Zweieinhalb Jahre herrschte Ungewissheit, dann brachte ein privates Suchteam die traurige Gewissheit: Die sterblichen Überreste der Belgierin Celine Cremer wurden in der tasmanischen Wildnis gefunden. Ihre Mutter bricht nun ihr Schweigen – mit einer eindringlichen Warnung an alle Reisenden, die ihr Leben blindlings einer Smartphone-App anvertrauen.

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Es ist eine einfache Botschaft, die Ariane Mathieu an junge Reisende richtet, und doch steckt in jedem Wort das Gewicht einer Mutter, die ihre Tochter verloren hat: „Die junge Generation vertraut dem Handy sehr, sehr stark. Aber man sollte nicht immer auf sein Handy vertrauen“, sagte sie im Interview mit „Australian Story“, einer Dokumentarfilmserie des australischen Senders ABC. Für manche Aktivitäten, sagt sie, sei es besser, eine gute Karte oder ein Satelliten-GPS dabei zu haben.
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Das Drama beginnt mit einem kurzen Spaziergang
Ihre Tochter Celine Cremer, 31 Jahre alt, Belgierin, Abenteurerin, ist tot. Ihre sterblichen Überreste wurden Anfang dieses Jahres im Nordwesten Tasmaniens gefunden – mehr als zweieinhalb Jahre, nachdem sie in der tasmanischen Wildnis verschwunden war.
Es ist ein kalter Junitag im Jahr 2023, als Celine Cremer zu einer Wanderung bei den Philosopher Falls aufbricht. Die Wasserfälle liegen nahe dem Örtchen Waratah an Tasmaniens rauer Westküste – eine Region, die sich wie das Ende der Welt anfühlt. Fast die Hälfte der australischen Insel ist von Wald und einheimischer Vegetation bedeckt, das Tasmanische Wildnis-Welterbegebiet allein umfasst 1,38 Millionen Hektar – größtenteils unwegsames Terrain ohne Straßen.
#BREAKING: Police say they have found more human remains, as well as items of clothing that they believe belong to missing Belgian backpacker Celine Cremer.https://t.co/V5o9Lp8n1O
— ABC News (@abcnews) 30. Januar 2026
Celine Cremer kommt von dieser Wanderung nicht zurück. Am 17. Juni wird sie zuletzt in Waratah gesehen. Neun Tage später meldet ihre Familie sie als vermisst. Die Polizei findet ihr Auto auf dem Parkplatz der Philosopher Falls – es steht dort offenbar seit dem 20. Juni, dem Tag, an dem ihr Mobiltelefon sein letztes Signal sendet.
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Diese Frage war für Celines Mutter unerträglich
Was folgt, ist eine intensive Suche unter extremen Bedingungen. Polizeibeamte durchkämmen den Wanderweg zu Fuß, mit Geländefahrzeugen, Hubschraubern und Drohnen. Ein Leichenspürhund wird aus dem Bundesstaat New South Wales, in dem Sydney liegt, eingeflogen. Doch die tasmanische Wildnis gibt Celine nicht frei. „Wir haben außer ihrem Fahrzeug kein Lebenszeichen von Celine gefunden”, sagte Commander Stuart Wilkinson einst gegenüber ABC. „Der Busch wird schnell sehr dicht und sehr weitläufig.”
Nach zwei Wochen wird die Suche zurückgefahren. Medizinische Experten gehen davon aus, dass Cremer die eisigen Temperaturen, Regen, Schnee und Wind nicht überlebt haben kann.
Für Celines Mutter Ariane war lange eine Frage unerträglich: Warum hatte ihre Tochter nicht angerufen, als sie sich verlaufen hatte? Die Antwort kam erst, als das Handy im Dezember 2025 gefunden wurde – halb begraben im dichten Unterholz, rund 300 Meter vom Wanderweg entfernt. „Als sie das Handy fanden, verstand ich, dass sie es verloren hatte und deshalb diesen Anruf nicht machen konnte”, so Ariane Mathieu. „Jetzt verstehe ich ein bisschen besser, was passiert ist.”
Mehr von Australien-Korrespondentin Barbara Barkhausen
Diese Rolle spielte die beste Freundin
Google-Maps-Daten deuten darauf hin, dass Celine in dem dichten Wald ohnehin kaum eine Mobilfunkverbindung hatte. Eine einfache technische Schwäche, mit möglicherweise tödlichen Konsequenzen. Ariane appelliert seither eindringlich an europäische Reisende: Australien habe weit mehr Funklöcher, als man aus Europa gewohnt sei.
Die Familie gab nicht auf. Celines beste Freundin Justine Ropet zog von Belgien nach Australien, um selbst nach Hinweisen zu suchen. Sie kontaktierte den Privatdetektiv Ken Gamble, der Cremers Telefonstandortdaten analysierte und ein noch nicht durchsuchtes Gebiet identifizierte. Im Dezember 2025 machte sich eine unabhängige Gruppe aus belgischen Freunden und internationalen Freiwilligen auf den Weg – und hatte sofort Erfolg: Neben dem Handy fanden sie eine Wasserflasche und einen Müllbeutel mit einem Loch, möglicherweise als behelfsmäßiger Regenschutz verwendet.
Mit diesem Gegenstand schützt sich die beste Freundin der Toten
Wenige Wochen später, am 28. Januar dieses Jahres, machte ein Freiwilliger namens Jarrod Boys rund drei Kilometer nordöstlich des Parkplatzes entlang des Arthur River dann die entscheidende Entdeckung. „Ich betete einfach für ein Wunder, dass ich heute etwas finden könnte“, sagte er später gegenüber ABC. „Ich hielt an, um Luft zu holen, schaute nach unten – und etwa einen Meter vor mir lagen menschliche Knochen. Ich glaube, ich verfiel in einen Schockzustand.” Die Polizei geht davon aus, dass Celine versucht haben könnte, flussabwärts zur Straße zu gelangen – und dabei möglicherweise ertrank.
Justine Ropet trägt heute stets einen Notfall-Positionsmelder bei sich – ein kleines Gerät, das im Ernstfall unabhängig vom Mobilfunknetz Hilfe rufen kann. „Ich wusste nicht einmal, dass es diese Geräte gibt, bevor Celine verschwand“, sagte sie gegenüber „Australian Story“. Seither bereitet sie sich anders auf Touren vor. Und auch die tasmanische Polizei mahnt in der Sendung nochmals zur Vorsicht. Wanderer sollten auf markierten Wegen bleiben, ihre Route im Vorfeld mitteilen und – wie Ropet es inzwischen tut – zusätzliche Kommunikationsmittel mitführen, so Inspector Andrew Hanson.








