das gesamte Gebiet umfasst – von gehobenen Restaurants über Fischgeschäfte bis zu den kleineren Märkten. 

Hepatitis A ist eine akute Leberentzündung, die vor allem durch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser übertragen wird. Rohe oder unzureichend gegarte Muscheln gelten als Hauptinfektionsquelle, da sie Viren aus belastetem Wasser anreichern können. Experten empfehlen daher, Meeresfrüchte nur gut durchgegart zu verzehren. Gesundheitsfachleute raten zudem zu gründlichem Händewaschen und zur Vermeidung von Kontaminationen in der Küche. Als effektivste Schutzmaßnahme gilt eine Impfung.

Infektiologin: „Wir sehen eine lange Serie schwerer Fälle“

Novella Carannante, Infektiologin am Krankenhaus Cotugno in Neapel, bezeichnet die Lage als „außerhalb der üblichen epidemiologischen Muster“ der Region Kampanien. Üblicherweise erreicht die Zahl der Infektionen ihren Höhepunkt im Januar, oft in Verbindung mit dem Verzehr roher Meeresfrüchte während der Weihnachtsfeiertage. Im März dagegen sind die Fallzahlen normalerweise stark rückläufig, die meisten Patienten können zu Hause behandelt werden.

Dieses Jahr ist das Bild anders: „Wir sehen eine lange Serie schwerer Fälle, die unsere Station ausgelastet haben, sodass wir Betten in der Notaufnahme nutzen mussten“, berichtet Carannante gegenüber Medien in Neapel. Seit Januar seien mindestens hundert Patienten im Cotugno-Krankenhaus behandelt worden. Betroffen sind vor allem Personen zwischen 35 und 45 Jahren, die teilweise stark erhöhte Leberwerte und in einigen Fällen schwere Komplikationen aufweisen.

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Virus in Muscheln und Austern nachgewiesen

Der Virologe Fabrizio Pregliasco betont, dass Hepatitis A in den meisten Fällen keine schwere Erkrankung ist, sondern häufig auf vermeidbare Ursachen zurückgeht. Dazu zählen unzureichende Kontrollen in der Lebensmittelkette. „Es besteht kein Grund zur Panik, wohl aber zur Vorsicht“, meint der Experte. Entscheidend seien strengere Kontrollen, mehr Aufmerksamkeit bei der Herkunft von Lebensmitteln und ein verantwortungsvoller Umgang durch die Verbraucher.

Laut Pino Iovane, Generaldirektor des Istituto Zooprofilattico Sperimentale del Mezzogiorno, ging die Kontamination ursprünglich vom Meer aus. Bei 142 Proben wurden acht positive Fälle festgestellt - sieben Muscheln und eine Auster. Die betroffenen Lieferungen stammten aus Bacoli und Varcaturo bei Neapel und wurden sofort gesperrt. Iovane weist darauf hin, dass Hepatitis A über den fäkal-oralen Weg übertragen wird und das Virus inzwischen auch auf anderen Wegen zirkulieren könnte, etwa über zwischenmenschliche Kontakte. Die Situation verdeutliche die Bedeutung präventiver Maßnahmen, sorgfältiger Kontrollen der Lebensmittelkette und eines verantwortungsvollen Umgangs mit Rohmeeresfrüchten in betroffenen Regionen, so Iovane.