Kurz vor der Veröffentlichung des autorisierten Biopics „Michael“ geraten Michael Jacksons Vermächtnis und Vergangenheit erneut in den Fokus: Neue Vorwürfe werden laut. Bereits zu Lebzeiten wurde gegen den „King of Pop“ wegen Kindesmissbrauchs ermittelt, jedoch wurde er nie verurteilt und hat die Vorwürfe bis zu seinem Ableben bestritten. Nun, 17 Jahre nach seinem Tod, erheben Frank, Edward, Dominic Junior, Marie-Nicole und Aldo Cascio – deren Familie eng mit Jackson verbandelt war – den Vorwurf, über mehr als ein Jahrzehnt hinweg von ihm sexuell missbraucht worden zu sein.

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Wie unter anderem das „Rolling Stone Magazine“ berichtete, soll Jackson die Kinder, beginnend im Alter von etwa sieben Jahren, manipuliert und ihnen Alkohol und Drogen gegeben haben, um sie zu missbrauchen. Unter anderem auf seiner bekannten Neverland Ranch in Kalifornien. Ende Februar haben die Geschwister in Los Angeles Klage gegen Jacksons Nachlassverwalter eingereicht.

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Besonders brisant ist die Wahl ihres Anwalts: Mark Geragos. Er hat Michael Jackson im Jahr 2003 als Strafverteidiger vertreten, als die Polizei die Neverland Ranch wegen Missbrauchsvorwürfen durchsuchte, allerdings wurde Geragos vor Beginn des Prozesses von Jackson entlassen. Dass nun ausgerechnet der Mann, der ihn einst verteidigte, die Familie bei ihrer aktuellen Klage vertritt, sorgt für großes Aufsehen.

Cascios galten als Jacksons „zweite Familie“

Die Beziehung der Familie Cascio zu Jackson reicht bis ins Jahr 1984 zurück. Damals lernte Dominic Cascio, Vater der Familie, als Manager des Helmsley Palace Hotel in New York Jackson kennen und freundete sich mit ihm an. Mit der Zeit besuchte Jackson ihn immer häufiger zu Hause und blieb zum Abendessen. Dabei lernte er auch Cascios Frau Connie und die Kinder immer näher kennen. Laut Berichten der „New York Post“ nannte der Musiker die Cascios sogar seine „zweite Familie“.

Im Alter von etwa 20 Jahren wurde Frank Cascio – der älteste Sohn der Familie – sogar zu Jacksons persönlichem Assistenten und verfasste später ein Buch mit dem Titel „My Friend Michael“. Im Jahr 2010 – nur etwa ein Jahr nach Jacksons Tod – waren die Cascios zu Gast in der US-amerikanischen „Oprah Winfrey Show“. Damals wurden noch ganz andere Töne angeschlagen: Als die Familie bei Oprah auf Missbrauchsvorwürfe angesprochen wurde, verteidigte sie Jackson einstimmig. Frank Cascio ging sogar so weit zu sagen: „Michael könnte nicht einmal einer Fliege was zuleide tun.“

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„Leaving Neverland“: Dokumentation brachte Stein ins Rollen

Doch das Narrativ der Familie änderte sich im Jahr 2019, nach dem Erscheinen der HBO-Dokumentation „Leaving Neverland“, welche sich mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson aus den Jahren 1993 und 2003 beschäftigt. Wie die „New York Post“ berichtete, sollen die Cascios auf die Nachlassverwalter zugekommen sein, um mit ihnen über den Verkauf von privatem Material und die Mitarbeit in diversen Projekten zu verhandeln. Doch die Verhandlungen sollen eskaliert sein: Laut den Nachlassverwaltern sollen die Diskussionen schnell in Drohungen umgeschlagen sein, neue Missbrauchsvorwürfe gegen Jackson ans Tageslicht zu bringen.

Die Cascio-Geschwister erklären, die Dokumentation habe auf sie wie ein „Deprogrammierungs“-Moment gewirkt. Nach ihrer Darstellung brachte er sie dazu, einzugestehen, dass auch sie von Jackson sexuell missbraucht worden seien, und die ersten Schritte ihres Heilungsprozesses einzuleiten. Das berichtete das „Medium“-Magazin.

