- Wal-Experte Robert Marc Lehmann steht wegen auffälliger Fehleinschätzungen in der Kritik
- Sein Instagram-Account wurde inzwischen deaktiviert
- Der Bürgermeister Partheil-Böhnke erhebt nun schwere Vorwürfe
Meeresbiologe Robert Marc Lehmann galt für viele Aktivisten als letzte Hoffnung: Wird der „Walflüsterer“ dem immer schwächer werdenden Buckelwal in der Ostsee doch noch helfen können? Oder weilt Lehmann schon gar nicht mehr in Mecklenburg-Vorpommern? Der Meeresbiologe hat seinen Instagram-Account deaktiviert. Der von ihm gegründete Verein „Mission Erde“ teilte in einer Story in dem sozialen Netzwerk nur mit, dass Lehmann sich aktuell auf einer Mission befinde, „die seinen vollen Fokus benötigt“.
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Bürgermeister über Lehmann: „Sein Selfiestab war ihm wichtiger als alles andere“
Der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke (FDP), hat offenbar genug von Lehmann. Der „Bild“-Zeitung sagte er, Lehmann habe zwar kompetent gewirkt. „Was er sagte, klang, als hätte es Hand und Fuß“, so Partheil-Böhnke. In der Praxis aber sei die Zusammenarbeit „sehr schwierig“ gewesen. „Ich war etwas überrascht, dass seine Prognosen und seine Annahmen zu 100 Prozent falsch waren“, erklärte der Bürgermeister.
Durch sein selbstbewusstes Auftreten sei es dem „Walflüsterer“ trotzdem gelungen, die Anwesenden für sich einzunehmen. Im Gespräch mit „t-online“ sagte der FDP-Bürgermeister, Lehmanns Fehleinschätzungen seien frappierend gewesen. So habe der Wal-Experte die Wahrscheinlichkeit, dass der Wal beim direkten Kontakt die Augen öffne, auf 0,1 Prozent beziffert, was sich als Irrtum erwies. Der Wal habe die Augen geöffnet und sei hochaktiv gewesen. Laut dem Bürgermeister sei an dem Tag eine entscheidende Rettungschance verpasst worden.

Umwelt-Influencer Lehmann soll Selbstinszenierung über Tierwohl gestellt haben
Rückblickend soll es viele Warnsignale gegeben haben. Laut „t-online“ räumte der Bürgermeister ein, sich getäuscht zu haben. „Schon als Lehmann sich das erste Mal mit einem Boot dem Wal näherte, war ihm sein Selfiestab wichtiger als alles andere“, so Partheil-Böhnke. Auch später habe sich der Umwelt-Influencer vor allem um die schnelle Veröffentlichung seiner Videos gekümmert – weniger um das Wohl des Tieres.
Ostsee-Wal: „Walflüsterer“ wirft Land vor, ihn bei Rettungsaktion auszuschließen
Der Biologe hatte den Verantwortlichen vor knapp einer Woche vorgeworfen, ihn von weiteren Aktionen ausgeschlossen zu haben. Bei Instagram berichtete er, dass Verantwortliche ihm als Grund hierfür „Selbstdarstellung“ unterstellt hätten. Zudem sei er vor Ort bereits unfreundlich begrüßt worden. Partheil-Böhnke widerspricht: „Er durfte an Bord des Polizeischiffs den Einsatz als Leiter nicht mehr fortführen. Das hatte ich ihm tatsächlich entzogen, nachdem er dort die Fehlentscheidungen getroffen hatte.“
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Demnach hätten die Retter auf Lehmanns Anraten hin den Wal nur noch von einer Seite mit Booten zu begleiten. In der Folge sei das Tier „ausgebüxt“ und man habe „wirklich Zeit verloren“. Er habe Lehmann dann die Einsatzleitung weggenommen. „Das hat ihn, glaube ich, zutiefst verärgert.“

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Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte Lehmanns Anschuldigungen bei einer Pressekonferenz in Wismar zurückgewiesen. „Wir haben niemanden ausgeschlossen“, sagte Backhaus. Er kündigte an, mit Lehmann darüber sprechen zu wollen. „Ich glaube, damit ist auch ein Signal gesendet, dass wir Kooperation suchen, pflegen und umsetzen.“ Auch der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, und Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) bekräftigten, dass niemand Lehmann aktiv von Rettungsmaßnahmen ausgeschlossen habe.
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Lehmann hatte kurz nach der ersten Strandung vor Timmendorfer Strand im Neoprenanzug neben dem auf einer Sandbank festsitzenden Wal gestanden und versucht, ihn zu beruhigen und zum Losschwimmen zu animieren. Dann befreite sich das Tier durch eine ausgebaggerte Rinne zwar, saß kurze Zeit später aber in Wismar fest. Aktuell ist der Buckelwal vor der Insel Poel gestrandet – und sein Zustand verschlechtert sich zunehmend.
Meeresbiologe Lehmann fordert bei Instagram: „Seid für den Wal da“
Zwischenzeitlich forderte Lehmann in einem Video bei Instagram: „Liebe Experten, ab in die Neoprenanzüge, seid für den Wal da!“ Diese hatten jedoch beschlossen, das Tier in Ruhe zu lassen – in der Hoffnung, dass es Kraft tankt, sich selbst befreit und den Weg aus der Ostsee herausfindet. Bisher ohne Erfolg.
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In den sozialen Medien stellten sich viele Nutzerinnen und Nutzer hinter Lehmann und wünschten sich seine erneute Beteiligung an einer Rettung des Wals. Den YouTube-Kanal des Biologen haben mehr als eine Million Menschen abonniert, auf Instagram hatte er bis zur Deaktivierung seines Profils rund 789.000 Followerinnen und Follower.
Hinweis der Redaktion: In einer ursprünglichen Version des Textes hatte es geheißen, dass es Zweifel an Lehmanns Lebenslauf gebe, etwa dass die Uni Kiel den Studiengang Meeresbiologe gar nicht anbiete. Laut ihrer Webseite führt die Hochschule aber den Masterstudiengang Biological Oceanography. Der Text wurde entsprechend angepasst.
pau/rk/pcl/dpa