Familie Cascio klagt trotz Geheimhaltungsvereinbarung

Im Jahr 2020 schlossen die Cascios jedoch eine Vereinbarung mit den Nachlassverwaltern von Michael Jackson. Diese beinhaltete auch ein sogenanntes „Non-Disclosure-Agreement“ – also eine Verschwiegenheitserklärung. Darin wurde festgelegt, dass die Familie Cascio niemals öffentlich negative Behauptungen über Jackson aufstellen darf und alle künftigen Streitigkeiten in Bezug auf Jackson ausschließlich über ein privates Schiedsgericht zu lösen seien. Im Gegenzug erhielten die Geschwister über den Zeitraum von fünf Jahren etwa 15 Millionen Dollar.

Im September 2024 hat die Nachlassverwaltung von Michael Jackson dann ein Verfahren gegen Frank Cascio – den ältesten Sohn der Familie – eingeleitet. Der Vorwurf: Erpressung. Frank soll laut den Nachlassverwaltern zum wiederholten Male damit gedroht haben, die jahrzehntelange Verteidigung Jacksons in Missbrauchsvorwürfe umzukehren, sollte er nicht eine dreistellige Millionensumme erhalten. Seitens der Nachlassverwalter wird von einem „213-Millionen-Dollar-Erpressungsversuch“ gesprochen.

Jacksons Anwalt: „Versuch, an Geld zu kommen“

Laut Informationen des „Rolling Stone Magazine“ behauptet der Anwalt der Cascios hingegen, dass die Familie, noch bevor sie das Geschehene vollständig hätte verarbeiten können, von den Nachlassverwaltern unter Druck gesetzt und zur Unterschrift gedrängt worden sein soll. Geragos argumentierte, die Vereinbarungen seien nicht durchsetzbar, weil sie unzulässige Verschwiegenheitsklauseln enthielten, die zur Vertuschung sexuellen Missbrauchs dienen sollten. Frank Cascio – seines Zeichens Buchautor – behauptet nach Informationen der „New York Post“ außerdem, dass er unter Dyslexie leide und die Vereinbarung aus dem Jahr 2020 damals schlichtweg nicht verstanden habe.

Marty Singer, Anwalt der Nachlassverwaltung von Michael Jackson, kritisierte die Klage der Cascios gegenüber der „Los Angeles Times“ als „einen verzweifelten Versuch, an Geld zu kommen“ und weiter: „Die Familie hat Michael Jackson mehr als 25 Jahre lang entschieden verteidigt und seine Unschuld gegenüber Vorwürfen des unangemessenen Verhaltens beteuert. Dieser neue gerichtliche Vorstoß ist Teil eines Plans, Hunderte Millionen Dollar aus Michaels Nachlass und seinen Firmen zu schlagen.“

Die Anwälte der Cascios hingegen argumentieren, dass die Familie damals, als die Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet wurde, einer regelrechten Gehirnwäsche ausgesetzt war, die erst in den vergangenen Jahren nachgelassen habe. Zudem stützen sie sich auf neuere kalifornische Gesetze, die zum Ziel haben, Schweigevereinbarungen in Fällen von sexuellem Missbrauch für nichtig zu erklären.

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„Michael“: Biopic des „King of Pop“ erscheint am 24. April

Die Klage der Cascio-Geschwister fällt in eine Zeit, in der das Vermächtnis des „King of Pop“ intensiver denn je beäugt wird. Es ist ein regelrechter Kampf um die Deutungshoheit entbrannt: Während die aktuelle BBC-Dokumentation „Michael Jackson: An American Tragedy“ in ihrem Epilog explizit den mutmaßlichen Opfern und den laufenden Klagen Raum gibt, setzen die Nachlassverwalter auf die Macht des Kinos.

Am 24. April startet das offizielle und von der Nachlassverwaltung autorisierte Hollywood-Biopic „Michael“ in den Kinos. Mit Jacksons Neffen Jaafar in der Hauptrolle soll der Film das Bild des missverstandenen Genies zementieren – einem Bericht des „Stern“ zufolge wurden sogar millionenschwere Nachdrehs angesetzt. So musste ein großer Teil des Porträts, welcher sich mit den Missbrauchsvorwürfen von Jordan Chandler aus dem Jahr 1993 beschäftigt, verworfen werden. Die Familie Chandler hatte sich damals mit Jackson außergerichtlich geeinigt. Teil dieses Deals war offenbar, dass jegliche filmische Darstellung oder Erwähnung Chandlers untersagt ist.